Mehr als zehn Jahre lang fertigten Landespolitiker die Forderung nach zusätzlichen Mitteln für Stadtteilkultur meist kurz ab: unrealistisch bis absurd. 2009 änderte sich die Situation mit einem Schlag. Nach einer gefühlten Ewigkeit eingefrorener Mittel gab es eine Erhöhung von 900.000 Euro für das Fördersegment Stadtteilkultur. Die damalige Landesregierung von CDU und Grünen machte es vor. Nahezu ein Tabubruch, der die Akteure immer noch beflügelt. Seitdem wissen wir: Prinzipiell ist das also möglich.

Autorin: Ortrud Schwirz

In der LOLA wird die Frage diskutiert, was die aktuelle Fördersumme über den Wert aussagt, den die Hamburger Politik der Stadtteilkultur tatsächlich beimisst, Foto: Petra Niemeyer/LOLA

In der LOLA wird die Frage diskutiert, was die aktuelle Fördersumme über den Wert aussagt, den die Hamburger Politik der Stadtteilkultur tatsächlich beimisst, Foto: Petra Niemeyer/LOLA

Bergedorf erhielt damals übrigens ca. 50.000 Euro zusätzliche Mittel. Das war schön, aber deutlich weniger als in die anderen Bezirke floss. Verteilt werden Fördersumme wie Zuwächse nach einem zentral festgelegten Verteilungsschlüssel. Bei aller Freude über den Geldsegen sahen sich Bergedorf und Harburg wiederum als „Schlüsselverlierer“.

Seit Jahren drängen Bergedorfs Verwaltung und Politik in Hamburg darauf, höhere Fördersummen für Bergedorfs Stadtteilkultur zu bewilligen. Bergedorfs Politik möchte das KulturA neben dem Kulturzentrum LOLA als zweites gefördertes Stadtteilkulturzentrum etablieren. Die Fronten sind verhärtet. Für alle Beteiligten eine unangenehme Situation, in der seit Jahren gebetsmühlenartig und eher verdrossen dieselben Argumente ausgetauscht werden. Da keine neuen Mittel in die gesamtstädtische Fördersumme fließen, würde dies eine Umverteilung zu Lasten bestehender Zentren in anderen Bezirken bedeuten. Die Forderung „nach mehr“ setzten und setzen beide Seiten gleich mit Umverteilung.

Aber zurück nach Bergedorf: Die finanzielle Situation der Stadtteilkultur und Bürgerhäuser dort ist tatsächlich brisant: LOLA, Bergedorfs einziges Stadtteilkulturzentrum im Fördersegment, machte in seinem 20-jährigen Bestehen aus der Not eine schwer zu tragende Tugend. Jährlich erwirtschaftet das Haus zwischen 60 und 70 Prozent Eigenmittel. Dennoch fehlen ca. 20.000 Euro an zusätzlichen Personalmitteln, die durch die bestehende Mitarbeiterschaft jährlich kompensiert werden müssen.

Erschwerend kommt das Problem der vier Bürgerhäuser im Bezirk hinzu. Alles Einrichtungen, die zu ihrer Gründungszeit politisch gewollt waren, ohne dass es eine solide Zukunftsprognose für die Finanzierung von Betrieb und Personal gab. Alle diese Einrichtungen sind chronisch unterversorgt. Der Bezirk hat also nur ein einziges, eher mager subventioniertes Stadtteilkulturzentrum, und dazu noch vier Bürgerhäuser, deren Unterfinanzierung wöchentlich Schlagzeilen macht. Neue Initiativen haben in dieser allgemein kritisierten Mängelverwaltung kaum Chancen, an Fördertöpfe zu gelangen.

Eine Möglichkeit wurde 2010 aber zur Freude aller doch ergriffen. RISE – das Rahmenprogramm Integrierte Stadtteilentwicklung – ermöglichte dem Kulturzentrum LOLA die Ausgründung des Kinderkulturhauses KIKU als gGmbH. Es entstand ein Haus der kulturellen Bildung mit dem Schwerpunkt künst­lerischer Sprachförderung. Das KIKU hat für seine innovativen und kreativen Ansätze zu mehr Bildungsgerechtigkeit in den letzten Jahren viele renommierte Preise gewonnen. Niemand leugnet den Wert dieser Einrichtung. Ende 2015 läuft die RISE-
Förderung aus. Damit stellt sich eine neue Finanzierungs-Herausforderung.

Der Bergedorfer KulturDialog wirft vor diesem Hintergrund die Frage nach Wert und Wertbemessung von Stadtteilkultur in der Stadt auf. In den Regierungserklärungen des SPD-Senats tauchte Kultur wenig und Stadtteilkultur fast nie auf.

Im Gegensatz zu den nackten Zahlen erhält die Hamburger Stadtteilkultur von Politik und Verwaltung jedoch viel Lob. Betont wird immer wieder über alle Parteigrenzen hinweg, dass Stadtteilkultur u.a. Chancengleichheit, den Dialog der Kulturen und Generationen, das Geschichtsbewusstsein, den künst­l­erischen Nachwuchs und die künstlerische Vielfalt fördere.

Warum drückt sich die Anerkennung über die Qualität der Arbeit nicht in den zugemessenen Fördersummen aus? Was sagt die Fördersumme über den Wert aus, den die Hamburger Politik Stadtteilkultur tatsächlich beimisst? In welchem Verhältnis stehen diese Wertigkeiten zu anderen „(Kultur-)Werten“ in der Stadt? Entspricht der Geldwert der tatsächlichen Wertschätzung? Wenn ja, warum ist das so? Welche neuen Möglichkeiten für eine höhere „Wertschätzung“ tun sich zukünftig auf? Welche Schritte können Politik und Akteure gemeinsam angehen? Wie kann es gelingen, sich neue Wege der Finanzierung zu erschließen? Welche Möglichkeiten tun sich z. B. durch den Quartiersfonds und die Kulturtaxe auf? Kann die Hamburger Stadtteilkultur mehr fordern, weil sie mehr wert ist?

Der Bergedorfer KulturDialog lädt am 8. Mai ins Kulturzentrum LOLA zu einem kreativen „Wertedialog“ zwischen Politik, Akteuren und interessiertem Publikum ein.

Donnerstag, 8. Mai 2014, 20:00 Uhr

KulturDialog Bergedorf: Der ungefähre Wert von Stadtteilkultur
LOLA Kulturzentrum, Lohbrügger Landstraße 8

Kontakt:
LOLA Kulturzentrum e.V., Lohbrügger Landstraße 8, 21031 Hamburg, 040/724 77 35, info@lola-hh.de, www.lola-hh.de

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