Immer wieder hört man den Satz, dass Hamburg eine der schönsten und lebenswertesten Städte Deutschlands ist. Eine geringe Anzahl von Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die das nötige Geld haben, um sich in Hamburg gut einzurichten, werden an dieser Aussage nichts Kritikwürdiges entdecken.

Autor: Holger Börgartz

Die schöne und lebenswerte Seite Hamburgs: Lebenswirklichkeit in Pöseldorf, Foto: Strato1[/caption]Allerdings wird Hamburg in der Mehrzahl von Menschen bewohnt, die nicht ohne Weiteres dahin ziehen können, wo es am Schönsten ist, die nicht ohne Weiteres ihre Freizeit mondän gestalten können, koste es, was es wolle. So stark, wie mittlerweile die soziale Spaltung in Hamburg, so verschieden und unverbunden sind bekanntermaßen auch die Lebenswelten, in denen sich die Menschen bewegen. Eimsbüttel ist ein Bezirk, an dem sich dies sehr gut zeigen lässt: Die Lebenswirklichkeiten in Pöseldorf und Spanischer Furt haben nichts mehr miteinander zu tun. Die abgehängten Stadtteile und Quartiere haben aber auch ein Recht darauf, Lebensqualität für ihre Bewohner zu bieten.

Viele Stadtteilkulturzentren liegen in Stadtteilen mit Entwicklungsbedarf. Also Stadtteilen, „die der bunten Vielfalt eine Heimat sind“, wie es im Leitbild des Senates formuliert wird. Hier engagieren sich viele Menschen, die sich nicht abfinden wollen mit der Spaltung der Stadt, die sich dafür einsetzen, dass es ganz konkret und unmittelbar auch in ihrem Lebensumfeld, in ihrem Kiez vorangeht und das Leben lebenswert bleibt bzw. wird. Diese Menschen mischen sich ein, entwickeln Ideen und packen tatkräftig an, wenn es darum geht, sich zum Wohle des eigenen Stadtteils einzusetzen. Und das kommt schließlich auch der gesamten Stadt zugute.

Stadtteilkulturzentren spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle, da sie Kristallisationspunkte dieses bürgerschaftlichen Engagements sind. Die Kulturzentren halten räumliche, personelle und fachliche Ressourcen bereit, um den Menschen im Stadtteil die Möglichkeit zu geben, sich zu treffen, auszutauschen, zu organisieren und aktiv zu werden. Kulturzentren sind gut vernetzte Partner im Stadtteil, durch die man eine Vielzahl von Kontakten knüpfen kann. Sie haben langjährige Erfahrungen mit Beteiligungsstrukturen und der Stärkung von Eigeninitiative.

Dieses Potenzial, das sie damit schaffen, kann allerdings nur dann optimal ausgeschöpft werden, wenn die Zentren eine professionelle und stabile Infrastruktur bieten. Das Engagement zur Verbesserung des eigenen Lebensumfeldes bedarf einer soliden und verlässlichen Unterstützung, damit es nicht aus Überforderung kollabiert. Kulturzentren bieten bislang sehr erfolgreich diese Art von Unterstützung und schaffen damit einen Mehrwert. Mittlerweile aber sind durch die geringe Wertschätzung dieser Leistungen seitens der Politik, die sich in einer seit Jahren stagnierenden Förderung ausdrückt, viele Kultur­zentren an den Rand des Bankrotts gebracht worden. Sollten die Kulturzentren aus finanziellen Gründen zukünftig nicht mehr ihrer Funktion als Kristallisationspunkte nachkommen können, wäre dies zugleich ein Schlag ins Gesicht der Menschen, die sich für ihren Stadtteil engagieren und damit einen eigenen Betrag zur Entwicklung Hamburgs leisten möchten. Diesen Menschen, die wesentlich Träger der Verhinderung einer sich verschärfenden Spaltung unserer Stadt sind, würde signalisiert, dass ihr Engagement überflüssig und nicht gewünscht sei. Und das kann nicht im Sinne der Verantwortlichen in der Politik sein.

Der KulturDialog wird in Eimsbüttel veranstaltet vom Eidelstedter Bürgerhaus und dem Freizeitzentrum Schnelsen.

Dienstag, 6. Mai 2014, 19:00 Uhr
KulturDialog Eimsbüttel: Kulturzentren – voll engagiert im Stadtteil
Eidelstedter Bürgerhaus, Alte Elbgaustraße 12

Kontakt:
Stadtteilkulturzentrum Eidelstedter Bürgerhaus e.V., Alte Elbgaustraße 12, 22523 Hamburg, 040/570 95 99, info@ekulturell.de, www.ekulturell.de