Das ella Kulturhaus und der Künstler Saeeid Dastmalchian machen Langenhorn gemeinsam bunter.

Autorin: Britta Sominka

In Langenhorn, insbesondere im Wohngebiet Essener Straße, leben viele Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen. Deshalb ist es eine Schwerpunktaufgabe vom ella Kulturhaus die Potenziale dieser vielfältigen Kulturen in der Stadt­teilkulturarbeit zu nutzen und der Vielfalt einen Raum zu geben. Ob es sich um Chöre, Bollywood-Workshops, interkulturelle Frühstücksangebote mit musikalischer Frühför­de­rung für Kinder oder Frauenfeste handelt, das ella möchte die Bewoh­ner aktivieren und zur Teilhabe motivieren. Ganz ähnliche Ziele verfolgt der Maler, Fotograf und Grafiker Saeeid Dastmalchian, der in unmittelbarer Nähe zum Flughafentrubel, im Ham­bur­ger Stadtteil Langenhorn sein Atelier hat. Hier entwickelt der 1970 in Teheran geborene Kommunikations-Künstler seine kreativen Impulse, die in ihrem Ansatz das friedliche Zusam­menleben verschiedenster Nationen und Kulturen erfahr­bar machen möchten. „Wenn wir Menschen das starke Band, an dem wir alle festhalten als etwas Verbindendes erkennen,“ so der Künstler „dann werden trennende Vorstel­lungen und von Selbstsucht geprägte Handlungen keinen Platz in unserem Leben einnehmen können.“

Eine Vorstellung von dieser Verbundenheit vermittelt uns das von Saeeid Dastmalchian 2007 ins Leben gerufene und vom ella-Kulturhaus und dem Stadtteilbüro 16h veranstaltete Projekt „Buffet der Kulturen“ im Wohnquartier Essener Straße in Langenhorn. Jedes Jahr, an einem Samstag im September, treffen sich Bewohner des Quartiers Essener Straße auf dem Marktplatz Käkenhof und verwandeln ihn in einen Ort multikultureller Begegnung mit einer langen Tafel, gedeckt mit selbst zubereiteten Köstlichkeiten verschiedener Nationen.

So feiern die Bewohner und zunehmend auch Interessierte von außerhalb die kulturelle Vielfalt unserer Stadt, und beim ­gemeinsamen Essen verlieren sprachliche Barrieren schnell an Bedeutung. Dass die Idee des Künstlers nach anfänglichem Zögern heute so viele Anhänger und Unterstützer auch bei den Organisationen und Einrichtungen vor Ort findet, liegt nicht allein an der Außergewöhnlichkeit dieser Idee – es sind eben die Bewohner selbst, die immer mehr die Verantwortung für die Gestaltung von „Buffet der Kulturen“ übernehmen und mit ihren eigenen Ideen und Vorschlägen diesem großen „Familientreffen“ den besonderen Charakter verleihen.

Dass die Kunst ebenso den Weg für eine friedliche Begeg­nung zwischen den Religionen ebnen kann, zeigt beispielhaft und einmalig das interreligiöse Projekt „Zeit der Begegnung“, das Saeeid Dastmalchian 2008 gemeinsam mit Hamburger Vertretern der fünf großen Weltreligionen in Buch- und Aus­stellungsform umsetzte. Zutiefst menschliche Gefühle kommen in den meditativen Bildern des Künstlers und den aus­gewählten Textpassagen der heiligen Schriften zum Ausdruck und erinnern uns daran, dass wir in unserem tiefsten inneren Kern gleichen Ursprungs sind – eine Erkenntnis, die die Grund­lage für eine friedliche Gestaltung unserer Weltgemeinschaft bildet. Die Wanderausstellung „Zeit der Begegnung“ hat auf ihrer Reise durch Deutschland schon viele Menschen berührt und inspiriert.

Saeeid Dastmalchian, der selbst als 13-Jähriger ohne seine Eltern nach Deutschland kam, weiß aus eigener Erfahrung, dass der Mensch auf seinem Lebensweg selbst die Verantwor­tung für seine Zukunft in den Händen hält, und der kulturelle Hintergrund ein großes Potenzial in sich birgt. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten hat der heute mit einer Deutschen ver­-heiratete Vater zweier Söhne seinen persönlichen Weg gefun­den und geht ihn zielstrebig und mit vollem Herzen. In seinem aktuellen Projekt „Träume leben“, einem weiteren Buch- und Ausstellungsprojekt, dass er 2009 gemeinsam mit der Europa­schule Gymnasium Hamm realisiert hat, kommen genau diese persönlichen Erfahrungen zum Tragen. Hamburger Persönlich­keiten mit Migrationshintergrund erzählen über ihren Weg der Selbstverwirklichung. „Träume leben“ macht Mut, für seine Träume einzustehen, unbeirrt den eigenen Weg zu gehen und an eine Gesellschaft zu glauben, in der sich jeder Mensch unab­hängig von seiner Herkunft entfalten kann.

Wer Interesse hat, sich in diesem Jahr am Buffet der Kulturen zu beteiligen, kann sich im ella Kulturhaus melden und zu den Vorbereitungstreffen kommen: Offene Vorbereitungstreffen sind am 13. April, 8. Juni und 31. August, jeweils um 18:00 Uhr im ella.

Kontakt: ella – Kulturhaus Langenhorn, Käkenflur 30, über Iserlohner Stieg,  22419 Hamburg, 040/53 32 71 50, leitungella@mookwat.de, www.ella.mookwat.de
Tagged with →