Sie sind wieder da

Mit der Corona-Pandemie ist vieles anders geworden. Der komplette Kulturbereich leidet, aber am meisten leiden selbständige Musiker*innen und Künstler*innen, denn deren Geschäftsmodell war ohnehin prekär. Klaus Kolb von der Kunstklinik Eppendorf berichtet beispielhaft von zwei Projekten, bei denen Verdienstmöglichen erhalten und Kulturschaffende gestützt werden.

AUTOR: KLAUS KOLB

Singen im Fußballstadion

Singen auf der Tribüne, Foto: älter & besser e.V.

Inka Neus hat Gesang studiert und sie hat in den letzten zwei Jahren in der Eppendorfer Kunstklinik und in anderen Stadtteilkulturzentren Chöre für ältere Menschen aufgebaut. Sie hat den Chorverein „älter & besser“ gegründet und sich damit eine Berufsperspektive geschaffen.

Nach dem Lockdown sah es besonders für Chöre düster aus. Aber Inka ist eine Person, die sich dadurch erst richtig zu kreativen Lösungsfindungen angespornt fühlt – zum Glück für ihre vielen Sänger*innen. Die können seit kurzem wieder in voller Chorstärke proben, und zwar auf der Tribüne des Fußballstadions des SC Victoria.

Statt einer Miete schmaust der Chor nach der Probe in der neuen Victoria-Klause, das ist für beide Seiten gut. Überhaupt ist das Stadion atmosphärisch spannend: ein Ort der Ruhe, grün und mit weitem Blick mitten im Getriebe zwischen Martinistraße und Lokstedter Steindamm.

Zum Singen eignet sich die Tribüne trotz des Abstands zwischen den Sänger*innen überraschend gut, weil die Rückwand und die Dachkonstruktion einen gewissen Schallschutz nach außen liefern und etwas Raum-Resonanz erzeugen. Manchmal wird während der Chorproben auch trainiert, was oft für Erheiterung sorgt.

Neulich gab es von einer Jungen-Mannschaft spontanen Applaus, das war wohl etwas anderes als die üblichen Fangesänge. Wer Lust auf Chorsingen hat – und vielleicht auch noch fußballaffin ist, guckt unter: www.aelter-besser.de.

Live-Konzerte mit Dialog – vor Ort und online

Patrick Huss ist Percussionist und studiert an der Hochschule für Musik und Theater. Die Bands und Ensembles, in denen er spielt und komponiert, sind momentan stark gebeutelt: Durch Corona sind im Grunde alle Konzerte abgesagt. Mit dem Wunsch, unter den schwierigen Bedingungen Auftritte zu ermöglichen und gleichzeitig den Dialog zum Publikum zu erhalten, kam er vor einigen Wochen in die Kunstklinik.

Heraus kam die neue Reihe „Pangāia – Konzert & Stream“. Etwa 30 Personen dürfen vor Ort sein, gleichzeitig wird live gestreamt. Anschließend gibt es ein Gespräch zwischen Musiker*innen und Publikum, auch online gestellte Fragen werden beantwortet. Im Fokus stehen junge Profimusiker*innen. Die Musikstile variieren: Jazz, Weltmusik und Improvisation, Ensembles mit eigenen Kompositionen und besonderen Projekten.

Die Konzertreihe soll für selbständige Musiker*innen eine Möglichkeit bieten, auftreten zu können, dafür eine kleine Festgage zu erhalten und sich auf digitalen Plattformen zu zeigen. Die Kunstklinik Eppendorf sucht dafür noch Sponsoren.

Die Musikgruppe Bento, Foto: Bento

Den ersten Abend am 11. September um 20 Uhr gestaltet das Oktett Bentō, das moderne Klänge des Jazz mit ethnischer Musik unterschiedlicher Kulturen zu einer imaginären Folklore verschmilzt.

Klaus Kolb
Klaus Kolb

stammt aus dem Westerwald, organisierte schon als Schüler Rockkonzerte und studierte Soziologie in Marburg. Mitte der 80er Jahre engagierte er sich im Verein „Bürgerhaus für Eppendorf“, aus dem im Lauf der Jahre die Eppendorfer Kunstklinik entstanden ist, in der Klaus Kolb derzeit als Geschäftsführer arbeitet.

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