Bei dem Projekt der W3 – Werkstatt für internationale Kultur und Politik e.V. wird die Notwendigkeit eines diversitätsbewussten Selbstverständnisses von Kultureinrichtungen in der Einwanderungsgesellschaft in den Fokus gerückt. Es begleitet sieben Hamburger Kultureinrichtungen im interkulturellen Öffnungsprozess.

Autorin: Naciye Demirbilek

„Spurensicherung: Die Suche nach Heimlichem und Unheimlichem – nach Eigenem und Fremdem“ – dies könnte sowohl Überschrift des ersten Schulungstages, wie auch des gesamten Projektes „Orte der Vielfalt“ der W3 sein, bei dem sich die Stadtteilkulturzentren Eidelstedter Bürgerhaus und Goldbekhaus, die Elbphilharmonie, die Bücherhallen, das Ernst-Deutsch-Theater und zwei Museen im interkulturellen Öffnungsprozess begleiten lassen. Denn sich auf einen solchen Prozess einzulassen, bedeutet immer auch die Reflexion von erwünschten und unbewussten Spuren der eigenen institutionellen Praxis und einen Blick auf Ausgrenzungsmechanismen – und mit dem Projekt „Orte der Vielfalt“ werden genau diese Themen angerührt und die Notwendigkeit eines diversitäts­bewussten Selbstverständnisses von Kultureinrichtungen in der Einwanderungsgesellschaft in den Fokus gerückt.

Denn Transkulturalität, Vielfalt und Mehrdeutigkeit sind prägend für eine moderne, globalisierte Gesellschaft im Zeichen von Migration. Dabei geht es nicht mehr um Eindeutigkeit und Homogenität, sondern um Überschneidungen, Grenz- und Zwi­schenräume, um simultane Zugehörigkeiten. Doch spiegeln sich diese vielfältigen Lebensrealitäten und Perspektiven auch in der Kulturlandschaft wider? In Programmen, im Personal, in Besetzungen, in der Konzeption von Ausstel­lun­gen? Wie können sich Kultureinrichtungen interkulturell öffnen, ohne in Exotismus und in kulturellen Zuschrei­bungen verhaftet zu bleiben?

Mit dem Projekt „Orte der Vielfalt“ möchte die W3 den Blick für diese Fragen schärfen und sich gemeinsam mit einer festen Gruppe von Hamburger Kultureinrichtungen auf die Suche nach neuen Wegen machen. In sechs eintägigen, intensiven Schulungstagen werden leitende Mitarbeitende der sieben teilnehmenden Hamburger Kulturinstitutionen dazu angeleitet, einen institutionsspezi­fi­schen, nachhaltigen interkulturellen Öffnungsprozess zu konzipieren und einzuleiten. Wir sehen interkulturelle Öffnung hierbei als Organisationsentwicklung und somit als eine langfristige Querschnittsaufgabe. In den Schulungstagen werden daher ganz konkrete Themen, wie Organisationsstrukturen, Personalpolitik, Publikumsansprache und Marketing, unter dem Aspekt der Interkultur reflektiert und gemeinsam neue Möglichkeiten erkundet, um Zugänge zu kulturellen Ressourcen breiter zu streuen.

Interkulturelle Öffnung bedeutet aber auch, sich auf den Weg zu machen und Dinge zu erproben – daher bekommen die teilnehmenden Institutionen von Schulung zu Schulung die Aufgabe, Aktivitäten und Planungen im eigenen Arbeitsfeld zu entwickeln und umzusetzen und in ihren Häusern Strukturen zu schaffen, beispielsweise die Einrichtung einer themati­s­chen Arbeitsgruppe, um das Thema der interkulturellen Öffnung nachhaltig zu verankern.

Und eines wurde bereits am ersten Schulungstag im Juli deutlich: So unterschiedlich die sieben teilnehmenden Institutionen hinsichtlich Größe und Sparte sind: Die Themen, die sie in ihrem interkulturellen Arbeitsalltag bewegen, sind ganz ähnlich. Denn auch wenn Interkulturalität beispielsweise durch die pädagogische Arbeit mit Schulklassen oder durch internationale Gastspiele schon längst in den Häusern angekommen ist, wünschen sich alle teilnehmenden Institutionen, dass Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen hier ihren Ort finden! Mut zu Veränderung heißt, auf Routinen zu schauen, andere Perspektiven einzubeziehen und neue Wege auszuprobieren – und daher sind wir sehr gespannt, was sich im Projekt und darüber hinaus für die Kulturlandschaft in Hamburg entwickelt!

Mit dabei sind die Fachinstitutionen Landesverband Stadtkultur Hamburg e.V., umdenken Heinrich Böll Stiftung e.V. und die Hamburger Hochschule für Musik und Theater als Kooperationspartner, die den Prozess mitgestalten, kritisch begleiten und sich in regelmäßigen Treffen fachlich austauschen. Der regelmäßig stattfindende Gesprächskreis „Crossroads“ in der W3 bietet außerhalb des Projektes einen Rahmen für eine Diskussion mit einer breiteren Fachöffentlichkeit.

Das Projekt wird finanziell gefördert vom Fonds Soziokultur, von der Alfred Töpfer Stiftung F.V.S., der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration und der Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg.

Kontakt:
W3 – Werkstatt für internationale Kultur und Politik e.V., Nernstweg 32–34, 22765 Hamburg, 040/39 80 53-60, info@werkstatt3.de, www.werkstatt3.de

TEILEN MIT:
Tagged with →