Interkulturelle Öffnung beginnt in unseren Köpfen und mit unserer Haltung. Öffnung erfordert zunächst Selbstreflexion. Sind wir wirklich offen oder verstecken wir uns hinter Strukturen, die angeblich nicht von uns beeinflussbar sind? Die W3 arbeitet seit Jahren am Thema interkulturelle Öffnung und berät auch andere Institutionen in diesem Prozess.

AUTORIN: NACIYE DEMIRBILEK

Öffnung gelingt nur, wenn wir Veränderungen zulassen und neue Beziehungen eingehen. Alle Menschen sollten gleichberechtigten Zugang zu allen kulturellen Ressourcen haben. Und allen sollte Teilhabe sowie Selbstrepräsentation ermöglicht werden – auch wenn daraus neue Wege, Strukturen und Programminhalte resultieren.

Kultur ist dynamisch und nimmt – je nachdem in welchem Kontext sie betrachtet wird – unterschiedliche Gestalt an. Sie beschreibt, definiert, irritiert und bewegt. Sie schafft Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit. Und trotz aller Multiperspektivität entsteht gleichzeitig Ausgrenzung und Diskriminierung, wenn sie nicht alle anspricht. Das ist fatal, denn aus Kultur können neue kreative Ideen und neue Räume erwachsen – sie wirkt identitätsbildend.

Die W3 arbeitet interkulturell in dem Sinne, dass sie für Verschiedenheit, Multiperspektivität und Differenz sensibilisiert. Der Anspruch, interkulturell zu arbeiten, beschränkt sich nicht auf die Programminhalte. Er zielt auch darauf, die Arbeit, die Vereins-, Personal- und Nutzerstrukturen und Kooperationen immer wieder aufs Neue zu reflektieren sowie Veränderungen zu wagen und anzustoßen. Die W3 befindet sich in einem ständigen Veränderungsprozess, um einer sich stetig verändernden Zivilgesellschaft gerecht werden zu können und auch immer wieder neue Freiräume zu eröffnen.

Bewusst Veränderungsprozesse einzuleiten und sie neu zu gestalten, fällt in verfestigten Strukturen meist schwer. Dies gilt in besonderem Maße, wenn es bedeutet, sich von Gewohntem zu trennen und sich auf Neues einzulassen, ohne zu wissen, was die Veränderung mit sich bringt. Dies erschwert die interkulturelle Öffnung in vielen Organisationen enorm. Die Herausforderungen der Globalisierung und die weltweite Mobilität auf allen gesellschaftlichen Ebenen zwingen uns aber, uns darüber Gedanken zu machen, wie wir diversitätsorientiert und diversitätssensibel dynamische und lernfähige Organisationsstrukturen schaffen können.

Für die Kulturbetriebe in der Stadtteilkulturarbeit bedeutet dies, stetig alle Organisationsbereiche auf strukturell bedingte Ausgrenzungen und Diskriminierungen hin zu überprüfen – angefangen beim Mission Statement über die Personalauswahl und -entwicklung bis hin zur inhaltlichen Programmplanung und Öffentlichkeitsarbeit. Doch sollte dies nicht als leidvolle Aufgabe beklagt, sondern als Chance zur Weiterentwicklung von Inhalten, Formaten und Zielgruppen begrüßt werden. In diesem Sinne ist Stadtteilkultur auch ein Raum zum Denken, zum Lernen, zum Neu- und Wieder-Erfinden und letztlich ein Raum für Visionen.

KONTAKT
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