Die letzten Jahre waren für die Hamburger Stadtteil- und Soziokultur geprägt durch viele erfolgreiche Projekte vor allem in den Handlungsfeldern kulturelle Bildung und Stadtteilentwicklung durch Kultur und zugleich durch einen dramatischen Handlungsdruck, der sich aus dem fehlenden Ausgleich von Tarif- und Kostensteigerungen ergeben hat. Der Anteil der Fixkosten, die durch die institutionelle Förderung gedeckt werden, wird immer kleiner. Das finanzielle Risiko für Stadtteilkulturzentren steigt dadurch stark an. Durch Steigerung der Eigeneinnahmen gelang es der Hamburger Stadtteilkultur zwar, diesen Kostendruck abzufangen, doch gab es erste Einschnitte bei Personal und im Programm. Trotzdem konnte die Hamburger Stadtteilkultur auch im Jahr 2013 die besonderen Qualitäten und Potenziale lokaler Kultur und kultureller Bildung hamburgweit sichtbar machen, kulturelle Teilhabe vor Ort verwirklichen und neue zukunftsträchtige Handlungsfelder erfolgreich besetzen.

Grundlage der vorliegenden Erfolgsbilanz sind die Kenn-zahlen der 28 institutionell geförderten Stadtteilkulturzentren, die STADTKULTUR HAMBURG jährlich von der Kulturbehörde erhält, um eine umfassende Darstellung und qualitative Interpretation dieser Zahlen zu erarbeiten. Deshalb stellt die Erfolgsbilanz nur einen Ausschnitt des Potenzials und der Qualitäten stadtteilkultureller Arbeit dar, die auch von Bürgerhäusern und Geschichtswerkstätten sowie anderen Initiativen und Einrichtungen im Stadtteil geleistet wird.

Stadtteilkulturförderung

Der prozentuale Anteil der institutionellen Förderung der Stadtteilkultur am Gesamtkulturhaushalt der Stadt Hamburg ist 2013 mit 1,98 Prozent (4.970.019 Euro) erstmals seit Jahren unter die 2-Prozentgrenze gefallen. Insgesamt gliedert sich die Stadtteilkulturförderung in folgende Bereiche:

  • Institutionelle Förderung von 28 Zentren = 4.970.019 Euro
  • Stadtteilkulturprojekte = 406.000 Euro
  • Projektförderung STADTKULTUR HAMBURG = 83.000 Euro

Kulturhaushalt der Stadt Hamburg von 2013

Kulturhaushalt der Stadt Hamburg 2013

Angebote und Akzeptanz

Im Jahr 2013 konnten die 28 durch die Kulturbehörde geförder­ten Stadtteilkulturzentren das hohe Niveau der Gesamtbesucherzahlen auf knapp 1,9 Millionen weiter ausbauen, 27,66 Prozent (519.526) der Besucher waren Kinder und Jugendliche.

Akzeptanz_stadtteilkultureller_Angebote_2013

Akzeptanz stadtteilkultureller Angebote 2011 bis 2013

Insgesamt zählten die Stadtteilkulturzentren 335.494 Besuche bei 2.995 Veranstaltungen. Den Kulturzentren ist es hierbei gelungen, die Veranstaltungseinnahmen um 5,8 Prozent zu steigern (von 2.765.086 Euro in 2012 auf 2.925.738 Euro in 2013, siehe Tabelle „Einnahmen“).

Während sich die Anzahl der Kurse um 2,34 Prozent ver­ringert hat, ist ein leichter Anstieg der Zahl der Kursteilnehmer zu verzeichnen, was darauf hinweist, dass sich schlecht ­refinanzierende Kurse nicht mehr stattgefunden haben. Das Kursangebot wurde also leicht eingeschränkt. Der Bereich „anteilige Marktbesuche“ umfasst nicht nur das Mitwirken an Stadtteilfesten und -events, sondern auch Kooperationen vielfältigster Art mit lokalen Einrichtungen und Unternehmen.

Dass die Kulturzentren über ihr Kulturprogramm hinaus durch ihr gastronomisches und Vermietungsangebot zur Attraktivitätssteigerung ihrer Stadtteile beitragen, dokumentieren auch die kontinuierlich hohen Zahlen bei „Gastronomie und Vermietung“ (406.529), die mit dem Bereich „Sonstige Besuche“ (326.490), d. h. selbstorganisierten zielgruppenspezifischen Angeboten, mit insgesamt 733.019 Besuchern ein Indiz für starke Effekte bei der Belebung und der Steigerung der Zentrumsfunktion von Stadtteilen ist.

