Im Oktober 2009 startete die MOTTE das dreijährige Modellprojekt „Die Ohrlotsen – zwischen Altona und Wedel“ – gefördert von Aktion Mensch, der Gabriele Fink Stiftung sowie durch Zuschüsse aus dem Bezirk Altona und der Stadt Wedel. Nun geht diese kreative Bildungsarbeit mit auditiven Medien mit dem neuen Modellprojekt „Hört mal – Hamburg!“ ins fünfte Jahr.

Autor: Clemens Hoffmann-Kahre

 Bei den Ohrlotsen wird alles selber gemacht, Foto: MOTTE


Bei den Ohrlotsen wird alles selber gemacht, Foto: MOTTE

Ob Hörspaziergänge, Klangkollagen, Audioguides, Hör-spiele oder auch Radiosendungen – mit Unterstützung eines multiprofessionellen Teams gestalten Kinder bei den Ohrlotsen den gesamten Produktionsprozess. Durch den kreativen Umgang mit auditiven Medien werden Zuhör-, Sprach- und Medienkompetenz gefördert. Im Rahmen der kritisch-reflektierenden und künstlerisch-ästhetischen Arbeit setzen sich die Kinder mit ihrer Lebenswelt sowie neuen Themen auseinander und gestalten so ihre Audiobeiträge selbst.

Seit Beginn standen immer zwei richtungsweisende Ziele im Vordergrund. Einerseits wurde die auditive Medienarbeit ständig inhaltlich weiterentwickelt. Andererseits wurden neue Netzwerke zwischen Schule und außerschulischer Kultureller Bildung gebildet. Hierfür war die dreijährige Modellprojektförderung mit den entsprechenden Personalressourcen eine wichtige Voraussetzung. So war es auch nicht verwunderlich, dass die Ohrlotsen schnell über den ursprünglichen Rahmen „von Altona bis Wedel“ nachgefragt wurden und ihre Aktivitäten auf die Metropolregion Hamburg ausdehnten. Hierbei bot auch das Netzwerk des Dachverbandes STADTKULTUR HAMBURG eine wichtige Unterstützung.

Die oben genannte inhaltliche Weiterentwicklung der auditiven Medienarbeit fand auf unterschiedlichen Theorie- und Praxisebenen statt. So wurden z.B. kreative Methoden in Verbindung mit Sprachförderung ebenso erprobt und entwickelt wie zielgruppenspezifische Ansätze in der Förderung von 
Bildungsbenachteiligten oder Hochbegabten. Die Mitarbeiter nahmen an zertifizierten Fortbildungen wie „Sprachförderung mit kulturellen Mitteln“ des Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung Hamburg teil. Grundsätzlich werden in Bezug auf die Anforderungen der Inklusion innovative
und nachhaltige pädagogische Ansätze in der Medienbildung zukünftig weiter an Bedeutung gewinnen.

Neben der inhaltlichen Arbeit und der Netzwerkbildung wurden die Ohrlotsen und die auditive Medienarbeit natürlich auch in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen. Dies gelang 2012 unter anderem mit der Audioproduktion „Ruckzuck über’n Zaun – Hamburger Tüdelbandgeschichten mit den Ohrlotsen“. Das Feature wurde zweimal auf NDR-Info im Kinderradio ausgestrahlt und auf über 4000 CDs über die Filialen von Budnikowsky und die Buchhandlung Heymann vertrieben.

Am Schnittplatz im MOTTE-Tonstudio, Foto: MOTTE

Am Schnittplatz im MOTTE-Tonstudio, Foto: MOTTE

Wie so oft bei Modellprojekten gab es auch bei den Ohrlotsen nach dem Förderungsende in diesem Jahr eine finanzielle Durststrecke. Eine öffentliche Basisförderung konnte leider nicht erreicht werden. Stattdessen halfen vor allem einzelne Projektförderungen der BürgerStiftung Hamburg, der Hamburgischen Kulturstiftung sowie der Gabriele Fink Stiftung, die die Ohrlotsen seit Projektbeginn begleitet.

2014 werden die Ohrlotsen neben Einzelprojekten – z.B. Schulkooperationen, Bündnisse für Bildung „Kultur macht stark“, Kulturagenten und Europe Radio – und kontinuierlichen Angeboten wie dem Kinderradio Osdorf (seit 2010) mit einem neuen auf drei Jahre angelegten Modellprojekt starten. Dafür geht das Projekt eine neue Partnerschaft mit AUDIYOU ein.

„Hört mal – Hamburg!“
2014 startet das neue Modellprojekt „Hört mal – Hamburg!“ der Ohrlotsen in Kooperation mit AUDIYOU gGmbH gefördert von der PwC-Stiftung Jugend-Bildung-Kultur und der Hamburgischen Kulturstiftung.

Hamburg ist nicht nur eine Stadt mit Geschichte, sondern auch ein Lebensraum voller Alltagsgeschichten. Diese wollen die Ohrlotsen mit Kindern und Jugendlichen aus unterschiedlichen Stadtteilen Hamburgs entdecken und hörbar machen. Die Geschichten können so vielfältig sein wie Hamburg.

Das Modellprojekt richtet sich an Kinder und Jugendliche zwischen acht und fünfzehn Jahren. Sie können sich an den angeleiteten Projekten der Ohrlotsen in verschiedenen Stadt-teilen beteiligen. Dies sind z.B. Schulprojektwochen ebenso wie kontinuierliche Angebote in Stadtteilkulturzentren, den Bücherhallen, Museen etc. Zusätzlich können durch die Partnerschaft mit AUDIYOU alle interessierten Kinder und Jugendliche aus Hamburgs 104 Stadtteilen an dem Modellprojekt partizipieren und ihre Aufnahmen von Einzelgeräuschen über Klangkollagen bis zu kleinen Hörspielen auf der „Hört mal – Hamburg!“-Seite bei AUDIYOU präsentieren. Ebenso ist es möglich, dass aus der wachsenden Sound-Library Geräusche und Klänge für eigene Geschichten genutzt werden.

AUDIYOU entstand 2007 als private Hamburger Initiative und ist seit 2008 online. Dabei handelt es sich im Kern um eine redaktionell betreute Online-Audiothek mit aktuell ca. 5000 Tondateien – Geräusche, Atmos, Musik, Hörspiele, Reportagen usw. – , die Nutzer hier veröffentlicht haben. Der größte Teil darf für nicht-kommerzielle Medienproduktionen kostenlos verwendet werden. Für dieses Engagement wurde AUDIYOU im letzten Jahr von der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ als „Ausgewählter Ort 2012“ geehrt. Mit „Hört mal – Hamburg!“ entsteht so ein akustischer Stadtplan, der mit Beteiligung der Kinder und Jugendlichen sowie der Initiativen sich immer weiter entfaltet.

Kontakt:
MOTTE e.V., Eulenstrasse 43, 22765 Hamburg, 040/39 92 62-0 / -41 / -44, kub@diemotte.de, www.ohrlotsen.de

Am Schnittplatz im MOTTE-Tonstudio, Foto: MOTTE

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