Geheimnisvolle, unentdeckte und wilde Orte findet man in Hamburg nicht mehr viele. Wer mit dem Fahrrad Richtung Osten unterwegs ist, kennt das ehemalige Kohlekraftwerk Bille mit seinen imposanten Hallen vielleicht bereits: Ein versteckter Industrieort an der wenig befahrenen Bille. Andere entdecken das Industriedenkmal vielleicht bei einem Kaffee im jungen, aber bereits fest etablierten experimentellen Stadtteilbureau Schaltzentrale.
Autorin: Wiebke Hallerberg
Der Wasserzugang der Schaltzentrale zur Bille, Foto: Dorothee Halbrock

Der Wasserzugang der Schaltzentrale zur Bille, Foto: Dorothee Halbrock

Die seit 2015 stattfindenden „Hallo: Festspiele“ haben sich als raumforschendes Festival die Erschließung der bisher nicht zugänglichen Hallen zur Aufgabe gemacht. Durch künstlerische Erforschung rund um das alte Kraftwerk konnten viele Türen für die Öffentlichkeit geöffnet werden. In diesem Jahr geht der Fokus raus aus dem Kraftwerk auf das Wasser: Die Schaltzentrale beschäftigt sich mit den möglichen Nutzungsformen der Bille.

Der so genannte Hamburger Osten ist Teil des Entwicklungskonzeptes „Stromaufwärts an Elbe und Bille“. In diesem Zusammenhang ist die Bille als wenig genutzter Fluss ein möglicher Raum für vielfältige wasserbezogene Nutzungen und Aktivitäten auf dem Wasser. Auch in der Geschichte des Kraftwerkes, als die Kohle noch über die Bille angeliefert wurde, spielte der Fluss eine große Rolle für das Kraftwerk und seine Umgebung.

Im stadtplanerischen Handeln Hamburgs werden Gewässer wie Elbe und Bille bisher fast ausschließlich als schöne Kulisse und weniger als tatsächlich nutzbarer Raum betrachtet. Häufig ist der Zugang zum Wasser nicht öffentlich.

Die „Hallo: Festspiele 2018“ wollen eine Öffnung aktiv befördern und die Bille in Kooperation mit Expert*innen, Nachbar*innen und Ko-Entwickler*innen als Möglichkeitsraum untersuchen. Das größte Experiment ist die prototypische Skizzierung eines öffentlichen Anlegers am Kraftwerk Bille. Dafür wird aus Schwimmpontons und Containern ein temporärer Anleger gebaut, um das Kraftwerk Bille von Wasserseite aus zugänglich zu machen.

Für die „Hallo Festspiele 2018“ wurde ein Programm mit performativen, künstlerischen und politischen Aktionen zusammengestellt, um gemeinsam mit den Besucher*innen die Bedeutung des Wassers als innerstädtischen öffentlichen Raum zu erfahren. Die Festspiele finden vom 3. bis zum 5. August 2018 im und um das Kraftwerk Bille herum statt.

Der Viele Grüße von e.V., der Verein hinter der Schaltzentrale und den „Hallo: Festspiele“, ist seit 2015 aktiv, um mit temporären Bespielungen langfristige Konzepte an Orten umzusetzen, die der Öffentlichkeit (noch) verschlossen sind. Die diesjährigen Festspiele sind die 4. Ausgabe dieses Kunstfestivalformates.

KONTAKT
Viele Grüße von – Verein zur Förderung raumöffnender Kultur
Bullerdeich 14b · 20537 Hamburg
verein@vielegruessevon.org · www.vielegruessevon.org

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