Eine neue Initiative im Stadtteil braucht einen Raum, in dem sie sich treffen kann. Ein lokal umstrittenes Thema braucht Gelegenheiten, um diskutiert zu werden. So einfach und selbstverständlich das klingt, bilden diese Angebote aber den Kern der stadtteilbezogenen Arbeit der Zinnschmelze – und sind zumeist nur der Startpunkt für mehr.
Autorin: Sonja Engler
Raum für Diskussion: Die „Stadtteil Gespräche Barmbek Nord“, Fotos: Anette Quast

Raum für Diskussion: Die „Stadtteil Gespräche Barmbek Nord“, Fotos: Anette Quast

Als die Initiative Welcome to Barmbek im Herbst 2014 ins Leben gerufen wurde, befand sich die Zinnschmelze mitten im Umbau. So konnte das Versprechen, den Saal für Plenumstreffen zur Verfügung zu stellen, erst ein halbes Jahr später eingelöst werden. Bei der bloßen Raumnutzung ist es dann nicht geblieben. Die persönlichen Kontakte, die mit der Zeit entstanden, gepaart mit dem Willen, gemeinsam ein Thema zu bewegen, das politisches wie menschliches Handeln herausfordert, haben unter anderem die mit dem Stadtteilkulturpreis 2016 ausgezeichnete Welcome Music Session hervorgebracht. Das Projekt findet unter Federführung der Zinnschmelze nun schon im dritten Jahr statt.

Auch ein Angebot zur Beratung eritreischer Flüchtlinge fand in der Anfangszeit seine Heimat in den Räumen des Stadtteilkulturzentrums. Die Community bekam damit eine Chance, sich an einem zentralen Ort zu treffen, zu vernetzen und zu wachsen. Dieser Start machte es schließlich möglich, eine Idee der in Hamburg lebenden Eritreer*innen umzusetzen: Im Mai 2017 fand eine Demonstration von 150 vornehmlich jungen Männern und einigen Frauen statt, die gegen die Diktatur und für die Meinungsfreiheit in ihrer Heimat eintraten.

Die „Stadtteil Gespräche Barmbek Nord“, die gemeinsam mit dem Bürgerhaus Barmbek und einer Kirchengemeinde veranstaltet werden, sind Sammelbecken für soziale, kulturelle und städtebauliche Themen des Stadtteils. Immer wieder waren die Veranstaltungen Ort hitziger Auseinandersetzungen, insbesondere bei strittigen Bauvorhaben. Vor wenigen Monaten führten die Planungen für den Bau der U-Bahn-Linie 5 zur Gründung einer Anwohnerinitiative gegen die von der Hochbahn geplan-ten Haltestellen und die Streckenführung.

Das Stadtteil Gespräch greift solche Debatten auf und versucht, über die regulären Beteiligungsverfahren hinaus, einen konstruktiven Dialog herzustellen bzw. wieder herzustellen. Das Stadtteilkulturzentrum nimmt sich Zeit für die Frage, welche Bedingungen es braucht, damit Beteiligung gelingen kann. Und wie die Zinnschmelze als Nukleus gelebter Demokratie sinnvoll agieren und sich weiterentwickeln kann.

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Zinnschmelze
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