Auch nach 70 Jahren richtet sich das Hauptinteresse der Besucher und Nutzer im STADTTEILARCHIV HAMM auf die Operation „Gomorrha“ und den verheerenden Feuersturm, den britische Bombenangriffe im Sommer 1943 auslösten. Das Stadtteilarchiv hat seine Angebotspalette längst erweitert, doch dieser lokale Themenschwerpunkt bleibt.

Autor: Jens Wieker

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Blick in eine der vier Röhren des Bunkermuseums Hamburg, Foto: Stadtteilarchiv Hamm


Als das Stadtteilarchiv Hamm im Zuge der „Oral History“-Bewegung 1987 gegründet wurde, geschah dies auch und vor allem in der Sorge, dass die Generation der Zeitzeugen des Feuersturms – dem zentralen Ereignis in der 750-jährigen Geschichte Hamms – aussterben würde und die Ereignisse in Vergessenheit geraten könnten. Das ist nicht geschehen. Das Veranstaltungsangebot des Stadtteilarchivs wird immer noch geprägt vom Feuersturm: direkt in Vorträgen, Rundgängen, Barkassenfahrten und Ausstellungen – indirekt, weil auch andere Themen vom Publikum immer wieder mit dem Feuersturm in Verbindung gebracht werden: das Heute in Hamm, die Menschen, die Sozialstruktur, die Bebauung – alles hängt mit dem Gestern zusammen.

Naturgemäß ist das Durchschnittsalter der Besucher im Stadtteilarchiv sehr hoch. Häufig haben sie den Feuersturm selbst er- und überlebt und versichern sich im Durchstöbern des Fotobestandes ihrer Erinnerungen. Der Fotobestand des Stadtteilarchivs umfasst rund 35.000 Bilder – mit dem Schwerpunkt auf der Architektur des alten Hamms vor der Zerstörung 1943 – und ist in dieser Form einzigartig. Die Erinnerungen vieler Zeitzeugen liegen zudem schriftlich oder als Audio-Datei vor.

Einer Überalterung des Publikums ist vorgesorgt. Inzwischen kommen auch die Nachkommen der Feuersturm-Generation ins Stadtteilarchiv, um sich ein Bild ihrer Vorfahren zu machen. Dass der immer größer werdende zeitliche Abstand die Nachfrage nicht nachhaltig sinken lässt, zeigte sich erst im Juli und August als alle Veranstaltungen des Stadtteilarchivs zum 70. Jahrestag des Feuersturms überdurchschnittlich gut besucht waren.

Seit der Eröffnung des Bunkermuseums Hamburg 1997, das vom Stadtteilarchiv Hamm betrieben wird, reicht das Alter der Zielgruppen von Alt bis Jung – besonders Schulklassen, die im Rahmen von Projektwochen durch das Bunkermuseum geführt werden, erweisen sich häufig als interessierte und engagierte Gäste. Erst im Juli produzierte z. B. die Sankt-Ansgar-Schule in Borgfelde einen aufwendigen Bildband zu ihrem Stadtteil. Die darauf aufbauende Ausstellung wandert derzeit durch diverse Borgfelder Haspa-Filialen und wird dann auch im Stadtteilarchiv Hamm zu sehen sein. Derartige Kooperationen verankern das Stadtteilarchiv noch stärker in den Stadtteilen des Hamburger Ostens. Sie beweisen, dass der Schwerpunkt der Arbeit im Stadtteilarchiv Hamm keinen Moden unterworfen ist und stets aktuell bleibt.

Kontakt:
Stadtteilarchiv Hamm, Carl-Petersen-Straße 76, 20535 Hamburg, 040/18 15 14 93, stadtteilarchiv@hh-hamm.de, www.hh-hamm.de/stadtteilarchiv