Wer im Jahr 2018 Entwicklungspotenziale und Perspektiven für die Stadtteilkultur ausleuchten will, kommt um das Thema Digitalisierung nicht herum. Corinne Eichner, Geschäftsführerin von STADTKULTUR HAMBURG, umreißt in ihrer Eröffnungsrede das Thema des 19. Ratschlags.
Autorin: Corinne Eichner
Corinne Eichner von STADTKULTUR HAMBURG erläutert die wichtigsten Aspekte der Digitalisierung für die Stadtteilkultur

Corinne Eichner von STADTKULTUR HAMBURG erläutert die wichtigsten Aspekte der Digitalisierung für die Stadtteilkultur

Globalisierung und Digitalisierung führen zu einem um­fassenden Strukturwandel der Gesellschaft, der Ver­unsicherung und oft auch Angst bei den Menschen auslöst. Doch die Veränderungen sind gestaltbar und bieten viele ­Chancen. Deshalb dürfen wir das Feld nicht denen überlassen, die es rein kommerziellen oder wesentlich schlimmeren Interessen unterordnen wollen. Denn ein Internetanschluss wird bald den gleichen Stellenwert haben wie fließendes Wasser.

Der gesellschaftliche Diskurs über den Weg, den unsere Gesellschaft in der digitalen Transformation geht, braucht die kritische Reflexion durch die Stadtteilkultur. Die Veränderun­gen in den Stadtteilen durch die Digitalisierung müssen begleitet, die Verbindung von analogen und digitalen Treffpunkten muss geschaffen, der Umbruch gestaltet werden.

Stadtteilkultureinrichtungen sind dafür ideale Partner: Sie können Orte des Austausches und der Diskussion darüber sein, wie die digitale Transformation gestaltet werden sollte. Sie sind Orte der Vermittlung und können helfen, höchst problemati­schen Folgen von Digitalisierung wie beispielsweise Fake News durch Medienkompetenzförderung etwas entgegenzusetzen.

Insbesondere jüngere Zielgruppen werden nur noch selten auf analogen Wegen erreicht. Ohne einen sinnvollen Einsatz digitaler Medien werden deshalb Chancen für die kulturelle und demokratische Bildung verspielt. Einige Beispiele gelungener digitaler Projekte zeigen, welche vielfältigen neuen Möglichkeiten für Partizipation in den neuen Technologien liegen.

Und natürlich sind die Orte der Stadtteilkultur auch die Orte, an denen ausgelotet werden kann, was an digitaler Kultur alles möglich ist. Zugleich bietet die Stadtteilkultur aber auch die Orte, die ein Gegengewicht sein können zur Unübersichtlichkeit der digitalen Welt und reale, ganz und gar analoge Begegnun­gen ermöglichen. Aber selbst die Entscheidung darüber, wann die Stadtteilkultur analog bleiben und wann sie digital werden will, setzt bereits Kompetenz voraus. Deshalb muss die Stadtteilkultur lernen und sehr flexibel sein.

Es gilt, auf der Ebene der Organisation und Verwaltung die Digitalisierung zu nutzen, um die Arbeitsabläufe effizient und transparent zu gestalten. Auf der Ebene der Kommunikation sind viele Zielgruppen und Nutzergruppen fast nur noch auf digitalen Kanälen erreichbar. Auf der Ebene von Angeboten und Programm wiederum gibt es verschiedenste Formen und Formate, bei denen die Stadtteilkultur die Digitalisierung nutzen oder thematisieren kann. Von besonderer Bedeutung für Partizipation, die auch digital gedacht werden muss, ist die Medienkompetenzbildung.

Und schließlich sollte der Austausch über Gestaltung und Auswir­kungen des digitalen Wandels über Diskussionsformate ermöglicht werden. Eine Befragung der Mitglieder von STADTKULTUR HAMBURG zur digitalen Büroorganisation zeigte, dass die Lösun­gen, die Stadtteilkultureinrichtungen gefunden haben, extrem heterogen sind. Fast jede Einrichtung nutzt eine andere Soft- und Hardware, manche haben noch einen Server im Keller, andere sind schon in der Cloud unterwegs. Einige sind schon recht gut aufgestellt, bei anderen überwiegen die Fragezeichen. Alle basteln eigene Lösungen, recherchieren und entwerfen parallel und unabgestimmt und vor allem: mit zu wenig Know-how und Bewertungskompetenz. Dabei werden viel Arbeitszeit und andere Ressourcen verbrannt.

Für die notwendige planvolle Kompetenzentwicklung sind nicht genug Ressourcen vorhanden und das Tempo der digita­len Entwicklung überfordert die Einrichtungen zumeist. Es besteht außerdem sehr viel Unsicherheit, wie Datenschutz und Datensicherheit gewährleistet werden können. Ein rechtssicherer Umgang mit Digitalisierung ist kaum möglich.

Eine sinnvolle und ressourcenschonende Strategie wäre ­deshalb die Einrichtung eines „Kompetenzzentrums Digitalisierung“ im Verband. Ein solches Kompetenzzentrum könnte die Bedarfe in der Stadtteilkultur analysieren, die Einrichtungen beraten und Ressourcen gebündelt zur Verfügung stellen, denn Stellen für IT-Profis sind in den Einrichtungen nicht finanzierbar. Außerdem müssen Fortbildungsangebote die Akteure der Stadtteilkultur auf den aktuellen Stand bringen und die digitale Infrastruktur, die in sehr vielen Einrichtungen in die Jahre gekommen ist, erneuert werden.

STADTKULTUR HAMBURG wird diesen Prozess voranbringen und hat bereits eine Reihe von Fortbildungen zu dem Thema angeboten. Gemeinsam mit Engagierten aus der Mitgliedschaft und weiteren Unterstützern wollen wir mit Bedacht, aber ohne Verzögerung den digitalen Wandel in der Stadtteilkultur entwickeln. Denn: Wir wollen nicht Digitalisierung auf Teufel komm raus, sondern wir wollen das, was wir haben und tun, noch wirkungsmächtiger machen für Hamburg und die Hamburger*innen. Auf gut Hamburgisch: Wir wollen „digital plietsch“ sein.

KONTAKT
STADTKULTUR HAMBURG
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