Ein zentrales Problem der „klassischen“ Musiklandschaft ist der Rückgang der Besucherzahlen. Hier wurde in den letzten 30 Jahren deutschlandweit eine Entwicklung verschlafen und erst langsam dringt den Veranstaltern, Musikern und Intendanten ins Bewusstsein, dass nicht nur Nachwuchs-Musiker benötigt werden, sondern auch ­Nachwuchs-Hörer. Und um beide will sich das Sasel-Haus aktiv bemühen.

Autor: Friedemann Boltes

Seit 1991 werden im Sasel-Haus klassische Konzerte präsen­tiert. Namhafte Künstler wie Rudolf Buchbinder, die Staats­kapelle Dresden, das Bläserquintett der Berliner Philhar­moni­ker, Concerto Köln und viele andere mehr waren Gäste dieser Reihe. Als Gegengewicht zu den Spielorten in der Innenstadt hat sich diese Reihe für die Bürger und Bürger­innen des Quar­tiers und der angrenzenden Stadtteile gut etabliert. Insgesamt besuchen über 3500 Besucher die Konzerte je Saison. Diesen Bereich sieht das Haus als potenzielles Alleinstellungsmerkmal und bemüht sich um eine strategische Weiterentwicklung.

So entstand die Reihe „Der Musikherbst“, die ausgerichtet ist auf die Zielgruppe Kinder im Alter von vier bis zwölf Jahren und ihre Eltern. Durch die aktive Teilnahme ihrer Kinder werden auch die Eltern in das Projekt einbezogen und angeregt, sich mit klassischer Musik auseinander zu setzen. Dabei sind Nieder­schwelligkeit und Zugangsnähe ebenso wie eine konzeptionelle Einbindung in die Arbeit des Vereins Grundvoraus­set­zungen für das Gelingen der Reihe. Wichtig war bisher eine Veranke­rung der Veranstaltungen im Haus, für 2012 ist aber zusätzlich ein Projekt in den teilnehmenden Schulen geplant, Zielgruppe hier ist der Primarschulbereich.

Konzeptionell steht das Programm des Sasel-Hauses auf mehreren Säulen, von denen Kulturelle Bildung durch Musik eine ist. Dieser Bereich besteht aus verschiedenen Bausteinen: Musikalische Frühförderung für Kindergartenkinder, der Musik­herbst mit vier Veranstaltungen pro Jahr für Kinder von vier bis zwölf Jahren, Nachwuchskonzerte für junge Talente und Preis­träger, Workshops mit Musikern der Sonntagskonzerte für Schul­klassen und Amateurmusiker, Musikseminare und Vor­träge (z.B. „Klassik for Dummies“) für Erwachsene und Sonntags­konzerte für Erwachsene.

Seit Beginn des Musikherbstes ist die Staatliche Jugend­musik­schule fester Kooperationspartner. Die Leitungsgruppe des Projektes aus zwei Mitarbeitern des Sasel-Hauses und der Stadtbereichsleitung Nord-Ost trifft sich regelmäßig, erarbeitet und organisiert die kommende Reihe. Die Konzepte sind bereits im Vorfeld von der Leitungsgruppe erarbeitet worden, so dass die Lehrkräfte nur minimalen Arbeitsaufwand haben. In den ersten zwei Jahren arbeitete zudem eine Theaterpädagogin im Leitungsteam mit und half, die Konzepte aus pädagogischer Sicht aufzubereiten.

Steht die Planung, werden die Schulen im Umkreis einbezogen. Hier hat sich die direkte Ansprache der interessierten Lehrkräfte bewährt. 2008 haben die ersten Versuche zur Projekt­kooperation mit Schulen begonnen. Es wurde viel Zeit und Aufwand in die „Kaltakquise“ von Partnern investiert, aber erst mit der Aufnahme eines gemischten Formates „Leseförderung und Musik“ in die Reihe haben sich feste Kooperationen etabliert. Mittlerweile hat das Sasel-Haus mit fünf Schulen im Um­feld in diesem Kontext zusammengearbeitet. Diese Koopera­tionen sind bisher nur auf den Musikherbst bezogen, allerdings kann man feststellen, dass die Schulen zunehmend Inter­esse an einer Zusammenarbeit mit dem Sasel-Haus auch in anderen Berei­chen haben. So haben sie sich z.B. an der Reihe „Forum Medien-Politik-Geschichte“ interessiert gezeigt.

Die vier Veranstaltungen des Musikherbstes wurden 2010 von insgesamt 1000 Besuchern wahrgenommen. Das Thema der Veranstaltungs­reihe wechselt von Jahr zu Jahr. Im ersten Jahr waren Mozart und seine Oper „Die Zauberflöte“ das Thema, im zweiten Jahr stand die Auseinandersetzung mit Wagner und dem mystischen Stoff des „Ring der Nibelungen“ im Mittel­punkt. In 2010 war das Thema „Musikherbst – Klassik ist lecker“. Im Rahmen des Projekts „Das Klingende Buch 2010“ erarbeiteten Schüler und Schülerinnen der 6. Klassen zusammen mit dem Schauspieler Christian Quadflieg eine Vorlese­version von „Charlie und die Schokoladenfabrik“. Dazu gab es passende Leckereien und Trinkschokolade. Musikalisch wurde die Ver­anstaltung von Schülern der Staatlichen Jugend­musik­schule begleitet. Ebenso wurden die Formate „Haus voll Musik“ und „Stars von Morgen“ fortgeführt, im Rahmen des „Konzerts für die Großen“ war das Diogenes Quartett mit Schuberts „Forellen­quintett“ zu Gast.
Für 2011 plant das Haus „Das Klingende Buch“ mit dem Thema „Rund um Fußball“. Kooperationspartner sind neben dem Leseclub im Sasel-Haus wieder die Jugendmusik­schule und die fünften und sechsten Klassen der umliegenden Schulen. Als Moderator und Lesecoach für die Schüler konnte Gerhard Delling gewonnen werden. Die anderen Formate wer­den auch weitergeführt, wobei konzeptionell diesmal neben Deutsch-Fachschaften auch Darstellendes Spiel und Musik­-fach­schaften eingebunden werden.

Der Musikherbst hat sich als wichtiger Bestandteil des Gesamtprogramms im Sasel-Haus etabliert. Ausblickend sind dauer- und regelhafte Kooperationen mit Schulen im Umfeld das Ziel, das auch in anderen Bereichen wie z.B. politische Bildung oder Medienkompetenz vorangetrieben wird. Viel wird in diesem Bereich von der faktischen Ausgestaltung der von der Behörde für Schule und Berufsbildung vorangetriebenen Ver­netzungsbemühungen wie z.B. den Bildungskonferenzen abhängen, noch mehr von der tatsächlichen Ressourcen­ausstattung der Schulen im Bereich außerschulische Koope­rationen.

Kontakt:
Sasel-Haus e.V., Saseler Parkweg 3, 22393 Hamburg, 040/60 17 16-0, info@saselhaus.de, www.saselhaus.de

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