In Abgrenzung zu rein wirtschaftlich orientierten Gastronomiebetrieben zeichnen sich die stadtteilkulturellen Angebote durch ein niedriges Preisniveau und eine Offenheit für alle Bevölkerungsgruppen des Stadtteils aus, was die Kommunikation und das Gemein­wesen stärkt. So sind diese Zahlen auch als Zeichen für die gelingende Verankerung im Stadtteil zu verstehen: Die Zentren sind etabliert als sozialer und kultureller Treffpunkt und als Ort, der zur Aktivierung und zur Mitgestaltung einlädt.

Davon zeugt auch die hohe Anzahl Ehrenamtlicher mit 1.072 Menschen (2012: 1.157), die sich in ihrer Freizeit für die Kultur und Bildung in ihrem Stadtteil einsetzen. Aber im Bereich des ehrenamtlichen Engagements zeichnen sich leider die ersten Auswirkungen des von kulturpolitischer Seite seit Jahren nicht vollzogenen Kostenausgleichs ab: Die Zentren müssen sich um verstärkt um Einnahmen bemühen und können somit weniger Zeit in die Begleitung der Ehrenamtlichen investieren: Die Zahl der Ehrenamtlichen sank von 2012 auf 2013 um 7,35 Prozent. Ähnliches gilt auch für die durchschnittlichen Öffnungstage: Die Häuser waren durchschnittlich 10 Tage weniger für Besucher geöffnet als im Jahr zuvor (2012: 327 Tage, 2013: 317 Tage).

Personalentwicklung

Bei der Erfassung der Hauptamtlichen in der Stadtteilkultur hat es von 2012 auf 2013 eine Änderung der Zählung gegeben: Bis 2012 wurde die Zahl der Hauptamtlichen ermittelt, indem alle hauptamtlich Personen unabhängig vom Stundenumfang und Vertragsverhältnis gezählt wurden: 2012 arbeiteten demnach 253 Hauptamtliche in der Stadtteilkultur. Ab 2013 wird der Begriff des Kernpersonals eingeführt: Hier werden unter den Hauptamtlichen nur noch die „sozialversicherungspflich­tigen abhängig beschäftigten Personen, die kontinuierlich innerhalb des Bewilligungszeitraums für ein bestimmtes Aufgabengebiet der Einrichtung tätig sind“ erfasst. So kommt die Stadtkultur für 2013 nur noch auf 216 Hauptamtliche.

Durch diese neue statistische Erhebung wird deutlich, wieviel Last tatsächlich auf den Schultern des Kernpersonals liegt und wie brüchig die Personalstruktur in Wirklichkeit ist. Zusätzlich kam es 2013 bereits zu konkretem Personalabbau. Vereinzelt wurden Stellen von flexiblen Kräften gestrichen oder Wochenstunden gekürzt, um Personalkosten zu sparen. Die Steigerung der Umsätze der Stadtteilkulturzentren mit 515.000 Euro um 4 Prozent auf 13.269.750 Euro (siehe Tabelle rechts unten) reichte nicht mehr aus, die allgemeinen Personal- und Kostensteigerungen aus eigener Kraft aufzufangen. Damit ist genau der Fall eingetreten, vor dem der Dachverband und die Akteure seit Jahren gewarnt haben: Durch den fehlenden Ausgleich der Tarif- und Kostensteigerungen mussten nun erste Einsparungen im Personalbereich vorgenommen werden.

Bei den Kennzahlenerhebungen werden unbezahlte Überstunden ohne Freizeitausgleich nicht abgefragt, die Evaluation aus dem Jahr 2009 lieferte hier jedoch eine wertvolle Ergänzung zur Personalsituation in Stadtteilkulturzentren: Durchschnittlich lag die Anzahl der Überstunden hauptamtlicher Mitarbeiter bei 111 Stunden pro Jahr, was ein großes Engagement weit über die bezahlte (meist ja Teilzeit-)Stelle hinaus dokumentiert. Die Möglichkeit, Überstunden auszugleichen oder sich bezahlen zu lassen, besteht in den wenigsten Fällen.

