Eine Willkommenskultur mit Leben zu füllen, erfordert wesentlich mehr als nur der fast reflexartige Gebrauch der Begrüßung „Refugees Welcome“ – nämlich Ausdauer, Beharrungsvermögen, Qualität und ein belastbares Netzwerk. Welcome to Wandsbek liefert hier ein erfolgreiches Beispiel – angestoßen und unterstützt vom Kulturschloss Wandsbek.

Autor: Markus Kaminski, wortbild.kaminski.sh
Unterstützertreffen im Februar, Foto: Wolf von der Osten

Unterstützertreffen im Februar, Foto: Wolf von der Osten

Mit der Eingangsfrage: „Kannst du Arabisch oder Farsi sprechen?“ scheint Welcome to Wandsbek die Latte für eine ehrenamtliche Mitarbeit fast unerreichbar hoch zu legen. Bei genauem Hinsehen sind derartige Anforderungen aber nur ein Beleg dafür, mit welcher Tiefe die Begleitung von Geflüchteten im Alltag in Wandsbek bewerkstelligt wird. Unterbringung, Deutschkurse und Integration sind sicherlich wichtige Parameter – im Alltag kommen aber Verständigungsprobleme, kulturelle Differenzen, Sorgen und das Zurechtfinden in einer fremden Umgebung dazu. Ist für einen Deutschen das hiesige Formularwesen oft bereits ein undurchdringlicher Dschungel, wird der Behördengang eines Geflüchteten zur Herkulesaufgabe – für beide Seiten übrigens. Um hier stetigen Support leisten zu können, tauschen sich die Mitstreiter von Welcome to Wandsbek regelmäßig aus und qualifizieren sich gemeinsam weiter.

Sie werden dabei von einem Netzwerk unterstützt, das sowohl inhaltlichen Input liefert als auch für eine breite gesellschaftliche Verankerung sorgt. Kirchengemeinden, muslimische Gemeinden, Wohlfahrtsverbände, Parteien, Vereine und Behörden stellen die Kulisse für die über 650 Unterstützer, die übergreifend für alle sechs Unterkünfte des Bezirks zum unverzichtbaren Bestandteil der Alltagsbewältigung geworden sind. Dreh- und Angelpunkt ist dabei das Kulturschloss Wandsbek, von dem der Anstoß ausging und das Konferenzräume, Kommunikationswege und eigene Manpower zur Verfügung stellt.

Neben den vielen Alltagspflichten kommt aber auch das Miteinander nicht zu kurz. Sportangebote, Handarbeitskurse, Ausflüge, Kino für Kinder sowie Theater- und Kunstprojekte bringen Farbe und Leben in eine zu oft als belastend empfundene Gesamtsituation. Einer der Höhepunkte war in diesem Sommer das Konzert für Toleranz auf dem Wandsbeker Marktplatz. Nicht zuletzt durch die Bedeutung, die Welcome to Wandsbek inzwischen erreicht hat, konnte das Organisationsteam alle Beteilig-ten dieser Großveranstaltung für ein unentgeltliches bürgerschaftliches Engagement begeistern.

KONTAKT
Welcome to Wandsbek
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