Was ist das Gegenteil von „eitel“? „Uneitel“ könnte man sagen, aber Amira Abu Katmen findet „bescheiden“ besser. „Bescheiden“, so würde sie ihre Kolleg*innen an der Erich-Kästner-Schule beschreiben. Keiner lässt den Chef raushängen, keiner macht die anderen runter. „Ich fühle mich frei“, sagt Amira Abu Katmen. „Wir arbeiten im Team und es gibt keinen Stress zwischen den Kollegen.“
Foto: Klaus Irler

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Die Erich-Kästner-Schule in Farmsen ist für die Nachmittags-betreuung eine Kooperation eingegangen mit einer Flüchtlingsunterkunft. Die Idee ist, dass die Kinder aus der Unterkunft und die Kinder aus der Schule gemeinsam betreut werden, um miteinander Spaß zu haben, Ausflüge zu machen und von einander zu lernen – neben dem Deutsch-Unterricht gibt es also auch Arabisch-Unterricht für deutschsprachige Kinder.

Amira Abu Katmen startete ihren BFD Welcome im ­November 2017. Seitdem ist sie Assistentin in der Nachmittagsbetreuung der Erich-Kästner-Schule. Amira Abu Katmen hat Pädagogik und Bibliothekswissenschaften studiert in Syrien und Ungarn. Dann hat sie in Dubai als Bibliothekarin in einer Schule gearbeitet. Nachdem ihr Vertrag ausgelaufen war, ging sie in den Libanon und konnte wegen des Krieges nicht mehr zurück nach Syrien. 2015 floh sie nach Deutschland. Sie machte ein Praktikum bei einer Modekette und arbeitete ehrenamtlich beim Roten Kreuz, um Anschluss zu finden. Vom BFD Welcome erzählte ihr eine Freundin in der S-Bahn.

Aktuell steht Amira Abu Katmen vor der Aufgabe, ihr Deutsch zu verbessern – der BFD Welcome ist der Schlüssel dafür. Abgesehen von der Sprachpraxis im Job sind es die ­Fortbildungen, Ausflüge und Bewerbungstrainings des BFD, die sie weiterbringen. „Ich habe durch den BFD Hamburg ­kennengelernt“, sagt Amira Abu Katmen. „Und es ist eine Möglichkeit, den Arbeitsmarkt und die deutsche Art zu Arbeiten kennenzulernen.“

Wie ist es also, hier zu arbeiten, abgesehen davon, dass die Kollegen angenehm bescheiden sind? „Es ist einfach mit den Deutschen, sie sind sehr direkt und immer pünktlich“, sagt Amira Abu Katmen. Manchmal wundert sie sich auch, dass es so schwer ist, Dinge zu verändern. „Wenn hier etwas so ist, dann ist es so“, sagt sie. „Ich kenne es von früher flexibler.“

Ihre Hoffnung ist, einen Job zu finden in einer Bibliothek. Für eine Arbeit als Lehrerin scheint ihr die Sprachhürde zu hoch. Ihren BFD Welcome hat sie nach sechs Monaten auf ein Jahr verlängert. Es kann durchaus sein, dass sie nochmal ­verlängert – dann auf die Maximalzeit von 18 Monaten.