Liebe Kulturinteressierte,

Corinne_EichnerDie Hamburger Bürgerschaftswahlen haben gezeigt, wie unterschiedlich die insgesamt schon sehr niedrige Wahlbeteiligung in den Stadtteilen verteilt ist. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung bringt es auf den Punkt: Je prekärer die soziale Lage eines Stadtviertels, desto weniger Menschen gehen wählen. Als Hauptursache der drastisch sinkenden und ungleichen Wahlbeteiligung benennt die Studie die zunehmende soziale Spaltung und die räumliche Segregation der Hamburger Stadtgesellschaft. Die soziale Ungleichheit führt also zu einer Entdemokratisierung ganzer Stadtteile. Gleichzeitig wachsen mit den sozialen Unterschieden auch die Gefahren von Ausgrenzung und Radikalisierung – wie Pegida, die Taten des NSU und der wachsende Islamismus uns gerade erschreckend deutlich vor Augen führten.

Das entscheidende Mittel gegen Ausgrenzung – und damit auch für unsere Sicherheit – ist Bildung. Kulturelle Bildung eröffnet Wege zu einer inklusiven Gesellschaft der Vielfalt, die jede und jeder mit eigenen Stärken, Interessen und Weltsichten mitgestalten kann. Sie hilft, die soziale Kluft zu verringern. Wir brauchen Strategien, die den fundamentalistischen Gruppierungen jeder Couleur den Boden entziehen. Sie müssen gemeinsam von allen Kultur- und Bildungsinstitutionen einer Region getragen werden, um demokratische Werte zu vermitteln und auf dieser Basis ein gelingendes Miteinander zu gestalten.

Stadtteilkultur hat vielfältige Strategien entwickelt und lange erprobt, um unterschiedlichste Bevölkerungsgruppen zusammenzubringen und eine auf Gemeinsamkeit orientierte Mitgestaltung zu entwerfen, die eine starke und wachsende Akzeptanz und Resonanz findet. Die stadtteilkulturellen Einrichtungen sind Experten für die Bedürfnisse der Menschen in den Quartieren. Sie können genau das bieten, was vor Ort gebraucht wird: Dialoge zwischen den Gruppen, Bildungszugänge und kulturelle Teilhabe für alle, die Förderung werteorientierter Kulturen und Kunstformen sowie konstruktive Diskurse.

Welches Wertegerüst der Arbeit der stadtteilkulturellen Initiativen und Einrichtungen zu Grunde liegt und welche Qualitäten ihre Arbeit wirkungsvoll und erfolgreich macht, zeigen wir in dieser Ausgabe.

Eine erkenntnisreiche Lektüre wünscht

Corinne Eichner, Geschäftsführerin