Am Veringkanal in Wilhelmsburg haben sich sehr unterschiedliche Kulturorte angesiedelt. Maggi Markert aus der HONIGFABRIK berichtet über alte und neue lokale Kultur am Kanal.

Autorin: Maggi Markert

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Kanalkonzert beim gemeinsamen Fest „Kanal und Liebe“, Foto: Zinnwerker

Vom Hamburger Abendblatt wurde der Veringkanal jüngst schon zum „Kulturkanal“ erklärt: vom Dockville-Festival ganz im Süden über den interkulturellen Garten und die Soulkitchenhalle zu den Zinnwerkern, die die alten Zinnwerke zu neuem Leben und Sinn erweckten und mit den konspirativen Küchenkonzerten zu einiger Berühmtheit gelangten, schließlich das IBA-Projekt und die Baustelle Künstlercommunity Elbinseln mit den geplanten Ateliers bis hinauf zur Honigfabrik, die schon 1979 nach dem Motto „von der Maloche zur Muße“ ein Industriedenkmal für die lokale Kultur entdeckte.

Der Veringkanal: eine Grenzlinie in Wilhelmsburg, an der Hafenindustrie und Wohngebiet direkt aufeinander stoßen. Hier Containerlager und Schwerlastverkehr, dort ein fast idyllischer Wanderweg, gesäumt mit szenigen Kneipen, schrägen Orten für Off-Kultur und Ateliers der jungen „Kreativen“. Aber ein Hotspot lokaler Kultur? Im Grunde hat sich in einer Gemengelage aus Wollen und Zufall die Anhäufung kultureller Orte am Veringkanal entwickelt. Der eigentliche Charme dieses Ortes nistet in den historischen Industriegebäuden und die Qualität ergibt sich aus der speziellen Mischung der ganz normalen Wilhelmsburger Kleingewerbebetriebe und dem jungen Völkchen der Neu-Wilhelmsburger. Das wirklich Besondere ist, wie alle miteinander verwoben und vernetzt sind. Nicht weil dies des Organisationsentwicklers Lieblingsbegriff ist und Synergie erhofft wird, sondern weil sich das in einer guten Nachbarschaft so gehört.

Berührungsängste zwischen den doch sehr verschiedenen Menschen aus geradezu gegensätzlichen sozialen Milieus gibt es nicht, Diskussion und Streit schon manchmal, aber eben auch das gemeinsame Interesse, diesen verwunschenen Ort im Grenzgebiet zwischen Rendite, Brache und Romantik zu verteidigen für ein vielfältiges multikulturelles Leben mit Platz für Ideen und Träume, Freiräume eben, in denen man gut miteinander auskommt und Neues wachsen kann. Das gemeinsame Ziel schweißt bekanntlich zusammen. Diese Stimmung konnte erspüren, wer am 15. Juni das Fest „Kanal und Liebe“ miterlebte, mit dem die Kanalisten auf beiden Ufern gegen ihre eigene Abschaffung anfeierten. Die Zinnwerker bekamen seit dem viel öffentliche Unterstützung, ob sie bleiben können, ist jedoch immer noch nicht gesichert. Die Soulkitchenhalle ist schon zugenagelt.

Trotzdem kann Andy Grote, der Bezirksamtsleiter Hamburg- Mitte, sich viel vorstellen am „Kulturkanal“. Aber nur wenn es gelingt, die historischen Fabrikgebäude zu retten, wird es wirklich die Perspektive kulturelles Wachstum geben.

Kontakt:
Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg & Hafen, HONIGFABRIK, Industriestraße 125 – 131, 21107 Hamburg, 040/42 10 39 15, markertm@honigfabrik.de, www.geschichtswerkstatt-wilhelmsburg.de