Bramfeld gehört zu den Stadtteilen, die sich längst vom Dorf zu einem Teil einer Großstadt entwickelt haben. Jedoch leben die 50.000 Einwohner in dem Schlaf- und Durchfahrtsort noch immer ohne ein schienengebundenes Verkehrsmittel. Trotz relativ innerstädtischer Lage ist Bramfeld eine „Kulturmangelzone“, eine kulturelle Randlage.

Autorin: Gudrun Wohlrab
Senioren erzählen von ihrer Kindheit, Foto: Stadtteilarchiv Bramfeld

Senioren erzählen von ihrer Kindheit, Foto: Stadtteilarchiv Bramfeld

Das Historische Kinderprojekt des Stadtteilarchivs Bramfeld bietet in dieser Randlage seit zehn Jahren Kindern die Möglichkeit, den eigenen Wohnort besser kennenzulernen. In den Grundschulklassen sitzen zunehmend Kinder mit Migrationshintergrund, deren Eltern sich im Stadtteil und besonderes mit seiner Geschichte nicht auskennen. Durch Angebote wie Rundgänge oder eine GPS-Stadtteilrallye können Kinder die Spuren der dörflichen Geschichte erforschen und die Vergangenheit mit der Realität vergleichen. Je mehr ein Mensch einen Bezug zu seinem Lebensumfeld aufbauen kann, umso mehr fühlt er sich zu Hause. Er kann sich damit identifizieren und Interesse an Mitgestaltung entwickeln: Zukunft braucht Herkunft.

Identitätsbildung und Geschichtsbewusstsein von Kindern fördert auch der zweite Schwerpunkt des Historischen Kinderprojekts. In 30 Durchgängen des Generationenprojekts haben sich Kinder und Senioren über Kindheit früher und heute ausgetauscht. Dieses Angebot bezieht sich nicht auf Bramfeld und wird in ganz Hamburg durchgeführt. Denn es gibt überall Kinder und Senioren, die immer seltener die Gelegenheit für ein Miteinander haben. Durch das Ausprobieren alter Spiele kommen sie ins Gespräch und Geschichte vermittelt sich ganz nebenbei.

Wenn man seinen zehnten Geburtstag feiert, steht man bereits mitten im Leben. Das Historische Kinderprojekt hat zehn Jahre ohne Regelförderung überlebt, zahlreiche Förderpreise erhalten und steht dennoch immer wieder am Rande seiner Existenz. Das Projekt braucht eine Stelle, damit kontinuierlich dazu beigetragen werden kann, dass Kinder sich in Zeit und Raum verorten können und wertvolle Kontakte zwischen den Generationen entstehen. Jeder Mensch zählt.

KONTAKT
Historisches Kinderprojekt vom Stadtteilarchiv Bramfeld
Bramfelder Chaussee 265 · 22177 Hamburg
gudrun.wohlrab@historisches-kinderprojekt.de
040/38 07 43 13 · www.historisches-kinderprojekt.de