Gespannt und etwas schüchtern sitzen Sonja, Hassan und Diego mit anderen Elementarkindern der Integrations-Kita im Alten Teichweg 203 im Bewegungsraum. Gleich kommen die „Großen“ aus der Stadtteilschule nebenan und lesen ihnen etwas vor – im Rahmen eines Projektes des Stadtteilbüros Dulsberg.

Autorinnen: Ulrike Ritter und Mareike Göbelshagen
Die „Großen" aus der Stadtteilschule Alter Teichweg lesen den „Kleinen" aus der Integrations-Kita aus dem mehrsprachigen Bilderbuch „Wer hat mein Eis gegessen?" vor, Foto: Stadtteilbüro Dulsberg

Die „Großen“ aus der Stadtteilschule Alter Teichweg lesen den „Kleinen“ aus der Integrations-Kita aus dem mehrsprachigen Bilderbuch „Wer hat mein Eis gegessen?“ vor, Foto: Stadtteilbüro Dulsberg

Hassan spricht deutsch und türkisch und weiß, wie er die Schülerinnen und Schüler auf Türkisch begrüßen kann: „Merhaba!“ Sein Nachbar ruft: „Auf Arabisch heißt das Salam Aleikum!“ In sieben verschiedenen Sprachen können die Kita-Kinder ihre Besucher begrüßen. Die „Großen“ sind ebenso schüchtern, als sie in der Kita ankommen. Doch als sie loslegen, fällt die Aufregung schnell von ihnen ab und mit viel Dynamik und Präsenz, lesen sie den Kindern aus dem mehrsprachigen Bilderbuch „Wer hat mein Eis gegessen?“ vor.

Für das Vorleseprojekt „Wir lesen euch vor“ wurden Schülerinnen und Schüler aus den Internationalen Vorbereitungsklassen der Stadtteilschule Alter Teichweg an mehreren Terminen von der Sprechtrainerin und Schauspielerin Morena Bartel vom Theater am Strom geschult. Sie lernten einzeln und in der Gruppe sowohl auf Deutsch als auch in ihrer Muttersprache vorzulesen sowie das Vorgelesene mit Mimik und Gestik zu verstärken. Zu den Muttersprachen der Jugendlichen gehörten Arabisch, Farsi, Spanisch, Russisch, Rumänisch und Bulgarisch. Zunächst fiel es den meisten Jugendlichen schwer, sich auf die ungewohnte Aufgabe einzulassen. Aber irgendwann war das Eis gebrochen. Nach der Aufführung konnte man den Jugendlichen ansehen, dass sie stolz auf sich waren: Sie hatten sich das Projekt zu Eigen gemacht.

Zum Abschluss aßen alle selbstverständlich noch ein Eis. „Kommt ihr wieder?“ fragten die Kinder. Und tatsächlich werden einige der Schüler in den nächsten Wochen wiederkommen und an die erste Begegnung anknüpfen. Denn das Projekt hat ihnen nicht nur Sprach- und Ausdrucksmöglichkeiten vermittelt und ihr Selbstbewusstsein gestärkt, sondern auch einen Einblick in die Berufswelt als Erzieherin und Erzieher gegeben.

Die Idee für das Projekt entstand Ende 2015 im Rahmen des Stadtteilfestivals „Dulsberger HerbstLESE“ und hat alle Beteiligten so begeistert, dass es mithilfe von eingeworbenen Mitteln weitergeführt werden soll.

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