Réka Csorba ist seit März 2017 Geschäftsführerin im Kulturschloss Wandsbek. Davor hat sie als Juristin in einem großen Unternehmen gearbeitet. Dem stadtkultur magazin erzählt sie, wie sich der Wechsel anfühlt – und wie er gelang.

Interview: Klaus Irler

Réka Csorba im Gespräch mit dem stadtkultur magazin, Foto: Klaus Irler

stadtkultur magazin: Réka, wie bist du auf die Idee gekommen, Geschäftsführerin eines Stadtteilkulturzentrums zu werden?

Réka Csorba: Ich hatte einen Raum gemietet im Frauenmusikzentrum in Altona, dort habe ich Klavier und Schlagzeug gespielt. Damals war das Frauenmusikzentrum von Schließung bedroht, weil es Probleme gab mit dem Mietvertrag. Ich habe dann am Finanzierungskonzept zur Rettung mitgestrickt. Das war mein Einstieg in die Soziokultur und es hat mich auf die Idee gebracht, auch noch mal Kulturmanagement zu studieren.

Was hast du vorgefunden, als du deinen Job im Kulturschloss Wandsbek angetreten hast?

Ich habe ein ziemliches Chaos vorgefunden, das ich erst mal aufräumen musste. Im letzten halben Jahr vor meinem Start gab es dort keine Leitung. Das war dann erst mal Aufbauarbeit: Ich fing an, viel administrativen Kram wegzuarbeiten und eine Personalstruktur zu schaffen: Ich bin mit einer Mitarbeiterin auf einer halben Stelle und einem Minijob gestartet und habe jetzt ein Team von sieben Leuten.

Welche Leute sind hinzugekommen? Welche Stellenprofile wurden besetzt?

Früher gab es ja nur eine Geschäftsführung, eine Stelle für Vermietung und Buchhaltung und einen Minijob für Projekte und Öffentlichkeitsarbeit. Und jetzt gibt es zusätzlich zur Geschäftsführung eine neue Kollegin, die nur Veranstaltungsorganisation macht und unsere Kurse betreut. Eine Kollegin, die nur Projekte mit integrativem Bezug macht. Einen Minijob nur für die Öffentlichkeitsarbeit und einen nur für die Buchhaltung. Eine halbe Stelle für die Vermietungen und ein Bundesfreiwilliger, der uns als Team-Assistenz in allen Bereichen unterstützt.

Wie macht man so was? Wie kommt man an Gelder für Personal?

Indem man sehr vielen Leuten sehr stark auf die Nerven geht. Ich habe viel gerechnet, um auch argumentieren zu können, und habe dann mit Politikern und dem Bezirksamt gesprochen. Ich habe auch versucht, außerhalb der öffentlichen Töpfe an Mittel zu kommen, aber für sowas braucht man viel Zeit. Ich habe, um neue Stellen zu schaffen, unter anderem bei mir selber Stunden abgeschnitten. Und ich habe intern Themenbereiche umstrukturiert und so Geld eingespart für Personal.

Wie schwierig war es, Leute zu finden, als du neue Stellen besetzt hast?

Ich war erstaunt, wie viele Bewerbungen von sehr gut ausgebildeten Leuten auf doch recht prekäre Stellen reingerauscht sind. Das Problem ist, dass wir nur Teilzeitstellen haben, die auch nach Tariflogik schlecht dotiert sind. Die Leute brauchen also in der Regel noch einen zweiten Job woanders und die Frage ist, wie lange sie dann bleiben.

Wie zäh ist es, voranzukommen?

Auf jeden Fall wurde meine Geduld auf die Probe gestellt. Es ist langwieriger, als ich vermutet habe, weil die administrativen Abläufe so langwierig sind. Wenn ich einen simplen Projektantrag stelle, gehen sechs bis neun Monate ins Land, bis ich Geld in Händen halte. Bis dann damit etwas umgesetzt ist, kann man ein Jahr bis anderthalb rechnen. Anschließend hat man noch die jeweiligen Projektabrechnungen und Sachberichte auf dem Tisch.

