Am 8. Dezember 1977 gründete sich die „Arbeitsgemeinschaft Stadtteilkultur“ mit 28 Mitgliedern. Ihr Ziel: Belebung der Stadtteile, vornehmlich der Randbezirke. Der Etat zur „Förderung der Laienbetätigung und kulturellen Aktivitäten in den Stadtteilen“ sollte „angezapft“ werden. In dem Etat befanden sich 60.000 DM. Im Dezember 2017 ist der Dachverband nun 40 Jahre alt geworden. Werfen wir deshalb einen Blick zurück in die Verbandsgeschichte: Wir haben Unterhaltsames und Informatives aus alten Aktenordner, verfärbten Zeitungsartikeln, angestaubten Diakästen und mäßig kompatiblen Datenträgern zusammengetragen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Recherche: Klaus Irler

Die restlichen 70er: Die Anfänge

Die Mopo berichtet über die AG-Gründung unter dem Titel: „Stadtteil-Kultur – eine gute Sache“. 1978 kündigt der Senat an, er wolle „Animation zum kulturorientierten Freizeitgebrauch“ leisten. Die AG Stadtteilkultur veröffentlicht eine Handreichung für ihre Mitglieder mit dem Titel: „Über den Umgang mit ­Behörden“. Der erste Satz lautet: „Auch wenn dies vielfach nicht so erscheint – es ist so: Die Verwaltung ist für uns Bürger da – nicht etwa umgekehrt.“
Kultursenator Tarnowski bezeichnet die Stadtteilkultur in der Presse als wichtigsten Bestandteil seiner Kulturpolitik. In der Kulturbehörde wird eine Referentin für Stadtteilkultur installiert. Die AG Stadtteilkultur bezieht 1979 ihr erstes Büro in der Poppenhusenstraße 12. Das Büro ist zweimal pro Woche für vier Stunden besetzt. Für ihre zukünftigen Mitglieder veröffentlicht sie die Handreichung: „Hinweise zur Gründung einer kulturellen Vereinigung“.

Die 80er: Drogen, Staatsknete und Soziokultur

Am 17. Januar 1980 wird die Arbeitsgemeinschaft ein eingetragener Verein mit 73 Mitgliedern. Auf einem Treffen der AG wird diskutiert, wie damit umzugehen sei, wenn in einer Einrichtung Drogen konsumiert wurden. DIE WELT titelt: „Blüht in den Jugendtreffs der Drogenkonsum?“ und problematisiert die öffentliche Förderung der Einrichtungen.
Die AG beantragt für das Jahr 1980 einen Zuschuss von 30.700 DM bei der Kulturbehörde und bekommt 25.000 DM. 1980 gibt es damit 18.000 DM Personalmittel für drei bis vier nebenamtliche Mitarbeiter*innen und 6.850 DM Sachkosten-Budget.
Anfang der 80er geht es ums Geld in der AG Stadtteilkultur, unter anderem ist die Frage: Staatsknete – ja oder nein? Darf man Geld vom Staat nehmen? Soll man es sogar? Oder ist der Staat als Geldgeber schlecht, falsch oder unmöglich?
Die Mitarbeiter*innen in den Stadtteilkulturzentren möchten, dass die Stadtteilkultur von Politik, Öffentlichkeit und Verwaltung als relevanter Arbeitsbereich anerkannt wird. Eine Hürde dabei: Noch gibt es keine Ausbildung für die Arbeit in den Häusern. Erste Versuche, eine Ausbildung an den Unis zu implementieren, finden im Fachbereich Freizeitpädagogik statt.
Die Geschäftsstelle befindet sich mittlerweile in der Bornstraße in einem Souterrain-Büro mit einem Abfluss vor der Tür. Ein starker Regen verstopft den Abfluss mit Blättern und sorgt für eine Überschwemmung im Büro. Das Team beschließt, neue Räumlichkeiten zu suchen.
Diskussion im Vorstand der AG: Machen wir „Soziokultur“ oder „Stadtteilkultur“? Welcher der beiden Begriffe ist besser? Niemand weiß zu diesem Zeitpunkt genau, was „Soziokultur“ bedeutet. Die Geschäftsstelle zieht 1989 in den Herrengraben um.
Dagmar Fohl veröffentlicht für den Dachverband Ende der 1980er das „Stadtteilkultur-Dschungelbuch“ – ein Anleitungsbuch, wie man Gelder beantragt.

