Manche Berufswege verlaufen nicht geradewegs von A nach B – manche Berufswege verlaufen überraschend. Privatleben und Job vermischen sich, es gibt Zweitjobs und Nebenjobs – und dann gibt es Türen, wo keine zu vermuten waren. Johannes Zerr ist durch einige dieser Türen gegangen. Eine davon war der BFD.
Foto: Klaus Irler

Foto: Klaus Irler

Angefangen hat Johannes Zerr vor vielen Jahren als ­KFZ-Mechaniker. Von da aus ging es über verschiedene Stationen und Weiterbildungen hin zum EDV-Servicetechniker. Und in seiner Freizeit machte er immer viel und ambitioniert Musik und arbeitete unter anderem als Klavierlehrer.

Anfang des Jahrtausends lernte er den Kulturladen St. Georg kennen durch ein interkulturelles Chorprojekt, bei dem er mitsang. Als das Chorprojekt vorbei war, war er dann der Klavierlehrer im Kulturladen.

Der Kulturladen brauchte auch dringend eine neue Webseite und suchte jemanden, der sie bauen könnte. „Ich wusste, wie das geht“, sagt Johannes Zerr. „Ich war arbeitsuchend und im Kulturladen war eine BFD-Stelle frei. Und dann haben wir uns zusammengesetzt, überlegt und gesagt: Wir machen das“, ­erzählt Johannes Zerr zurückblickend.

Auf diese Weise wurde er im Frühjahr 2016 im Alter von 59 Jahren Bundesfreiwilliger mit IT-Auftrag im Kulturladen St. Georg. Neben der Webseite half er bei der Durchführung von Veranstaltungen und übernahm handwerkliche Tätigkeiten. „Die Arbeit dort macht man nicht des Geldes wegen“, sagt er. „Der BFD ist ein soziales ehrenamtliches Engagement: Man macht ihn aus Idealismus. Man ist eingebunden in ein Team und erfährt große Wertschätzung. Und man bekommt ein neues Selbstbewusstsein.“ Zur Freude des Kulturladen-Teams verlängerte Johannes Zerr seinen BFD auf die vollen 18 Monate. Er schätzte die ­BFD-Fortbildungen, die neuen Bekanntschaften, das Lernen und Weitergeben von Wissen. Und er schätzte den Kulturladen: „Gemäß der Satzung des Kulturladens versucht man jeden so zu nehmen, wie er ist. Das zeichnet den Kulturladen aus.“

Nach seinem BFD landete sein Profil in der Datenbank der ­Arbeitsagentur und ein IT-Dienstleister meldete sich, der ihn mit 61 Jahren anstellen wollte. „Dass ich die Stelle bekommen habe in meinem Alter, das hat mit dem BFD zu tun, mit meiner Arbeit und meiner Beurteilung.“

Zwar sind es bisher immer befristete Verträge, aber ­Johannes Zerr mag das Tüfteln am Computer und seine Ver­träge wurden bisher immer verlängert: „Es läuft wie am Schnürchen.“ Und wenn es einmal nicht mehr laufen sollte, wird da wieder eine Tür sein. Nicht sicher. Aber mit großer Wahrscheinlichkeit.

Tagged with →