Hättest du ein Beispiel?

Wir brauchten zum Beispiel neue Stühle, weil unsere auseinanderfielen. Das Projekt „neue Stühle“ dauerte insgesamt über ein Jahr.

Was könnte helfen? Eine Verwaltung, die schneller arbeitet?

Na ja, vielleicht weniger komplexe Anforderungen. Natürlich sind wir für öffentliche Gelder auch rechenschaftspflichtig. Das ist auch richtig so. Aber es nimmt uns andererseits den Wind aus den Segeln, weil es so viel Zeit kostet, die uns für kulturelle Inhalte fehlt. Ich habe da nicht die Superlösung, würde mir nur eine Entschlackung des Berichtswesens wünschen.

Zahlt ihr nach Tarif?

Faktisch orientieren wir uns am TV-L, aber das steht nicht in Arbeitsverträgen drin. Das Bezirksamt überprüft ja auch die Besoldung der Stellen anhand dieser Logik. Deswegen macht es Sinn, sich dem unterzuordnen.

Weshalb überprüft das Bezirksamt eure Gehälter?

Wegen des Besserstellungsgebotes. Es muss sichergestellt werden, dass wir nicht mehr verdienen, als die Menschen in der Verwaltung. Wir sind aber unverdächtig. Deswegen sprechen wir auch lieber davon, dass es eigentlich ein Nicht-Schlechterstellungsgebot geben müsste.

Läuft die Finanzierung nur über das Bezirksamt?

Nein, da gibt es ganz unterschiedliche Töpfe. Meine Stelle kommt über die sogenannte institutionelle Förderung, sie wird von der Kulturbehörde finanziert, aber in den Bezirksämtern verwaltet. Andere Stellen laufen bei uns beispielsweise über den Quartiersfonds oder den Integrationsfonds. Projekte laufen teilweise über noch andere Geldgeber: Projektförderprogramme der öffentlichen Hand oder Banken, die uns etwas spenden.

Was ist dein Lieblingsargument, wenn du versuchst, jemanden zu überzeugen, dir Geld zu geben?

Die Inhalte. Außerdem arbeiten wir viel mit Ehrenamtlichen zusammen, und Ehrenamt braucht auch Hauptamt. Weil die Leute betreut und angeleitet werden müssen, wenn sie uns freundlicherweise ihre Zeit zur Verfügung stellen. Das ist ein ganz wichtiger Punkt, der oftmals unterschätzt wird.

Und das inhaltliche Argument?

Dass man einfach eine bestimmte Ausstattung braucht, um ein Haus führen zu können, das Begegnungsräume schafft. Ich brauche nicht nur Künstlerinnen und Künstler auf der Bühne, sondern auch jemanden, der die Öffentlichkeitsarbeit macht. Oder einen Hausmeister: Wir haben 40000 Leute im Jahr im Haus, da kann es nicht sein, dass wir keinen Hausmeister haben. Ich habe jetzt einen Hausmeister auf Minijob-Basis. Dafür habe ich zwei Jahre gestritten.

Woher nimmst du für sowas die Kraft?

Das frage ich mich manchmal auch. Man sagt das immer so leicht dahin, dass alle in der Branche Überzeugungstäter sind. Mich motiviert schon, dass ich dem Stadtteil anbieten kann, sich kulturelle Impulse zu holen oder eben auch mitzugestalten und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Ich finde es außer-dem ganz wunderbar, jeden Tag mit tollen Leuten zusammenarbeiten zu können. Die gibt es in meinem Team und generell in der Branche: Als ich neu begonnen habe, habe ich in anderen Häusern immer offene Türen vorgefunden, um Rat zu bekommen. Ich empfinde die Menschen in dieser Branche als sehr offen, freigiebig mit Informationen, kooperativ, immer interessiert. Das ist ein großes Geschenk.

Danke für das Gespräch.

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