Liebe Kulturinteressierte,

Erinnerung ist kein Blick zurück, sondern eine Frage an die Gegenwart: Wie wollen wir zusammenleben – und auf welcher Grundlage? Der Hamburger Stadtteilkulturpreis 2026 zeichnet mit „Wie wollen wir erinnern?“ ein Projekt aus, das diese Frage konsequent in den Stadtteil trägt und dort gemeinsam verhandelt.
In Jenfeld entsteht durch die Arbeit von Salon International eine Form der Erinnerungsarbeit, die nicht vorgibt, sondern beteiligt: künstlerisch, dialogisch und nah an den Lebensrealitäten der Menschen. Geschichte wird dabei nicht als feststehende Erzählung verstanden, sondern als etwas, das gemeinsam entwickelt wird. Unterschiedliche Perspektiven kommen zusammen, Erfahrungen werden geteilt und in Beziehung gesetzt. So entsteht ein Zugang, der Menschen einlädt, sich einzubringen und Erinnerung als gemeinschaftliche Aufgabe zu begreifen.
Diese Arbeit gewinnt an Bedeutung in einer Zeit, in der die Freiheit von Kunst und Kultur zunehmend unter Druck gerät. Künstlerische Positionen werden infrage gestellt, Diskurse verengen sich, Räume für offene Auseinandersetzung werden kleiner. Umso wichtiger ist es, Orte zu sichern, an denen Vielfalt, Widerspruch und künstlerischer Ausdruck selbstverständlich möglich sind.
Stadtteilkultur steht exemplarisch für diese Freiheit. Sie schafft Räume, in denen Menschen ihre Perspektiven einbringen, Themen verhandeln und sich als wirksam erleben können. Hier wird kulturelle Teilhabe praktisch umgesetzt – unabhängig von Herkunft, Bildung oder sozialem Status. Diese Offenheit ist keine Selbstverständlichkeit, sondern Grundlage und Auftrag zugleich.
In Hamburg sind diese Werte weiterhin handlungsleitend. Die Stadtteilkultur trägt maßgeblich dazu bei, sie mit Leben zu füllen: als Orte des Dialogs, der Auseinandersetzung und des Vertrauens. Wo Menschen zusammenkommen, entsteht Verständnis – und damit die Basis für ein demokratisches Miteinander.
Der diesjährige Preisträger macht deutlich, wie wichtig solche Räume sind. Er zeigt, dass Erinnerung dann relevant wird, wenn sie gemeinsam gestaltet wird – und dass darin eine zentrale Voraussetzung für unser zukünftiges Zusammenleben liegt.
Wir gratulieren allen Preisträger*innen!
Corinne Eichner, Geschäftsführerin