Die 90er Jahre: Erste Computer, vielfältige Mitgliederschaft und Erfolgskontrollen

Die Zentren, Werkstätten und Häuser sind im Aufbau, es mangelt aber überall an Geld. Viele Zentren haben sich über ABM finanziert und fragen sich nun, wie sie die ABMler übernehmen können. Viele fragen sich außerdem, wie sie ihre Häuser ausbauen bzw. erwerben können. Es wird mehr über Geld gesprochen als über Inhalte.
In der Geschäftsstelle wird die Umstellung auf Computer debattiert. Einige Kollegen sorgen sich, durch den Einsatz von Computern überflüssig zu werden. Die PC-Befürworter setzen sich durch. Der erste Computer in der Geschäftsstelle wird ein Atari ST – eingesetzt unter anderem, um die Verbandszeitung Querstreifen zu setzen. Ab 1991 gibt es zwei Computer in der Geschäftsstelle, ferner Nadeldrucker mit Farbband und ein ­Faxgerät. Die Geschäftsstelle ist damit technisch up to date. 1994 zieht sie wieder um: in den Neuen Kamp 25.
Der Verband freut sich über anregend heterogene Mitglieder: Die Bandbreite reicht von bürgerlichen Dorfvereinen über Studenten bis hin zu einem Singleclub. Der Verband versucht, Gemeinsamkeiten zu finden und zu betonen.
Der Verband beschäftigt sich mit der Bezirksverwaltungsreform und mit der Ausgestaltung einer Erfolgskontrolle, der sich die Häuser unterziehen sollen.

Die Nullerjahre: Der Dackel und STADTKULTUR

2000 startet die Aktion „Frischer Wind aus wechselnden Richtungen“ anlässlich der Bürgerschaftswahl: Ein kleiner Dackel erblickt das Licht der Welt auf satt-roten Plakaten.
Die AG Stadtteilkultur wird 2001 zum Landesverband Soziokultur. 2002 startet dann die „Soziokultur: Wow!“-Kampagne – mit dem kleinen blauen Dackel als optischem Mittelpunkt. Die Kampagne ist umstritten: Witzig finden sie die Einen – inhaltsleer die Anderen.
Die Kulturbehörde unter Führung von Dana Horáková kürzt die Förderung der Geschichtswerkstätten für das Jahr 2004 von 539.000 Euro auf null Euro. Nach öffentlichen Protesten, Widerstand der FDP im Senat und einem Machtwort von ­Bürgermeister Ole von Beust bekommen die Geschichtswerkstätten im Jahr 2004 doch eine Weiterförderung in Höhe von etwa 75 Prozent (= 400.000 Euro).
Der Landesverband Soziokultur wird 2006 zu STADT­KULTUR HAMBURG. Die Webseite www.kultur-hamburg.de geht online und der Verband wird auch als Agentur im
Bereich Kulturmanagement tätig: Er akquiriert Aufträge und entwickelt den neuen Briefkopf „STADTKULTUR HAMBURG service | impulse | management“.
Aus der Verbandszeitschrift querlight wird das stadtkultur magazin, das Anfang Juli 2007 zum ersten Mal erscheint.
Thema der ersten Ausgabe: Urbane Kultur. Die Jahreskonferenz 2009 widmet sich dem Thema „STADTKULTUR 2020“.

2010 bis heute: BFD, ein Preis und FREIRÄUME!

Als Ergebnis der großen Strukturdebatte „Agenturtätigkeit vs. Verbandstätigkeit“ wird die „conneco UG – Management städtischer Kultur“ ausge­gründet.
STADTKULTUR zieht 2011 in die Stresemannstraße und die neue Webseite www.stadtkultur-hh.de geht online. 2012 übernimmt STADTKULTUR die Organisa­tion des Bundes-
freiwilligendienstes Kultur und Bildung in Hamburg.
2014 stellt STADTKULTUR den Stadtteilkulturpreis zusammen mit der Kulturbehörde und den Preisgebern konzeptionell neu auf und übernimmt die Durchführung.
Die Kulturarbeit mit Geflüchteten wird 2015 ein zentrales Thema von STADTKULTUR: Mit Unterstützung der Kultur­behörde geht die Fachplattform Willkommenskultur-hamburg.de online und im Jahre darauf übernimmt der Dachverband die Organisation des BFD Welcome.
2017 betreut STADTKULTUR gemeinsam mit der Hamburgischen Kulturstiftung den Fonds FREIRÄUME!. Ein zentrales Thema wird die Offene Gesellschaft. Im Dezember 2017 erscheint das FREUNDEBUCH, das Sie nun in den Händen halten.
Voilà, fertig!

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