Wo aus Gesprächen ein Ort wird

Manchmal beginnt Stadtteilkultur nicht mit einer Bühne oder einem fertigen Programm, sondern mit einer offenen Tür, einem Kaffee und der Frage: Was könnte an einem historisch bedeutsamen Ort gemeinsam entstehen? So wie bei der „klinke“ in Rothenburgsort.

Autorinnen: Kim Wrigley und Nina Manz

Frühlingsfest auf dem Hof der „klinke“, Foto: Ali Haji

Mit „klinke – Modellprojekt Schule am Bullenhuser Damm” entsteht in der ehemaligen Schule ein dauerhafter Arbeits-, Lern- und Begegnungsort mit aktiver Erinnerungskultur. Die partizipative Entwicklung des Hauses ist dabei selbst das Austauschformat. Bezahlbar, langfristig und vielfältig soll der Ort werden – mit günstigen Mieten, einem 30-jährigen Mietvertrag und Raum insbesondere auch für marginalisierte Menschen.

Seit einem Jahr öffnet Hallo: Verein zur Förderung raumöffnender Kultur e.V. schrittweise die leerstehenden Räume für Nachbar*innen, Initiativen, Kulturschaffende, Handwerker*innen, Studierende und Gewerbetreibende. Sie alle sind eingeladen, die Zukunft des Hauses mitzugestalten.

Das geschieht an einem Ort mit grausamer Geschichte: Die ehemalige Schule war ein Außenlager des KZ Neuengamme. Hier mussten Menschen Zwangsarbeit leisten, Kinder und Erwachsene wurden ermordet. Heute erinnert die Gedenkstätte Bullenhuser Damm an die Opfer und die Verbrechen.

Begehung der ehemaligen Schule, Foto: Lio Kappel

Statt ein fertiges Nutzungskonzept vorzugeben, entwickelt sich das Haus in einem offenen Prozess. Beim Offenen Haus kommen Interessierte während eines Rundgangs durch die Räume ins Gespräch. In Visionsworkshops geht es um Nutzungen und Bedarfe. Der Filmsalon, den Hallo: e.V. mit der Initiative Dessauer Ufer organisiert, verbindet Filmvorführungen mit Diskussionen über Erinnerung, Flucht und Migration sowie die Folgen nationalsozialistischer und rechter Gewalt bis heute.

Auch Feste mit Musik, Reden und gemeinsamem Essen schaffen Raum für Begegnung und neue Beziehungen. An der Schnittstelle von Gedenken, Stadtgestaltung und Selbstverwaltung zeigt sich, wie groß der Bedarf an Orten ist, an denen vielfältige Perspektiven zusammenkommen.

Darin liegt eine zentrale Aufgabe von Stadtteilkultur: Räume zu schaffen, in denen Menschen gemeinsam Verantwortung für einen Ort übernehmen und miteinander ins Gespräch kommen.

KONTAKT
Hallo: Verein zur Förderung raumöffnender Kultur e.V.
www.hallohallohallo.org · www.klinkeklinkeklinke.org

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