Finanzielle Entwicklung

 

Ausgaben der Stadtteilkulturzentren

Ausgaben_final2Ausgaben der Stadtteilkulturzentren 2011 bis 2013

Bei seit 2009 ungefähr gleichbleibender institutioneller Förderung mussten die Zentren Kostensteigerungen und Mehrausga­­­ben bei den Projekten durch Beiträge/Spenden, Veranstaltungs- und sonstige Einnahmen ausgleichen. Trotzdem gelang es den Stadtteilkulturzentren die Gesamteinnahmen um knapp 3,6 Prozent zu steigern, was wieder ein besonderes Licht auf die betriebswirtschaftliche Arbeitsweise und Professionalität der Stadtteilkulturzentren wirft. Dies darf aber nicht darüber hinweg täuschen, dass im Jahr 2013 mit dem Personalabbau und Einschränkungen des Angebotsspektrums erstmalig eine Grenze überschritten wurde, die sich sicher im Jahr 2014 weiter fortsetzen wird.

Einnahmen der Stadtteilkulturzentren

Einnahmen_final2Einnahmen der Stadtteilkulturzentren 2011 bis 2013

Die höchste Einnahmequelle im Gesamtetat der Stadtteilkulturzentren ist mit jedoch durchschnittlich nur noch 37 Prozent die institutionelle Förderung. Einnahmen aus Veranstaltungen und Workshops machen zusammen 22 Prozent der Einnahmen aus, „sonstige Einnahmen“ noch einmal knapp 15 Prozent. 2013 ist es den Kulturzentren gelungen, die Einnahmen aus „sonstige Förderungen“ nochmals dynamisch um 13,4 Prozent zu steigern, von 2.218.910 Euro (2012) auf 2.517.145 Euro. Der Anstieg dieser Einnahmenbereiche zeigt, dass es die Stadtteilkulturzentren geschafft haben, in ihren neuen Handlungsfeldern und Aufgabengebieten nachhaltig zusätzliche Ressourcen zu akquirieren.

Mit dem Zuwachs der Rahmenzuweisung Stadtteilkultur war im Jahr 2009 mit 900.000 Euro ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung getan worden. Weitere Schritte müssen jedoch folgen: Denn nur ein Prozentsatz ist bei den Stadtteil-kulturzentren angekommen, da die Bezirke den Zuwachs auch dazu nutzten, andere stadtteilkulturelle Aktivitäten zu fördern, sodass bei einigen Zentren ein immer größerer Handlungs-bedarf besteht. Zudem wurden neue Stadtteilkulturzentren in die Förderung aufgenommen. So hat sich die Anzahl der geförderten Zentren von 25 (2008) auf 28 im Jahr 2011 erhöht.

Die Tatsache, dass allein die Fixkosten – Personal-, Miet- und Betriebskosten – mit 8.610.305 Euro (2012: 8.424.790 Euro) die institutionelle Förderung inzwischen um über 73 Prozent (2011: 63,5, 2010: 55, 2012: 68) übersteigen, belegt erneut den dringenden Handlungsbedarf.

Fixkosten_final2Steigendes Risiko: Die institutionelle Förderung deckt immer weniger die Fixkosten

Resümee

Aus der Erfolgsbilanz 2013 lassen sich folgende zentrale Aspekte ableiten:

  • Die Stadtteilkulturzentren arbeiten weiterhin erfolgreich und sind in den Stadtteilen fest verankert. Sie konnten die Zahl ihrer Besucher erneut steigern und erzielten einen Einnahmenzuwachs durch Mehreinnahmen im Veranstaltungsbereich und bei sonstigen Einnahmen.
  • Dennoch mussten die Stadtteilkulturzentren 2013 erste schmerzhafte Einschnitte vornehmen: Personalabbau und Einschränkung des Angebots wurden nötig, weil die ­Steigerung der Kosten durch Tariferhöhungen und an­steigende Fixkosten die Mehreinnahmen übersteigen.
  • Da die institutionelle Förderung bei Weitem nicht einmal die Fixkosten der Stadtteilkulturzentren abdeckt und sich in Richtung einer Ein-Drittel-Finanzierung entwickelt, tragen die Zentren und ihre hochengagierten Mitarbeiter ein hohes finanzielles Risiko. Damit dürfen sie nicht länger allein gelassen werden.
Tagged with →