Am 16. April 2019 wurde der diesjährige Hamburger Stadtteilkulturpreis für herausragende Projekt- und Programmarbeit in der Hamburger Stadtteilkultur in der Halle 424 im Oberhafen vergeben.

Mit dem Hamburger Stadtteilkulturpreis werden Projekte und Programme gewürdigt, deren Konzeption, Umsetzung und Resonanz besondere Qualität zeigen und die besonders geeignet sind, als anregendes Beispiel auf Initiativgruppen auch in anderen Stadtteilen zu wirken.

Der Hamburger Stadtteilkulturpreis 2019 geht an Die „Jenkitos“

Der Hamburger Stadtteilkulturpreis 2019 wurde an das ­Theaterprojekt „Jenkitos – Junges Theater Jenfeld“ der Freien Kulturinitiative der Quadriga vergeben. Seit 10 Jahren bietet die Freie Kulturinitiative mit den ­Jenkitos Theaterprojekte für Kinder und Jugendliche in dem mit vielen Problemen kämpfenden Stadtteil Jenfeld an. In jeder Spielzeit entstehen bis zu drei Theaterproduktionen mit rund 50 Akteur*innen im Alter von neun bis 19 Jahren. Die Stücke entwickeln die Gruppenmitglieder selbst, gemeinsam mit erfah­renen Theaterpädagoginnen. Der Name Jenkitos ist ein Kunstwort aus „Moskito“ und „Jenfeld“: Moskitos gibt es ­überall, und genauso international ist auch das Junge Theater Jenfeld. Und wie Moskitos sollen die Stücke hier und da ­„piksen“ – kritisch, unbequem und anspruchsvoll sein.

  • Jenkitos, Foto: Dörte Ebermann
  • Wutprinzessin, Foto: Antje Sauer
  • Foto: Dörte Ebermann
  • Foto: Dörte Ebermann
  • Foto: Dörte Ebermann
  • Foto: Dörte Ebermann
  • Foto: Dörte Ebermann

In der Begründung für die Entscheidung heißt es: „Die Jury sieht das Projekt Jenkitos als besonders preiswürdig an, da es kontinuierliche theaterpädagogische Arbeit in einem Stadtteil leistet, in dem 42 Prozent der Familien mit Kindern unter 15 Jahren von Sozialleistungen leben. Den schwierigen Umständen zum Trotz gelingt es dem Jenkitos-Team, zusammen mit den Kindern und Jugendlichen des Stadtteils Theaterpro­duk­tionen von hoher Originalität und künstlerischer Qualität zu realisieren. Die Lebenswirklichkeiten der Kinder und Jugend­lichen – die sie selbst oft als defizitär wahrnehmen – werden für die selbst entwickelten Theaterstücke produktiv gemacht und rücken dadurch in ein neues Licht.
Die Jenkitos machen ein Angebot, das nicht nur von den Teilnehmer*innen in besonderem Maße geschätzt wird, sondern auch eine hohe Akzeptanz im Stadtteil erfährt. Die nunmehr über zehn Jahre währende Arbeit der Jenkitos hat zu einer Vernetzung im Stadtteil geführt, die die Partizipation unterschiedlichster Menschen ermöglicht. Jenfelder*innen, die sonst nie ein Theater besuchen, kommen zu den Aufführungen. Oft werden öffentliche Räume wie Parks oder Einkaufszentren einbezogen, so dass Schwellenängste erst gar nicht entstehen können.
Mit dem Preisgeld will die Jury den Jenkitos die Möglichkeit geben, die gute Arbeit auszubauen und weiterzuentwickeln. Ferner möchte die Jury durch ihre Entscheidung ausdrücklich auch kleinere Initiativen und Projekte ermutigen, sich für ­künftige Hamburger Stadtteilkulturpreise zu bewerben.“

Als besonders herausragende Projekte und Programme ­stadtteilkultureller Arbeit wurden für den Hamburger Stadtteilkulturpreis 2019 außerdem als Finalisten nominiert:

  • Minimal music-Projekt in der 3falt, Foto: Sabine Schnell
  • Fit im Quartier: Syrischer Dubka, Foto: Dieter Seelis
  • Foto: LichtwarkSchule
  • Luku:Suite #18 Formation**NOW 2017, Foto: Gardy Stein
  • Preisverleihung Goldene Wandse 2018, Foto: Ludger Ester
  • Foto: KIKU
  • Volkstanz, Foto: Ring für Heimattanz e.V.
  • Die lange Teetafel, Foto: Kristina Timmermann, HausDrei e.V.
  • 2018 PARK AM START 2018: Vor der Bühne, Foto: Manfred Klemmer

Alle nominierten ­Projekte und Programme des Hamburger Stadtteilkulturpreis 2019 – der Gewinner und die neun ­Finalisten – werden in diesem stadtkultur magazin in alphabeti­scher Reihenfolge vorgestellt. Der Hamburger Stadtteilkulturpreis wird für bereits realisierte Kulturprojekte und -programme vergeben, die ein erfolgreiches Ergebnis nachweisen können, und ist seit diesem Jahr erstmalig mit 12.000 Euro dotiert.

