In den letzten Jahren wurde viel investiert in die Hamburger Stadtteilkultur, denn Politik und zivilgesellschaftliche Förderer haben erkannt und anerkannt, welche immense Bedeutung sie für den gesellschaftlichen Zusammenhalt hat – gerade in Zeiten großer gesellschaftlicher Umbrüche. Dennoch bleibt die Struktur der Stadtteilkultur gefährdet, weil trotz aller Kreativität bei der Suche nach Förderquellen noch immer große Lücken in der Finanzierung klaffen.
Autorin: Corinne Eichner

Die Liste der Stadtteilkulturzentren, die in den letzten ­Jahren saniert und erweitert wurden, ist lang und beeindruckend. Viel wurde getan, um mehr Raum für Begegnung und Angebote für kulturelle Teilhabe zu schaffen. Mit den hinzugewonnenen Räumen und der vergrößerten Fläche gehen viele Chancen einher: Ein großer Gewinn für die kulturelle Vielfalt und Teilhabe in den Quartieren.

Zugleich konnte die Rahmenzuweisung der Stadtteilkultur zum ersten Mal nach 2009 erhöht werden – um insgesamt 800.000 Euro, die in zwei Stufen bis 2018 erreicht werden. Und ab dem Jahr 2019 soll die Förderung dann in jedem Jahr um 1,5 Prozent angehoben werden. Der Integrationsfonds der Bürgerschaft, aus dem 700.000 Euro für die Stadtteilkultur und ihren Einsatz für die Kulturarbeit mit Geflüchteten bereitgestellt wurden, und der Fonds FREIRÄUME!, der ebenfalls für Kultur­arbeit mit Geflüchteten eingerichtet wurde, sind weitere Elemente, mit denen die Stadtteilkultur wichtige Projekte für das Zusammenwachsen unserer Gesellschaft umsetzen konnte.

Doch darf ob dieser guten Nachrichten nicht übersehen werden, dass hinter den funkelnden neuen Fassaden und abseits der vielen erfolgreichen Projekte eine andere große Baustelle wartet, auf der die Arbeiten gefährlich ins Stocken geraten sind: Die Basisfinanzierung der Stadtteilkultur, durch die die Häuser unterhalten, Projekte konzipiert und Veranstaltungen geplant werden, durch die Stadtteilkultur Partner ist für Ehrenamtliche und Garant für Vielfalt und Teilhabe sein kann, ist weiterhin deutlich zu niedrig angesetzt.

Der Dachverband STADTKULTUR HAMBURG hatte im vergangenen Jahr errechnet, dass die Rahmenzuweisung für den Haushalt 2017/18 um insgesamt 3,9 Millionen Euro hätte erhöht werden müssen, um die seit der letzten Anpassung im Jahr 2009 gestiegenen Kosten auszugleichen. Diese Kostensteigerung ist u. a. durch höhere Betriebskosten, Sicherheitsauflagen, mehr Personal für neue Aufgaben und die Verstetigung lang­jähriger erfolgreicher Projekte entstanden. Eine daran an­schließende dynamische jährliche Erhöhung hatte der Verband ebenfalls vorgeschlagen – diese müsste allerdings die Kostensteigerungen, die in den letzten Jahren bei durchschnittlich 3,5 Prozent lagen, aufnehmen. So bleibt nach der Erhöhung der Rahmenzuweisung weiterhin eine Finanzierungslücke von 3,1 Millionen Euro, die sich in jedem Jahr vergrößert, weil die dynamische Erhöhung nicht nur auf einem zu niedrigen Sockel aufbaut, sondern die tatsächlichen Steigerungen nur abschwächt.

Wenn das Gebäude der Stadtteilkultur hinter einer glänzenden Fassade nicht weiter bröckeln soll – bis die tragenden Balken und Wände so marode sind, dass sie einzubrechen drohen – dann muss es sehr bald ein Umdenken geben. Erst eine Stadtteilkultur, die auf einem soliden finanziellen Fundament aufgebaut ist, kann dauerhaft und verlässlich die zahlreichen kulturellen und gesellschaftlichen Aufgaben übernehmen, für die kein ­anderer zivilgesellschaftlicher Bereich so prädestiniert ist.

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