Kirsten Schmidt hat ihren Bundesfreiwilligendienst im Jenfeld-Haus gemacht und dabei an vielen Schnittstellen im Stadtteil Kunst geschaffen – auf Fliesen, Steinen und kompostierbaren Stickern. Das alles aus guten Gründen. Im stadtkultur magazin berichtet sie über ihr Jahr für die Kunst im BFD Kultur und Bildung von STADTKULTUR HAMBURG.

Seit ich mit drei Jahren zum ersten Mal einen Tuschkasten in den Händen hielt, atme ich Kunst und Kultur. Im Rahmen meines Bundesfreiwilligendienstes durfte ich diese Leidenschaft 2025 im Jenfeld-Haus einbringen und hatte das Gefühl, genau am richtigen Platz zu sein. Hier organisierte ich gemeinsam mit dem Team des Jenfeld-Hauses drei Projekte, die drei meiner wichtigsten Anliegen beinhalteten: Demokratie fördern, Solidarität stärken und Systemfehler benennen – denn Kunst ist für mich die „fünfte Gewalt des Staates“.
Mosaik: Gemeinschaft in Stein gemeißelt
Gemeinsam mit der Hamburger Mosaikkünstlerin Monika Seif und 17 Jenfelder*innen von 8 bis 80 Jahren gestalteten wir vier große Mosaike – 3 Meter breit, 50 Zentimeter hoch – am Betonsockel des Jenfeld-Hauses. Die Teilnehmenden brachten ihre Ideen ein, klebten die Entwürfe auf Gewebe und setzten sie gemeinsam um. Kostenlos für alle, dank Förderung durch DOMO e.V. und RISE. Warum ich das wichtig finde? Kunst wie diese schafft Orte der Identifikation und zeigt, dass Gemeinschaft „handfest“ sein kann. So erhielt unser Mosaik passend dazu seinen Namen: „Jenfelder Weltenbild – ein ‚Tile‘ des Ganzen“ („tile“ englisch für „Fliese“).

„Schlafende Hunde“ (soll man nicht wecken): Illusionen, die wachrütteln
Mit dem Künstler Uwe J. Fehrmann verwandelten wir zehn Findlinge hinter dem EKZ Jenfeld in „schlafende Wachhunde“ – eine Metapher für die unausgesprochenen sozialen Wünsche Jenfelds. Jeder Hund trägt einen Namen mit einem Wunsch der Nachbarschaft (z.B. „Kinderrechte!“). Dieses zehnteilige Kunstwerk regt zum Nachdenken an. Warum ich das wichtig finde? Kunst macht Unsichtbares sichtbar und fordert so politische Verantwortung ein.
„Denkzettel“: Protestkunst zum Mitnehmen
Mein drittes Projekt war eine interaktive Holzauslage mit kompostierbaren Protestkunst-Stickern (z.B. „Kunst ist die 5. Gewalt“ oder „Seltene Erde“). Die Sticker hingen zur freien Mitnahme aus und verteilten sich im Stadtteil. Warum ich das wichtig finde? Weil Kunst „nicht nur schmückt, sondern handlungsfähig macht“.

Fazit
Meine Zeit im Jenfeld-Haus bestätigte, was ich schon lange glaube: „Kunst ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit“. Sie übersetzt komplexe Themen in prägnante Bilder und legt auch mal den Finger in die Wunde. Kunst stärkt Solidarität, fördert Demokratie und schafft Räume für Unbequemes. Manchmal darf sie auch einfach nur schön sein und ihr unmittelbares Umfeld rein optisch aufwerten. All das macht ihren großen sozialen Wert aus.
Und jetzt?
Mein Bundesfreiwilligendienst ist beendet – und mit ihm ein Abschnitt, in dem Kunst, Kultur und gesellschaftlicher Wandel für mich ganz praktisch zusammenkamen. Was bleibt, ist der Wunsch, genau an dieser Schnittstelle weiterzuarbeiten. Ich bin da. Und ich bringe meinen Tuschkasten mit.