Die Bewerbungsrunde

Von Anfang November 2018 bis Anfang Januar 2019 konnten sich freie Träger der Kulturarbeit sowie Einzelpersonen, die sich in der Stadtteilkulturarbeit in Hamburg engagieren, für den Preis bewerben. Neben Kulturprojekten konnten Kurs- und Veranstaltungsprogramme, Programmbereiche, Veranstaltungsreihen, spezielle Veranstaltungsformate und Festivals, die in besonderer Weise den Qualitätskriterien des Stadtteilkulturpreises entsprechen, eingereicht werden.

Knapp 50 kulturelle Initiativen, Zentren, Vereine und Einzelpersonen haben sich mit ihren Projekten und Programmen für den größten Preis der Hamburger Stadtteilkultur beworben. An dieser Stelle sei noch einmal allen Bewerber*innen für die Einsendungen gedankt.

Qualitätskriterien

Projekte und Programme, die sich für den Hamburger Stadtteilkulturpreis bewerben, sollten mehrere Qualitätsmerkmale stadtteilkultureller Arbeit zeigen:

  1. Kulturelle Teilhabe – Kultur von allen für alle
    Die Projektarbeit spricht ein breites Publikum aus unterschiedlichen Milieus, Sozial- und Bildungsschichten sowie Altersgruppen an und leistet einen wichtigen Beitrag zur ­sozialen Integration.
  2. Lokale Kultur – Kultur direkt vor Ort
    Ausgehend von den Bedarfen und Themen vor Ort bezieht sich die Projektarbeit auf das Quartier und seine Geschichte und lädt ein, mit künstlerisch-kulturellen Mitteln Nachbarschaften neu zu gestalten.
  3. Kulturelle Bildung – Chancen schaffen, Nachwuchs fördern
    Die Projektarbeit ermöglicht es den Bewohner*innen des Stadtteils, sich selbst künstlerisch und kulturell zu betätigen und kulturelle Angebote selber zu organisieren.
  4. Kulturelle Vielfalt – Internationale Stadtgesellschaft und Interkulturelle Öffnung
    Die Projektarbeit fördert die interkulturelle Öffnung und macht die kulturelle Vielfalt erlebbar.
  5. Vernetzung – Vor Ort verankert
    Die Projektarbeit initiiert, entwickelt und stärkt regionale Netzwerke und bindet Künstler*innen sowie benachbarte Kultur- und Bildungseinrichtungen mit ein.
  6. Mitgestaltung unserer Stadt – Beteiligen und Engagieren
    Die Projektarbeit ermutigt zu freiwilligem Engagement und ermöglicht, das eigene Lebensumfeld mitzugestalten.

Auswahl, Jury und Preisverleihung

Aus allen Einsendungen nominierten die Preisstifter zehn ­Bewerbungen für den Hamburger Stadtteilkulturpreis. Eine ­unabhängige Jury ermittelte aus diesen Finalisten im Anschluss den Preisträger. Als Juror*innen haben sich 2019 freundlicherweise Ellen Ahbe von der Bundesvereinigung Sozio­kultureller Zentren, Robert Hillmanns vom zakk Düsseldorf und Hella Schwemer-Martienßen von der Stiftung Hamburger Öffentliche Bücherhallen zur Verfügung gestellt.

Der Hamburger Stadtteilkulturpreis wurde am 16. April 2019 im Rahmen einer festlichen Veranstaltung in der Halle 424 vom Senator für Kultur und Medien Dr. Carsten Brosda der Freien Kulturinitiative der Quadriga für das Theaterprojekt „Jenkitos – Junges Theater Jenfeld“ überreicht.

Preisstifter und Unterstützer

Preisstifter sind die Behörde für Kultur und Medien Hamburg, die Hamburgi­sche Kulturstiftung, die Gabriele Fink Stiftung und die Patriotische Gesellschaft von 1765. Die Alfred Toepfer Stiftung F. V. S. unterstützt die Umsetzung. STADTKULTUR HAMBURG, der Dachverband für Lokale Kultur und Kulturelle Bildung, ist als Experte und Szenekenner für die Konzeption und Durchführung des Wettbewerbs zuständig. Der Hamburger Stadtteilkulturpreis wird seit 2002 an herausragende lokale Kulturprojekte und -programme vergeben.