Mit funkelnder Kupferfassade und insgesamt verdreifachter Fläche kann sich die umgebaute Zinnschmelze seit 2015 als Begegnungsort für Barmbek, als Bühne für Talente und Experimente und als Treffpunkt vielfältiger Kulturen weiterentwickeln. Mit zwei Jahren Abstand: Was für Chancen aber auch Risiken ergeben sich durch einen Umbau für ein Stadtteilkulturzentrum?
Autorinnen: Sonja Engler und Dorothée Puschmann
Der neue Saal im neuen Untergeschoss der Zinnschmelze, Foto: Zinnschmelze

Der neue Saal im neuen Untergeschoss der Zinnschmelze, Foto: Zinnschmelze

Drei Aspekte im Nutzungskonzept sind wesentlich für die neuen Chancen der Zinnschmelze nach dem Umbau:

  • Das Kulturzentrum in Barmbek Nord verfügt nun über einen eigenständigen Veranstaltungssaal mit 127 Quadratmetern und einen teilbaren Tagungsraum für Kurse und Seminare.
  • Die Flächen für den Theaterbereich, vom langjährigen Partner Theaterdeck betrieben, wurden verdoppelt und durch einen Probenraum ergänzt.
  • Die Gastronomie wurde ausgebaut und verbessert als verpachteter Ganztagesbetrieb das kulinarische Angebot im Stadtteil.

Mehr Programm, größere Formate, attraktivere RÄUME und mehr Vermietungen

Durch die räumlichen Vergrößerungen ergaben sich natürlich Chancen zum Ausbau des Programms: Die größte programmatische Veränderung ist die Neuentwicklung eines Kurs- und Workshop-Programms, das es zuvor aus Platzgründen gar nicht gab. Analog zum Veranstaltungsprofil „Musik und Tanz“ finden in der Zinnschmelze nun Chöre und Bandprojekte ihre Heimat: „Tanzkrümel“ ab 3 Jahren wechseln sich mit Flamenco, Tango und Modern Dance für Erwachsene ab. Besonders die musikalischen Angebote für Kinder und Jugendliche sollen künftig weiter ausgebaut und durch Veranstaltungen für Kinder und Familien ergänzt werden.

Auch im Veranstaltungsbereich haben sich die Rahmenbedingungen für bewährte Programme bzw. Weiterentwicklungen vielfach verbessert. Angefangen von der Möglichkeit, im Haus mehrere Veranstaltungen parallel zu realisieren, bis hin zu großen Festivals und Kooperationen kann die Zinnschmelze nun alles bedienen. Die Partyformate mit Crash-Tanzkurs haben endlich genug Platz und konnten um eine afrikanische Tanznacht erweitert werden. Im Musik- und Comedy-Bereich sind Mixed-Shows hinzugekommen und es können nun auch thematische Pakete geschnürt werden: Chorkonzerte präsen­tieren die hauseigenen Gruppen und Gäste, die Salsa Workshop Band spielt auf der Salsa Party, gemeinsam mit den Kursleiterinnen gestaltet die Zinnschmelze öffentliche Präsentationen auf dem jährlichen Nachbarschafts-Sommerfest „Barmbek schwingt“.

Nicht zuletzt trägt die neu eingerichtete Veranstaltungstechnik dazu bei, die Nutzung des Hauses für Künstler und Publikum gleichermaßen attraktiv zu machen. Vom Stummfilm mit Jazzbegleitung bis zum Livehörspiel mit Chorauftritt: Ideen, die früher an der Ein-Raum-Situation scheiterten, können nun umgesetzt werden – sieht man von den dann doch zu klein geratenen Lager- und Nebenräumen und den Finanzierungsfragen ab.

Die Nutzungen Dritter ergänzen das eigene Programmangebot. Diese Funktion eines Stadtteilkulturzentrums – Räume für die Nachbarschaft zu öffnen – kann endlich erfüllt werden. Der Bogen ist weit gespannt von mietfreien Raumvergaben über Kooperationen mit Vereinen bis zur Privatvermietung. Auch Tagungen und Seminare finden in der Zinnschmelze, in Verbindung mit dem hauseigenen Catering und der guten Lage, einen gern genutzten Ort. Nicht unwesentlich dabei sind die Eigeneinnahmen, zu deren Erwirtschaftung die Vermietungen einen wichtigen Teil beitragen.

Denn natürlich benötigen der Betrieb des Hauses und die Umsetzung größerer Veranstaltungen einen anderen Personalschlüssel als zuvor und auch die Betriebskosten sind nicht nur analog zu den Quadratmetern, sondern auch qualitativ ge­stiegen – z. B. durch die Wartungskosten für neue technische Anlagen.

Der Altbau (links) mit neuem Anbau (rechts), Grafik: LRW Architekten

Der Altbau (links) mit neuem Anbau (rechts), Grafik: LRW Architekten

Aber auch: mehr Kosten

Die strukturelle Kostensteigerung, die das Wachstum mit sich bringt, ist ein Aspekt, der bei allen positiven Effekten der Aus- und Erweiterungsbauten gern übersehen wird. Anders als im rein wirtschaftlichen Sektor bedeutet „größer werden“ eben keine lineare Umsatz- und Gewinnsteigerung. Im Non-Profit-Kulturbereich steigen mit der Größe der Projekte gerade die Personal- und Sachkosten, die „den Laden überhaupt erst zum Laufen bringen“ – und die in den wenigsten Anträgen als förderfähig anerkannt werden.

Darum heißt es an dieser Stelle – bei aller gebotenen Anerkennung der Mittelaufstockungen im laufenden Haushaltsjahr – weiterhin für die gesicherte Basisfinanzierung der Arbeit in den stadtteilkulturellen Einrichtungen einzutreten.

Fazit: Im Plus

Das Fazit der „Zinne“ bleibt aber im Plus: Auch wenn der Kostendruck gestiegen, die Arbeit komplexer und dichter geworden ist, die positiven Effekte überwiegen. Mit der Vergrößerung und der Verjüngung des Teams kommen neue Impulse ins Haus und Ideen können dynamischer verwirklicht werden. Zudem tut die Verbesserung der Rahmenbedingungen für Theaterdeck und Gastronomie ihr übriges, die altbekannte Zinnschmelze als vielfältigen Ort für Kultur und Begegnung mit frischem Wind zu beleben.

KONTAKT
Zinnschmelze
Maurienstraße 19 · 22305 Hamburg · 040/23 18 85 55
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