altonale: Gemeinsam Zukunft gestalten

Jedes Jahr im Frühsommer genießen rund 250.000 ­Besuchende die dreiwöchige altonale, die für ihr Kultur­programm jährlich mit rund 1.000 Künstler*innen und über 150 Organisationen und Unternehmen zusammenarbeitet. Mehr als 100 Freiwillige helfen dabei, das ­Festival der ­kulturellen Vielfalt auf die Bühne zu bringen. Dabei ist das Team der altonale mit drei Festangestellten klein – die 15 Spartenleitungen der altonale arbeiten auf Honorarbasis. Wie gelingt es da, Nachhaltigkeit in alle Wirkungsebenen – Büro, Produktion und Festival­geschehen – einzubinden?

Autorin: Anne-Kathrin Bohn

Seit 2014 widmet sich die altonale der Frage, wie sie nachhaltiger agieren kann. Die Einführung von Ökostrom für Veranstaltungen im öffentlichen Raum war ein Erfolg, der auch anderen Veranstaltenden den Weg ebnete. Mit der Einführung des partizipativen Bezahlsys­tems „mach es möglich“ traf das Festival dann eine mutige Entscheidung: Anstelle von Ticketpreisen wird um einen Beitrag zum Erhalt kultureller Vielfalt gebeten. Gegeben wird so viel man möchte und kann – mit dem Ziel, Kultur für alle zugänglich zu machen.

Auch Festivalformate thematisierten das Thema Nachhaltigkeit: Von 2018 bis 2020 präsentierte die Festivalwiese „vvisionAIR“ nachhaltige Akteur*innen und bot den Besuchenden Workshops zur Herstellung von Zero-Waste-Alternativen für den Haushalt oder zum Testen von Las­tenrädern und E-Leicht-Mobilität. Durch gezielte Verbrauchsabfragen an die Ausstellenden konnte sich das „vvisionAIR“ maßgeblich über vor Ort gespeicherte Sonnenenergie versorgen und eine mit Muskelkraft betriebene Soundanlage sensibilisierte Besuchende zum Thema Energie. Seit 2019 thematisiert das altonale kulturfutter das Thema Lebensmittelverschwendung: Unzählige Freiwillige retten tonnenweise Lebensmittel und verarbeiten diese zusammen mit dem kulturfutter-Team zu leckeren Mahlzeiten. Alle sind eingeladen, an den langen Tafeln Essen und Kultur miteinander zu genießen. Die Resonanz ist über­wältigend.

Die Jahre 2020 und 2021 nutzte die ­altonale – neben kleineren, pandemie­fähigen Veranstaltungen – zum Resümieren: Nachhaltigkeit und Kultur sollen näher zusammenrücken, so der Wunsch des Teams. Zeitgleich mit diesem Wunsch trat aber auch die Frage auf, ob die altonale dadurch nicht zum einem Nachhaltigkeitsfestival wird? Der Fokus auf Kultur sollte auf alle Fälle weiterhin deutlich erkennbar bleiben.

Implementierung von Nachhaltigkeit über gemeinsame Workshops

Nun braucht es für ein gelebtes Leitbild ein gemeinsames Verständnis und Wissen. Das ist vor allem deshalb so wichtig, weil das Team der altonale im Vorfeld einer so großen Veranstaltung stark ausgelastet und Zeit für den Austausch begrenzt ist. Eine interne Umfrage machte deutlich, dass hier Entwicklung nötig und Potenzial vorhanden war.

In passgenau entwickelten Workshops widmete sich die altonale intensiv den Themen interne und externe Kommunikation. Ein dritter Workshop offenbarte und bewertete dann die durch die altonale verursachten Emissionen.

Der Workshop „Interne Kommunikation“ lud Geschäftsstelle, künstlerische Leitung und einzelne Sparten ein: Über einen Wissensinput zur Definition von ökologischem Hand- und Fußabdruck sowie zum Kommunikations-Modell des „Golden Circle“ wurden konkrete Ziele erarbeitet, die im Anschluss in Maßnahmen umsetzt werden:

  • Nachhaltige Entwicklung wird beständiger Teil der Jahrestagung, auf der die Ausrichtung des kommenden Jahres besprochen wird.
  • Ein Organisations-Organigramm macht die Informationswege der ­altonale sichtbar.
  • Es wird eine Nachhaltigkeitsbeauftragte benannt, die fortan stimmberechtigt in allen relevanten Gremien vertreten ist.

Der Workshop „Externe Kommunikation“ richtete sich an die Geschäftsstelle, Fund­raising, Freiwilligenkoordination, Öffentlichkeitsarbeit und einzelne Sparten. Nach einer SWOT-Analyse – d. h. Untersuchung von Strengths (Stärken), Weaknesses (Schwächen), Opportunities (Chancen) und Threats (Risiken) – und Wissensinput zur Ansprache unterschiedlicher Zielgruppen wurden auch hier konkrete Ziele formuliert und in die Tat umgesetzt:

  • Die zukunftsfähige Ausgestaltung der altonale läuft unter dem Namen „altonale visionair“ zusammen.
  • es wird ein positiver, empowernder Tone-of-Voice entwickelt.
  • das Fundraising-Team und die Freiwillige werden aktiver in die Nachhaltigkeits-Aktivitäten eingebunden.
  • Projektleitungen und Nachhaltigkeitsbeauftrage entwickeln individuelle Leitfäden.
  • Eine groß angelegt Kommunikationskampagne dokumentiert digital (Website und Soziale Medien) und analog (Programmheft, Banner, Kampagnen, Leitfäden für Ausstellende und Veranstaltungsorte) das neue Leitbild und seine Umsetzung.

Im letzten Workshop „Klimarelevante Aspekte“ machten Geschäftsführung, Produktion und Projektleitungen gemeinsam mit einer externen Beraterin die Emissionen der altonale sichtbar und leiteten daraus folgende Handlungen ab:

  • Ein Backstage-Abfallkonzept verpflichtet Produktion und Ausstellende vertrag­lich, Abfälle zu trennen, stellt die nötige Infrastruktur zur Verfügung und entspre­chende Abfall-Tüten werden verteilt.
  • Durch die Kooperation mit einem Mehrweg-System wird Einweggeschirr reduziert.
  • Die Produktionslogistik wird – wo möglich – auf Lastenräder umgestellt.
  • Zum Thema nachhaltige An- und Abreise wird über das Ticketing und eine Kampagne im öffentlichen Raum sensibilisiert.
  • Am Festivalzentrum werden kostenfrei Taschenaschenbecher ausgegeben, um die Verschmutzung durch Zigarettenkippen zu vermindern.
  • Zeitschaltuhren reduzieren unnötigen Stromverbrauch.
  • Druckprodukte werden minimiert und verbindliche Druckvorgaben formuliert (PVC-freie Banner, Recyclingpapier, klimaneutrale Produktion).

Das Thema Nachhaltigkeit wurde mit diesen Schritten bei der altonale erfolgreich auf allen Ebenen integrativ und inklusiv eingebunden und wird mit ­Freude – und zunehmend intrinsisch – umgesetzt. Und es darf sich weiterent­wickeln – denn fertig ist man nie. 

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