Sie sind zwischen 9 und 14 Jahre alt, leben in Barmbek, bringen verschiedenste kulturelle Hintergründe mit und besuchen unterschiedlichste Schulen. Die einen schreiben gern, andere fotografieren lieber oder wollen filmen, wieder andere interessiert Gestaltung, Rechtschreibung oder das Marketing. Sie finden es spannend, auf Menschen zu treffen und sie zu einem Thema zu befragen. Das Know-how schauen sie sich bei Medienprofis, bei Journalisten, Fotografen, Filmern und Marketingleuten ab. Die Jungreporter sind die Keimzelle der Stadtteilwelt des Kulturpunkt im Basch.

Autorin: Silke Häussler

Das Kinder­ und Medienprojekt Stadtteilwelt Barmbek, das mit dem Slogan „Von Kindern gemacht, für alle gedacht“ und mit Unterstützung vom Bezirksamt Hamburg Nord im Juli 2007 startete, gibt seither Kindern und Jugendlichen in der medialen Öffentlichkeit Raum, für ihre Sicht auf den Stadtteil, auf die Welt, auf ihre Belange. Zum gedruckten Stadtteilmaga­zin kam bald die Berichterstattung auf der Website, zum Trick­, Dokumentar­ und Spielfilm kamen die monatlichen Ausgaben im Wochenblatt Barmbek, zur festen Redaktion die Korres­pondenten, sowie Schul­ und Hortprojekte hinzu.

Wie die Medien stellt sich auch die Stadtteilwelt neuen Herausforderungen, um die Jungreporter bestmöglich zu unter­ stützen. Kaum ein Magazin, kaum eine Zeitung, die sich nicht im Web wiederfinden. Dort wachsen Text, Bild und Film zu­sammen. Diesem Trend, der Konvergenz der Medien, folgt die Stadtteilwelt. Die Jungreporter können ein Thema multimedial bearbeiten: Als Text mit Bild, als Online­-Artikel und/oder Video­-Reportage. Sie lernen damit nicht nur zukünftigen Journalismus kennen, sondern erfahren im eigenen Tun wie sich die mediale Öffentlichkeit verändert. Damit sie zukünftig bewusst und hinterfragend mit Medien umgehen. Damit sie zukünftig die Öffentlichkeit in ihrem Stadtteil und darüber hinaus mitgestalten.

Zu den Kulturtechniken Lesen, Rechnen und Schreiben gewinnt die Medienkompetenz rasant an Bedeutung. Ohne sie können wir uns schon heute kaum noch in der Wissens­ und Informationswelt orientieren. Kinder und Jugendliche erschließen sich die neuen Medien zwar im Handumdrehen, doch fehlen ihnen die Möglichkeiten, ihre Erfahrungen in einem größeren Zusammenhang einzuordnen und Konsequenzen einzuschätzen. Entscheidend ist nicht die Technik, also wie ein iPad oder Handy funktioniert, sondern wie sich mit den sogenannten „neuen“ Medien das Miteinander verändert. Was wird möglich und was fällt weg?

Die Stadtteilwelt versucht mit Kindern und Jugendlichen fortwährend im Gespräch darüber zu bleiben. Sie will ihnen Orientierung geben, sich aber auch an ihnen orientieren. Denn Kinder und Jugendliche sind in diese mediale Welt hineingeboren und kennen sie nicht anders. Entscheidend ist dabei die praktische Anbindung. Ohne die aktive Medienarbeit, ohne die Erfahrung, Öffentlichkeit mitzugestalten, bleiben die Gespräche über Medien farb-­ und oft wirkungslos. Man kann Lesen, Rechnen und Schreiben nicht erklären, sondern man muss es tun und üben. Dafür brauchen Kinder und Jugendliche Freiraum und öffentlich eine Stimme.

In Workshops und Projekten kooperiert die Stadtteilwelt mit Schulen, Horten und Einrichtungen im Stadtteil. Zukünftig wird sie darüber hinaus vom Stadtteil Barmbek heraus mediale Bande mit Stadtteilen in anderen europäischen Ländern knüp­fen. Bei den ersten Schritten ins Ausland unterstützt sie die Stiftung Maritim von Hermann und Milena Ebel. Für Kinder und Jugendliche ist der Stadtteil, in dem sie leben, eine gute Verankerung in der Welt. Was sie dort im „Kleinen“ erfragen und durch direkten Kontakt kennenlernen, bildet ein gute Grundlage, eine Orientierung für das, was ihnen im weltweiten Netz begegnet. Wenn sie sich mit Kindern und Jugendlichen aus Stadtteilen anderer Länder austauschen, bleibt trotz aller Digitalisierung der konkrete Bezug zum unmittelbaren Umfeld, den sie miteinander teilen. Auch wenn sich die Medien verän­dern und mit ihren das Projekt Stadtteilwelt, bleibt der Bezug zum Stadtteil, zur konkreten Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen.

Kontakt:
Kulturpunkt im Basch, Silke Häußler, Wohldorfer Straße 30, 22081 Hamburg, 0174/989 74 34, stadtteilwelt@t-online.de, www.stadtteilwelt.de

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