Im Juli 2013 soll es losgehen: Die Zinnschmelze bekommt einen Anbau und damit mehr Räume – für Kunst und Kultur, Gruppen und Initiativen, Bühnen und Probenräume. Für Spätsommer 2014 ist die Fertigstellung geplant. Ebenso wichtig sind in der Arbeit des Stadtteilkulturzentrums aber auch die öffentlichen Räume im Stadtteil, wie z. B. die beiden Plätze in der Nähe der Zinnschmelze.

Autorin: Sonja Engler

Belebter Freiraum auf dem Barmbeker Hofsommerfest 2012, Foto: Gabi Ploog

Die Auseinandersetzung der Zinnschmelze mit dem öffentlichen Raum spiegelt sich zum einen im Engagement für den Sanierungsbeirat. Im Beirat geht es darum, die Neugestaltung von Straßen, Plätzen und Grünflächen zu begleiten. Zum anderen zeigt sich diese Auseinandersetzung auch in der Konzeption von Veranstaltungen, die auf Straßen oder Plätzen des Stadtteils stattfinden – wie z. B. „Welt Klang“, „Hertie – Im Blickfeld“, das „Barmbeker Hofsommerfest“ oder die „Hörspielwiese“.

Verschiedene Aspekte der Gestaltung des öffentlichen Raumes behandelt die Zinnschmelze auch im Rahmen der „Barmbeker Stadtteil Gespräche“, wo Experten und Anwohner miteinander diskutieren. Dort geht es um ganz konkrete Fragen des Interessenausgleichs wie z.B. Autoverkehr und Parkplatzbedarf versus Umwandlung einer Straße zur „Flaniermeile“. Oder um gegenseitige Störungen bei der Nutzung von Parks und Grünflächen: Kinderlärm, mangelnde Sauberkeit und sogenannte „Trinkergruppen“ führen zu Konflikten, die ausgehandelt werden müssen. Einfache Lösungen, wie Verdrängung „unerwünschter“ Personen, führen hier kaum zu einem Gewinn an sozialer Integrität. Die Zinnschmelze selbst liegt an zwei Plätzen unterschiedlichen Charakters, die im Laufe dieses Jahres baulich saniert und zu einer Einheit zusammengeführt werden sollen: Der Bert-Kaempfert-Platz direkt am Bahnhof Barmbek wird öffentlich genutzt. Auf ihm findet zweimal in der Woche Markt statt. Ansonsten parkten dort bis vor wenigen Wochen noch Autos.

Der angrenzende Hof, den die Gebäude des Museums der Arbeit und seiner Nachbarn bilden, ist atmosphärisch intimer. Durchgangsverkehr findet hier nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad statt, er ist Ort für Veranstaltungen und Feste. Spannend wird nun die Umgestaltung des städtischen Teils. Noch immer ist der Ausgleich für die wegfallenden Parkplätze auf dem Bert-Kaempfert-Platz ein großes Thema im Stadtteil. Doch beim Blick auf die Vielfalt der Funktionen, die historisch gesehen zentrale Plätze in der europäischen Stadt erfüllen können, werden die Chancen sichtbar, die sich dem Stadtteil hier neu eröffnen.

Insbesondere Marktplätze waren das städtische Handelszentrum, manchmal auch Verkehrsknotenpunkt, Ort der Repräsentation und der politischen Meinungsäußerung – bis hin zu Konfrontation und Straßenkampf. Gerade heute, wo Marktplätze als zentrale Stellen der täglichen Versorgung mit Einkaufszentren und Supermärkten konkurrieren, bedarf es häufig zusätzlicher Rahmenbedingungen, damit sie als Ort des sozialen Lebens im Stadtteil funktionieren.

Ein „Aufreger“ bei der Vorstellung der Gestaltungspläne für den Bert-Kaempfert-Platz war, dass er weitgehend leer bleiben sollte. Die Landschaftsarchitekten argumentierten mit der so entstehenden Flexibilität der möglichen Nutzungen, dem Freiraum. Das bedeutet, der Stadtteil selbst und die Anrainer sind in der Verantwortung, Anlässe für einen Aufenthalt zu schaffen und diese Anlässe im Stadtteilleben zu etablieren. In diesem Fall sind das – neben Globetrotter Ausrüstung – Bildungs- und Kultureinrichtungen: das Museum der Arbeit, die Volkshochschule, die Bücherhalle und die Zinnschmelze. Da im Zuge des Erweiterungsbaus der Haupteingang der Zinnschmelze zum Platz verlegt wird und das Kulturzentrum schon immer gern mit Projekten „nach draußen“ gegangen ist, freut sich das Team der Zinnschmelze schon auf diese neuen Aufgaben und Möglichkeiten in der Gestaltung öffentlichen Kulturlebens und öffentlicher Freiräume.

Kontakt:
Zinnschmelze, Maurienstr.19, 22305 Hamburg, 040/299 20 21, info@zinnschmelze.de, www.zinnschmelze.de

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