„Braam“ bedeutet Ginster auf plattdeutsch. Der gelbblühende Namensgeber von Bramfeld, der früher überall im Stadtteil wuchs, ist heute verschwunden. Trotzdem bietet das Stadtteilarchiv Bramfeld einmal pro Jahr die „Ginstertour“ an: Eine Fahrradführung, die dazu dient, Bewohner*innen, Zugezogenen oder Neugierigen mehr über diesen Stadtteil mitzuteilen und das Zuhause-Gefühl zu stärken.
Autorin: Gudrun Wohlrab
Foto: Gudrun Wohlrab

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Die Fahrradtour führt am so genannten „Ginsterfeld“ vorbei, auf dem 2008 über 1.000 Besenginster gepflanzt worden waren. Aber die Wappenpflanze des ehemaligen Dorfes hielt sich leider nicht lange – der letzte Ginster verschwand nach einer strahlenden Blüte im Mai 2017.

Um ein weniger vergängliches Gelb im Stadtteil sichtbar zu machen, hatte sich 2009 der Verein der Geschäftsleute im Rahmen seiner Maßnahme „Pretty Bramfeld“ dazu entschlossen, zusätzlich zu den Kübeln gelber Primeln im Frühjahr auch Straßenmöblierung gelb zu streichen. Dies sollte die individuelle Note des Stadtteils hervorheben. In Frage kamen leider nur einige Fahrradständer, an denen heute die Farbe abblättert.

Dafür recken die wohl ältesten Zeitzeugen der Gegend ihre Äste noch in den Himmel. Die beiden Eichen an der Fabriciusstraße vor dem Friedhofseingang wurden – oder haben sich – 1782 und 1812 gepflanzt. Ihnen geht es noch nicht an die Krone, während der Baumbestand am Bramfelder Dorfgraben kürzlich für den Wohnungsbau geschreddert wurde. Auch die Tier- und Pflanzenwelt auf der wilden Wiese hinter den Häusern am Trittauer Amtsweg werden ihre Heimat trotz Anwohnerprotest voraussichtlich an den Wohnungsbau verlieren.

Im Herzen des Stadtteils auf dem Bramfelder Dorfplatz bleibt zwar die Rotbuche von 1883 stehen, aber der Bau der neuen U-Bahn-Endhaltestelle wird die anderen alten Bäume fordern und auch keine Rücksicht auf die denkmalgeschützte Friedenseiche – Pflanzjahr 1892 – nehmen. Die Denkmalsteine will man wohl versetzen, aber dass jemand den Preis von über 50.000 Euro für eine Baumumsetzung zahlen will, ist stark zu bezweifeln.

Der Schlaf- und Durchfahrtsstadtteil verliert gerade die letzten Reste natürlicher Wildheit. Bleibt die Frage, ob er durch die neue U-Bahn wachgeküsst und zukünftig stattdessen mehr urbanen Wildwuchs zeigen wird.

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