Öffentliche Räume im Wohnumfeld sind Orte des Alltags, an denen sich Bürger begegnen, ihre Besorgungen erledigen und einen Teil ihrer Freizeit verbringen können. Wohnen – insbesondere das städtische – braucht diese Freiräume. Werden sie vernachlässigt, gefährdet dies die gelingende Stadt. Das BÜRGERHAUS IN BARMBEK sieht sich als Erweiterung dieses öffentlichen Freiraumes.

Autor: Ulli Smandek

Schwebt noch, landet bald: die Erweiterung des Bürgerhauses (rechter Teil), Grafik: Bürgerhaus in Barmbek / Architektur: KBNK

Der Anteil der Einpersonenhaushalte an den Haushalten im Stadtteil Barmbek-Nord beträgt 71,2 Prozent – Hamburg gesamt: 53,6. Die durchschnittliche Wohnung ist hier 55,3 Quadratmeter klein – Hamburg gesamt: 72,6. Das Bürgerhaus in Barmbek stellt hier den notwendigen Freiraum dar: Man trifft sich im Café, begegnet einander bei Veranstaltungen und Kursen. Vor allem nutzt man die Räume für Mehr.

Im Stadtteilkulturzentrum treffen sich ca. 80 Gruppen, ein Drittel davon wöchentlich. Die Themen der Gruppen sind weit gespannt: von Literatur über freie Software, gemeinsamer Immobilienbesitz, Parteiarbeit, ein bedingungsloses Grundeinkommen, gemeinsame Krankheitserfahrungen, Fotografie, Märchenerzählen, Betriebskonzepte, Tauschringarbeit, freiwilliges Engagement, Widerstand gegen militante Rechte, verschiedene Tanzformen, gemeinsames Singen, Theaterproben, Handarbeiten, Musizieren und Herstellen von Keramik.

Und das ist nicht alles: Viele dieser Gruppen schaffen wiederum neue öffentliche Räume, indem sie Veranstaltungsangebote wie Theater, Lesungen und Konzerte für den Stadtteil kreieren. Das Bürgerhaus – eine ehemalige Polizeiwache – verfügt über Räume zwischen 16 und 42 Quadratmetern. Für Veranstaltungen mittlerer Größe ist das Haus nicht optimal. Für Kurse bis zu zehn Teilnehmern, für kleine Workshops und für Gruppen ist das Gebäude aber ideal.

Das Stadtteilkulturzentrum unterstützt die Gründung von Gruppen: Durch die aktive „Anstiftung“ neuer Gruppen sind Theater- und Schreibgruppen, Wandmal- und Kochgruppen oder ein Stadtteilchor entstanden.

Das Bürgerhaus fördert Gruppentreffen nicht nur durch günstige Mieten mit in der Regel dreistündiger Taktung, sondern auch durch eine Raumgestaltung, die fortwährend eine gute Mitte zwischen Multifunktionalität und Behaglichkeit sucht: Durch Möblierung mit Stapelstühlen und Klapptischen und Angebote wie Tafel, Flipchart und Visualisierungskoffer, Leih-Laptop und -Beamer. Durch Beratung und Unterstützung hilft das Bürgerhaus „schleppenden“ und „strauchelnden“ Gruppen.

Darüber hinaus bietet es Räume für private Feiern, ein begehrtes Angebot in einer Gegend mit kleinen Wohnungen. Die Angebote werden gut angenommen – zu gut: Nun reicht das Gebäude nicht mehr aus. Unter dem Motto „Platzen oder Platz“ wird das Bürgerhaus wachsen. 2013/14 entsteht ein Anbau mit einem Saal für 100 Sitzplätze und einem Gruppenraum.

Kontakt:
Bürgerhaus in Barmbek e.V., Lorichsstr. 28a, 22307 Hamburg, 040/630 40 00, hallo@buergerhaus-in-barmbek.de, www.buergerhaus-in-barmbek.de

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