Im Dezember 2013 eröffnete eine Flüchtlingsunterkunft in der Litzowstraße – in direkter Nachbarschaft zum KULTURSCHLOSS WANDSBEK. Für das Stadtteilkulturzentrum war klar: Hier gilt es eine herzliche Willkommenskultur und eine dauerhaft positive Nachbarschaft zu gestalten. Aus dieser ersten Idee ist mittlerweile der erfolgreiche und kürzlich ausgezeichnete UnterstützerInnenkreis Flüchtlingsunterkunft Litzowstraße entstanden.

Autorin: Gun Röttgers
Akustische und visuelle Ausstellung zur Lebenssituationen der Flüchtlinge in der in der Containerunterkunft Litzowstraße, Foto: Ulrike Krogmann

Akustische und visuelle Ausstellung zur Lebenssituationen der Flüchtlinge in der in der Containerunterkunft Litzowstraße, Foto: Ulrike Krogmann

Den Anfang des Projektes bildete ein offenes Nachbarschafts­treffen. Daraus entwickelte sich ein aktives Unterstützer-Angebot und ein Unterstützer-Netzwerk: UnterstützerInnenkreis Flüchtlingsunterkunft Litzowstraße. Ein ehrenamtlicher Koordinationskreis übernahm die Organisation des Netzwerkes und wird seitdem inhaltlich und organisatorisch durch das Büro des Kulturschlosses begleitet.

Der UnterstützerInnenkreis organisiert u. a. die Begleitung zu Behörden und Ärzten, den Aufbau persönlicher Patenschaften, Deutschunterricht für Erwachsene und Kinder, Spielenachmittage, Ferienprogramme mit Ausflügen, Termine in der örtlichen Bücherhalle und im Sportverein. An mehreren Wochentagen wurden – nach Absprache mit dem Träger „fördern und wohnen“ – allgemeine Präsenzzeiten direkt in der Unterkunft eingerichtet. Dort gibt es Raum zum Kennenlernen und für Gespräche. Anliegen der Bewohnerinnen und Bewohner werden aufgenommen und durch Mailverteiler und Onlineforen an den UnterstützerInnenkreis weitergeleitet. In ihm engagieren sich mittlerweile fast 200 Ehrenamtliche sowie soziale und kulturelle Einrichtungen des Stadtteils.

Dem Kulturschloss Wandsbek ist neben dieser dringenden benötigten praktischen Hilfe besonders die kulturelle Arbeit im Stadtteil wichtig. Integration durch Kultur war deshalb der Ausgangspunkt des Themenmonats „Flucht und Asyl“, der im Februar 2015 im Kulturschloss stattfand. Es sollte ein Raum für Begegnungen und gemeinsames Gestalten geschaffen werden, um die Nachbarschaft für das Thema zu sensibilisieren und Interessierte für die Unterstützung der Flüchtlinge zu gewinnen. Unterschiedliche Generationen und Kulturen aus dem Stadtteil und der Flüchtlingsunterkunft begegneten sich im gemeinsamen künstlerischen Austausch.

Werkstattaufführung der Theatergruppe Kaleidoskop, Foto: Ulrike Krogmann

Werkstattaufführung der Theatergruppe Kaleidoskop, Foto: Ulrike Krogmann

Der Themenmonat erhielt durch die positive Auseinandersetzung mit der Situation der Flüchtlinge vor Ort und mit verschiedenen eintrittsfreien Formaten eine große Aufmerksamkeit im Stadtteil. Zudem wurden sowohl die beteiligten Flüchtlinge als auch die ehrenamtlichen Unterstützer und Anwohner durch die gemeinsame Projekte motiviert, den Stadtteil auch kulturell vielfältiger zu gestalten. Sowohl die Besucherzahlen der einzelnen Veranstaltungen als auch das daraufhin stark angewachsene Netzwerk bezeugen den Erfolg des Themenmonats.

Eine Diskussionsveranstaltung mit Politikern zu Beginn des Themenmonats beschäftigte sich mit der Frage der europäischen Grenzpolitik und den Bedingungen für eine erfolgreiche Integration der Zuwanderer in Deutschland.

Eine akustische und visuelle Fotoausstellung zur Lebenssituationen von Flüchtlingen in der Containerunterkunft Litzowstraße informierte die Besucher über die Lebensumstände in der Wohnunterkunft, über Herkunftsländer, Umstände der Flucht und erste Erfahrungen in Deutschland. Um die aktuellen Lebensumstände der Flüchtlinge abzubilden, sind im Dialog mit den Bewohnern vor Ort dokumentarische Fotografien entstanden. Ein zweiter Teil der Ausstellung umfasste Interviews, die biographische Einblicke gaben. Die langfristige ehrenamtliche Arbeit in der Unterkunft bildete die für dieses Projekt wesentliche Vertrauensbasis. So konnten auch schwierige und sehr persönliche Themen, wie Fluchterlebnisse, erzählt und dokumentiert werden.

Die aus Profis und Amateuren bestehende Theatergruppe „Kaleidoskop Theater und Kommunikation“ bot in einem Workshop und einer Werkstattaufführung Flüchtlingen die Möglichkeit, ihre Geschichte zu erzählen. Eine Gruppe aus sechs Playback-Theaterspielern und sechs Flüchtlingen bildet seitdem eine gemeinsame Trainingsgruppe, die sich wöchentlich trifft und weitere Aufführungen organisiert.

Zum Abschluss des Themenmonats wurde ein interkulturelles Fest ausgerichtet, bei dem die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft gemeinsam mit dem Stadtteil bei internationaler Küche und internationaler Live-Musik feierten, Begegnungen erlebten, Gespräche führten und Kontakte pflegten bzw. aufbauten.

Der „UnterstützerInnenkreis Flüchtlingsunterkunft Litzowstraße“ wurde für sein Engagement von der BürgerStiftung Hamburg in diesem Jahr mit dem Preis „Menschen verbinden – Zukunft stiften“ geehrt. Das Engagement in der Unterkunft Litzowstrasse sowie die Vernetzung in den Stadtteil und zu weiteren Unterkünften wie die EZE Holstenhofweg und die Wohnunterkunft Bahngärten in Verbindung mit dem Themenmonat „Flucht und Asyl“ wurde von der Jury als hervorragende Umsetzung des Leitsatzes gewürdigt.

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