Formate für die Demokratie: Gemeinsam Räume für Beteiligung schaffen

Das Projekt „Formate für die Demokratie“ der Hamburger Stadtteilkultur entwickelt seit Frühjahr 2025 übertragbare Beteiligungs- und Begegnungsformate. Ziel ist es, die Menschen vor Ort miteinander ins Gespräch zu bringen und die demokratische Kultur in den Quartieren zu stärken.

Autorin: Sylvia Linneberg

Fünf Arbeitsgruppen aus Stadtteilkultureinrichtungen entwickelten gemeinsam mit Künstler*innen, Studierenden, Fachexpert*innen, Prozessbegleiter*innen und Kooperationspartner*innen neue Formate für die Demokratie. Nach Erprobungen im ersten Halbjahr 2026 liegt der Fokus nun auf der Übertragung erfolgreicher Ansätze, der Wissenssicherung und der nachhaltigen Verankerung der Zusammenarbeit.

Erprobung des Formates „Faxen for Future“ in Barmbek, Foto: Mone Seidel

Fünf Formate, viele Zugänge

Fünf Formate machen Beteiligung konkret und niedrigschwellig erfahrbar:

  • Bürgerräte erproben bringt bis zu 40 Teilnehmende zusammen, die ein selbstgewähltes Thema diskutieren und Empfehlungen entwickeln. Die Erprobung im Freizeitzentrum Schnelsen zum Thema „Wie gelingt eine gute Kommunikation im Stadtteil?“ wurde von den Teilnehmenden als sehr bereichernd empfunden. Aus dem Format ging eine Gruppe Freiwilliger hervor, die nun ein Kommunikationskonzept für den Stadtteil erarbeitet. Zum Artikel
  • Faxen for Future nutzt ein mobiles Pop-up-Figurentheater im öffentlichen Raum, um Anliegen von Passant*innen zu sammeln und an recherchierte Ansprechpersonen in Politik oder Verwaltung weiterzuleiten. Das spielerische Format vermittelte Menschen in Altona und Barmbek das Gefühl, dass ihre Wünsche und Ideen ernst genommen werden. Zum Artikel
  • Let’s Talk About! schafft Gesprächsräume im Stadtteil, die gemeinsam mit örtlichen Communities geplant werden. Im Bürgerhaus Bornheide kamen afghanische und iranische Frauen zusammen, um über die aktuelle Situation sowohl in Deutschland als auch im Iran und in Afghanistan zu sprechen. Erfahrungsberichte von Expert*innen, Fragen aus dem Publikum und moderierte Gespräche wurden mit kulturellen Beiträgen, Musik und gemeinsamem Essen verbunden. Zum Artikel
  • SHARE! motiviert junge Erwachsene zwischen 16 und 25 Jahren zu Mitsprache und Verantwortungsübernahme. Es gilt, eigene Projektideen zu entwickeln und in einem demokratischen Prozess über die Förderung und Umsetzung der besten Idee zu entscheiden. Die Umsetzung im Kulturhaus Eidelstedt zeigte, dass gezielte Ansprache und eine dauerhafte Beteiligung junger Menschen mit Herausforderungen verbunden sind und besondere Aufmerksamkeit benötigen. Zur Ankündigung der Erprobung
  • Das Praktikumscurriculum Demokratische Trends (ab Sommer 2027) zielt darauf ab, Schulpraktikant*innen ab 14 Jahren für drei Wochen zu Mitgestalter*innen der Stadtteilkultur zu machen. In das Praktikum integriert ist ein pädagogischer Workshop für Medienkompetenz und Demokratiebildung: Die Jugendlichen setzen sich kritisch mit digitalen Informationen auseinander und entwickeln eigene Ideen für demokratiestärkende, digitale Kommunikation. Das Format ist noch in der Planung.

Gemeinsamer Lernprozess und neue Formen der Zusammenarbeit

Gemeinsame Entwickung der Formate: Foto: Verena Reygers

Das Projekt hat die Kooperation der beteiligten Akteur*innen intensiviert und gemeinsame Lernprozesse in Gang gebracht. Stadtteilkultureinrichtungen entwickeln neue Ansätze, teilen Erfahrungen, prüfen die Übertragbarkeit von Ideen und schließen sich zusammen für gemeinsame Erprobungen. Damit entsteht eine weiterentwickelte Form der Zusammenarbeit: Wissen, Methoden und Ressourcen werden stadtteilübergreifend verfügbar gemacht und geteilt. Das Verständnis für die unterschiedlichen Rahmenbedingungen in den jeweiligen Stadtteilen wird geschärft: Ein Format kann nicht unverändert von einem Stadtteil in den anderen übertragen werden. Gemeinsam wird über die Anpassung im Hinblick auf Zielgruppen, Räume, lokale Netzwerke und weitere Gegebenheiten beraten.

Was es für die Verstetigung braucht

Die nächsten Monate stehen im Zeichen der Verstetigung und Übertragung: Die Formate werden an weiteren Standorten erprobt. Eine Online-Toolbox soll bis Jahresende Anleitungen, Erfahrungen und Wissen bündeln und dauerhaft zugänglich machen sowie Kooperationen über die Projektlaufzeit hinaus ermöglichen. Die Projektbeteiligten wollen ihre neuen Vernetzungen weiterhin nutzen und ihre Erfahrungen und Ressourcen teilen. Dafür sollen die regelmäßigen Austauschrunden beibehalten werden. Auch eine Wiederholung des beim Sommertreffen erprobten „Formate-Dating“ ist geplant, denn es hat gezeigt, dass ein gezieltes Zusammenbringen von Einrichtungen und Ideen neue Kooperationen ermöglichen kann.

Das Formate-Dating: Wer möchte welches Format im eigenen Stadtteilkulturzentrum umsetzen?, Foto: STADTKULTUR HAMBURG

Für die dauerhafte Wirksamkeit der Formate sind passende Rahmenbedingungen essenziell: Räume, finanzielle Mittel, Koordinationskapazitäten und qualifiziertes Personal. Spezifische Ressourcen wie ein Projektfonds für „SHARE!“, Moderator*in-nen für Bürgerräte oder mobile Ausstattung für „Faxen for Future“ sowie externe Expertise und Qualifizierungsangebote sind je nach Format nötig.

Stadtteilkultur als demokratischer Möglichkeitsraum

Die Stärke der Stadtteilkultur liegt in ihrer Nähe zu den Menschen und ihren Lebenswelten. Sie schafft Räume für Austausch, Beteiligung und das Erleben von Selbstwirksamkeit. „Formate für die Demokratie“ knüpft daran an. Das Projekt versteht Demokratiebildung nicht allein als Wissensvermittlung. Sie entsteht auch dort, wo Menschen zuhören, eigene Anliegen formulieren, Verantwortung übernehmen, Konflikte aushandeln und gemeinsam Entscheidungen treffen.
Die bisherigen Erfahrungen zeigen: Demokratiebildung in der Stadtteilkultur ist kein fertiges Rezept. Sie lebt von Erprobung, Anpassung und dem Mut, neue Wege zu gehen. „Formate für die Demokratie“ schafft dafür einen gemeinsamen Rahmen – und macht sichtbar, welches Potenzial in der Zusammenarbeit von Stadtteilkultur, zivilgesellschaftlichen Kooperationspartner*innen, Bürger*innen, Politik und Verwaltung liegt.

KONTAKT
Formate für die Demokratie
STADTKULTUR HAMBURG e.V.
Projektleitung Sylvia Linneberg ·
www.stadtkultur-hh.de/demokratie-zusammenhalt/formate-fuer-die-demokratie/

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