Die Hamburger Kulturszene ist seit Anfang 2016 deutlich diverser und bunter geworden. Einen großen Anteil daran haben rund 125 Geflüchtete, die sich seitdem im Rahmen eines BFD Welcome bei STADTKULTUR HAMBURG in den unterschiedlichsten Einsatzorten der Hamburger Kultur engagiert haben und vielfältige Impulse in die Einrichtungen tragen.
Autorin: Corinne Eichner

Der BFD Welcome ermöglicht Kultureinrichtungen einen bedeutenden Schritt auf dem Weg zur interkulturellen Öffnung der Häuser. Die Freiwilligen machen es möglich, wichtige Pläne für interkulturelle Projekte umzusetzen und wirken als Kultur- und Sprachmittler. Erst durch ihr Engagement gelingt es oft, Angebote zu schaffen, die sich zielgruppengerecht an ein diverseres Publikum wenden und die Einrichtungen und ihre Veranstaltungen bei diesem Publikum bekannt zu machen. Der gegenseitige Erfahrungsaustausch und das Lernen voneinander können so zu einer langfristigen Strategie für ein gutes, offenes und fruchtbares Miteinander führen. Inzwischen ist ein Engagement im BFD Welcome bei den Geflüchteten sehr gefragt: In 2017 haben sich beispielsweise 82 Geflüchtete um einen BFD-Platz beworben, 41 Bewerber*innen konnten vermittelt werden.

Bei der Vermittlung wird sehr genau hingeschaut, damit die Potenziale eines BFD Welcome wirken können: Nur wenn sowohl auf Seiten der Einsatzorte, als auch auf der Seite der Geflüchteten eine ausgeprägte Bereitschaft zu erkennen ist, voneinander zu lernen, macht eine Vermittlung Sinn. Im Bewerbungsverfahren wird – genau wie später während des Bundesfreiwilligendienstes – besonderer Wert auf eine sehr individuelle Betreuung beider Seiten gelegt. Dabei stehen keine Anforderungsprofile, sondern stärker charakterliche und menschliche Eigenschaften und individuelle Erfahrungen im Vordergrund, denn die Vorkenntnisse, die die Geflüchteten mitbringen, sind oft nicht vergleichbar mit den Erfahrungen, die Menschen gemacht haben, die schon länger Teil des deutschen Arbeitsmarktes sind.

Mitunter stehen die Geflüchteten vor Hürden, bei deren Überwindung sie von den Mitarbeiter*innen des Trägers STADTKULTUR HAMBURG unterstützt werden. Diese helfen bei Schwierigkeiten mit dem Jobcenter, Problemen mit der Ausländerbehörde oder anderen bürokratischen Herausforderungen.

Während des Freiwilligendienstes gibt es für die Geflüchteten viele Lerneffekte, die ihnen bei der Integration helfen. Sie lernen Arbeitsweisen und Arbeitsprozesse in Deutschland in einem geschützten Umfeld kennen. Sie können parallel zu Sprachkursen Sprachpraxis erwerben und sich so auf eine Ausbildung, ein Studium oder den ersten Arbeitsmarkt vorbereiten. Sie erhalten Einblicke in den Arbeitsmarkt und eine erste echte Orientierung. Zugleich bringen sie eigene Kompetenzen und Ressourcen ein, knüpfen ein berufliches und privates Netzwerk und können einen deutschen Freundeskreis aufbauen.

So sind die bis zu 18 Monate Bundesfreiwilligendienst eine sinnvoll verbrachte Zeit, in der sich Geflüchtete und Einsatzorte kulturell, politisch, gesellschaftlich, künstlerisch und persönlich mit dem jeweils anderen auseinandersetzen und so beiderseitig zum Zusammenwachsen unserer Gesellschaft beitragen.

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