Hamburg ist eine Kulturstadt. Aber laut Studien besuchen 50 Prozent der Bevölkerung nie Kulturveranstaltungen. Oft fehlt es am Geld oder es stehen andere Barrieren im Weg. Um das zu ändern, bietet der Hamburger Kulturschlüssel seit 2009 insbesondere Menschen mit Behinderung, Senioren und Menschen mit Migrationshintergrund, die von Grundsicherung leben, Freikarten und Kulturbegleitung an.

Autorin: Stefanie Könnecke
Kulturgenießer und Kulturbegleiter vor Kampnagel, Foto: Lmbhh/Eibe Maleen Krebs

Kulturgenießer und Kulturbegleiter vor Kampnagel, Foto: Lmbhh/Eibe Maleen Krebs

Die kommerziellen Musicals, die staatlichen Kulturbetriebe und die Stadtteilkultur sind Anziehungspunkte für viele Menschen – nicht nur aus Hamburg. Kulturnutzer sind aber immer nur eine kleine Teilgruppe der Gesellschaft: Wissenschaftliche Betrachtungen bezeichnen einen Anteil von zehn Prozent als Kernbesucher. Und die Gruppe der sogenannten „Nie-Besucher“ ist groß: Sie liegt bei 50 Prozent.

Der Hamburger Kulturschlüssel ermöglicht Menschen, die von Kulturgenuss ausgeschlossen sind, die Teilnahme am Kulturleben. Über 70 Kulturveranstalter aus Hamburg spenden regelmäßig Freikarten. Ehrenamtliche Kulturbegleiter holen die „Kulturgenießer“, insbesondere Menschen mit Behinderung, von zuhause ab und gehen gemeinsam mit ihnen ins Theater, Museum oder Konzert.

2014 besuchten so über 3400 Menschen mit dem Hamburger Kulturschlüssel Theater, Museen oder Konzerte. „Rechnet man, dass die Karte im Schnitt 20 bis 25 Euro kostet, so haben Kulturveranstalter rund 70.000 Euro gespendet, um Kultur­genuss zu ermöglichen“, bemerkt Frank Nestler, Projektleiter vom Hamburg Kulturschlüssel.

Auch viele Veranstalter aus der Stadtteilkultur bieten – trotz knapper Budgets – regelmäßig Freikarten an. „Unsere Stadtteilkulturzentren sind Häuser für alle“, sagt Peter Rautenberg vom Goldbekhaus, ein Kulturspender der ersten Stunde. „Ich freue mich immer, wenn Leute in die Veranstaltung kommen, die sonst schwer den Weg zu uns finden.“ Und er macht auch kein großes Aufsehen daraus, dass nun mehr Menschen mit Behinderung an Theater- oder Comedy-Aufführungen teilnehmen. „Für uns ist das normal, die Gesellschaft ist vielfältig.“

Umso mehr sollten wir dafür sorgen, dass Kulturangebote auch von vielen wahrgenommen werden können. Davon profitieren die Kulturgenießer, die Veranstalter und am Ende auch die Gesellschaft.

KONTAKT
Leben mit Behinderung Hamburg – Hamburger Kulturschlüssel
Frank Nestler · Schulterblatt 36 · 20357 Hamburg · 040/412 63 00-33
frank.nestler@lmbhh.de · www.hamburger-kulturschluessel.de