Initiiert durch die Hamburgische Kulturstiftung, die Körber-Stiftung und die Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. und beraten durch STADTKULTUR HAMBURG, stellte Anfang des Jahres ein Bündnis aus Stiftungen, Unternehmen und Bürgern 280.000 Euro für Stadtteilkulturprojekte zur Verfügung, die zur Integration und Partizipation von Geflüchteten beitragen. Das stadtkultur magazin interviewte hierzu die Mitinitiatorin Anja Paehlke aus dem Vorstand der Körber-Stiftung.

stadtkultur magazin: Warum engagiert sich die Körber Stiftung für den Fonds FREIRÄUME?

Anja Paehlke: Der feste Glauben an die Machbarkeit dessen, was man als sinnvoll erkennt – mit dieser Haltung begegnete der Unternehmer und Ingenieur Kurt Körber nicht nur technischen, sondern auch gesellschaftlichen Problemen und engagierte sich für drängende Themen der Zeit.
Millionen Menschen sind auf der Flucht, jeden Tag erreichen Tausende Europa und Deutschland, die Lage ändert sich mit großer Dynamik. In dieser Ausnahmesituation hat sich der Vorstand der Körber-Stiftung entschlossen, auf mehreren Ebenen zu handeln. Wir wollen einerseits Debatten voranbringen, mit Büchern zum Thema, Veranstaltungen und Konferenzen, andererseits wollen wir sofort und konkret helfen.

Was macht die Arbeit der Stadtteilkultur so besonders wertvoll bei der Integration der Zugewanderten?

Die Stadtkultur ist mit ihren Orten des Austausches und der Begegnung ein wichtiger Bestandteil des Lebens im Quartier. Und im Quartier findet Integration statt, genau hier kommen Menschen in Kontakt und haben die Möglichkeit die Perspektiven des jeweils anderen überhaupt kennen zu lernen. Jedenfalls, wenn dafür die Strukturen vorhanden sind. Diese Orte des Miteinanders müssen nicht neu erschaffen werden – sie sind schon da. Man muss sie erkennen, nutzen und ausbauen. Die Initiatoren des Fonds sind genau in dieser Überzeugung unterwegs: Stärken, was da ist. Unterstützen, was funktioniert.

Wie setzen sich die Initiatoren des Fonds noch für die Stadtteil-kultur ein – über das Bereitstellen finanzieller Mittel hinaus?

Vor Ort mit „anpacken“. Die Körber-Stiftung ist eine operative Stiftung, d.h. unsere Arbeit besteht in der Hauptsache aus eigener Projektarbeit, weniger aus Förderungen. Konkrete Hilfe leistet die Körber-Stiftung in Hamburg-Bergedorf. Hier öffnet sich unser eigenes Stadtteilprojekt „Haus im Park“ für Flüchtlinge und Initiativen, die sich mit der Situation der Geflüchteten auseinandersetzen. Dabei wird beim „Welcome Dinner“ gemeinsam gekocht, im Computerclub begegnen sich Generationen und Nationen. Eine Ausstellung ermöglicht Schülergruppen, sich im Rahmen des Unterrichts mit den Lebensgeschichten von Geflüchteten auseinanderzusetzen. Und wir beobachten: Deutschlands Stiftungen schließen sich zusammen. In Deutschland integrieren bereits zahlreiche Stiftungen Flüchtlingshilfe in ihre praktische Arbeit.

Wie wird es mit dem Fonds FREIRÄUME weitergehen?

Die praktische Soforthilfe bedarf der Reflexion. Debatten sind nötig, um Ideen auszuloten und Konsequenzen zu bedenken. Hierfür möchte die Körber-Stiftung ihre Verbindungen in viele Bereiche der Gesellschaft nutzen und die Diskussion vorantreiben. Konkret haben die Initiatoren für den Fonds noch einmal dieselbe Summe in den Topf gespendet.

Welchen Wunsch an die Zukunft haben Sie für unsere transkulturelle, internationale Stadtgesellschaft?

The big picture: Eine Stadtgesellschaft, die keine parallelen Strukturen vorhält, sondern in der alle gemäß ihrer Bedürfnisse teilhaben können. Und ich hoffe, die Stadtteilkultur bleibt ein starker Pulsgeber für Öffnung und Teilhabe.

stadtkultur magazin: Vielen Dank für das Interview.