Wenn in Zukunft Vivaldi® der Name eines neuen Diätproduktes ist und unter Beethoven™ nur noch ein neues Handybetriebssystem verstanden wird, dann haben wir heute etwas verkehrt gemacht. Friedemann Boltes aus dem Sasel-Haus über das „Profil Musik“ und Musik-Projekte mit Jung und Alt.

Autor: Friedemann Boltes

Eröffnungsveranstaltung „Musik von Anfang an“ mit dem Hamburger Percussion-Ensemble, Foto: Sasel-Haus

„Wer Musikschulen schließt, schadet der inneren Sicherheit“ sagte Otto Schily einmal. Solche Zitate artikulieren, was mittlerweile im allgemeinen Bewusstsein unserer Gesellschaft verankert ist: Kultur ist kein Luxusgut, sondern wichtig für die Persönlichkeitsbildung von Kindern.

Das Sasel-Haus ist seit vielen Jahren in der „Klassik-Szene“ aktiv und hat durch Kindergarten, Leseclub und Kooperationen eine sehr junge Zielgruppe. Sicherlich ist kulturelle Bildung mehr als nur musische oder gar nur „musikalische“ Bildung. Aber durch die etablierte Klassikkonzertreihe bot sich im Sasel-Haus der konzeptionelle Ansatz „Musik“ im Kinder- und Jugendbereich an. So entstand das „Profil Musik – das Sasel-Haus als Teil der Musikstadt Hamburg“. Das Profil ist keine Zustandsbeschreibung, sondern eine Absichtserklärung mit Blick auf die
Zukunft, die insbesondere die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen fokussiert.

Was 2008 mit dem damals neuen Projekt „Der Musikherbst, Klassik ist klasse!“ begann, wurde z.B. in diesem Jahr mit „Musik von Anfang an“ fortgesetzt. Teil dieses Projektes sind zwei Konzerte im Sasel-Haus und in Kooperation mit der Musikhochschule eine sechswöchige Arbeitsphase in teilnehmenden Schulen. Instrumentale, kreative und soziale Kompetenz werden dabei geschult, jedes Kind ist ein unverzichtbarer Teil
des Gesamtprojektes.

Neben einem Projekt für das gemeinsame Musizieren von Kindern und Senioren, vielen Ansätzen im Bereich Laienmusizieren gehören aber auch die Kooperationen mit TONALi – Deutschlands höchstdotiertem Nachwuchswettbewerb für Streicher, der Staatlichen Jugendmusikschule und Schulen dazu. Hier wird die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit den Sonntagskonzerten verknüpft, wie bei einem besonderen Projekt, das für 2014 in Planung ist: Musiker der Berliner Philharmoniker kommen zu einem Schul-Workshop und Konzert ins Sasel-Haus. Hier treffen dann wieder junge Menschen auf ältere Konzertbesucher – und „philharmonische
Kultur“ auf Stadtteilkultur.

Die gemeinsame Arbeit mit jungen und älteren Menschen ist eine Anforderung, die sich aus der demographischen Entwicklung des Stadtteils ergeben hat. In Sasel leben sowohl überdurchschnittlich viele ältere – 24,6 Prozent sind über 65 Jahre alt – als auch junge Menschen – 18,4 Prozent sind unter 18 Jahren alt. Einkommensniveau und Bildungsaffinität sind hoch, dennoch gibt es im Stadtteil Probleme, die einerseits in Vandalismus, Graffitis und Diebstählen deutlich werden, andererseits sich in „not in my backyard“-Tendenzen äußern. Das Sasel-Haus möchte sich diesen Tendenzen mit Mitteln der Kultur und speziell der Musik entgegenstellen.

Seit einiger Zeit steht fest, dass es eine neue Einrichtung für Kinder- und Jugendarbeit im Sasel-Haus in Kooperation mit dem CVJM Oberalster geben wird. Den Dialog zwischen der jungen Generation und den älteren Menschen – unseren beiden Hauptzielgruppen – zu fördern, das ist aber nicht nur eine Aufgabe für das Sasel-Haus, sondern für den ganzen Stadtteil.

Kontakt:
Sasel-Haus e.V., Saseler Parkweg 3, 22393 Hamburg, 040/60 17 16-0, info@saselhaus.de, www.sasel-haus.de

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