Eine Polizeiwache als Stadtteilkulturzentrum zu betreiben, das ist eine schöne Sache. Die Wache wurde vom Architekten Fritz Schumacher, der viele Jahre als Oberbaudirektor in Hamburg wirkte, entworfen. Doch bei aller Umsicht, die Schumacher walten ließ: Einen Saal für Veranstaltungen hatte er leider nicht vorgesehen. Seit 2014 ist das Bürgerhaus Barmbek nun um diesen lange fehlenden Saal erweitert. Zeit für ein Resümee – ein Abgleich zwischen Traum und Wirklichkeit.
Autor: Ulli Smandek
Vorher (2011), Foto: Bürgerhaus Barmbek

Vorher (2011), Foto: Bürgerhaus Barmbek

Das war der Traum: Das Bürgerhaus Barmbek fasst das Anbauprojekt 2005 an. Zu dem Zeitpunkt kann das noch zügig geleistet werden, später wird es vielleicht sehr anstrengend sein. Die Wirklichkeit aber war: Erst neun Jahre ­später – 2014 – konnte der Saal des Stadtteilkulturzentrums eingeweiht werden. Die Strecke bis dahin war sehr, sehr lang. Und sehr anstrengend.

Der Traum: Das Stadtteilkulturzentrum ist ja nur Mieter. Es wird umgebaut und das Zentrum übernimmt dann das ­fertige Gebäude. Die Wirklichkeit: Wer ein gut funktionierendes Gebäude haben will, muss sich einmischen, eigene ­Vorstellungen entwickeln und energisch durchsetzen – gegen ­Bau-Gewohnheiten, falsche Vorstellungen von der Arbeit eines Stadtteilkulturzentrums und Einsparungswünsche.

Nachher (2017), Foto: Bürgerhaus Barmbek

Nachher (2017), Foto: Bürgerhaus Barmbek

Der Traum: Es kann parallel zum Bau normal weitergearbeitet werden. Die Wirklichkeit: Ein Teammitglied ist in der Bauphase fast komplett gebunden. Die anderen müssen den Rest stemmen.

Der Traum: Wenn der Neubau einmal eingeweiht ist, geht es normal weiter, nur größer. Die Wirklichkeit: Die Schleppe des Baus ist enorm lang: Nacharbeiten, Korrekturen, nachträgliche Ausstattung, Gewährleistungen, Wartungsarbeiten. Und: Neuorganisation des gesamten Betriebs auf der Seite der Veranstaltungen, der Raumvergabe, der Finanzen, der Personalplanung…

Der Traum: Wenn das Stadtteilkulturzentrum es geschickt anstellt, kann der vergrößerte Betrieb mit derselben Teamgröße weiterbetrieben werden. Die Wirklichkeit: Fläche frisst Arbeitszeit. Ein Drittel mehr Fläche braucht etwa ein Drittel mehr Team. Aber woher?

Der Traum: Die Inhalte ändern sich nicht. Die Wirklichkeit: Die zusätzlichen Gebäudekosten müssen erwirtschaftet werden. Der Blick auf das Geld wird fokussierter: Was lohnt sich finanziell? Was war schön, kann aber auch wegfallen? Die Nutzerzahlen steigen, aber das muss sich auch auszahlen.

Der Traum: Wenn der Neubau da ist, gibt es endlich Platz. Die Wirklichkeit: Erst einmal ja. Drei Jahre später quillt schon wieder alles über.

Der Traum: Das Stadtteilkulturzentrum wird neue Möglichkeiten haben: neue Veranstaltungen, Kurse mit Bewegung, größere Gruppen… Die Wirklichkeit: Stimmt.

KONTAKT
Bürgerhaus Barmbek e.V.
Lorichsstraße 28a · 22307 Hamburg · 040/630 40 00
hallo@buergerhaus-barmbek.de · www.buergerhaus-barmbek.de

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