„Spielraum“ zu ermöglichen und einen Ort dafür zu bieten – diese Idee hat ihre Wurzeln in den Gründungszeiten der Soziokultur, ist nie ganz aus der Mode gekommen und erfährt gerade eine rasante Erneuerung. Zwei Beispiele aus der MOTTE zeigen, wo diese Vielfalt und Dynamik immer wieder spürbar ist.

Autorin: Griet Gäthke

Aus der Siebdruckwerkstatt der MOTTE, Foto: Ulrich Gerlach

Die Werkstätten und Hilfe zur Selbsthilfe

Große Leinwände mit Symbolmotiven in leuchtenden Farben aus der Bildersprache Ghanas – in der Siebdruckwerkstatt warten die „gedruckten Gemälde“ von Joe Sam Essandoh auf den Transport zur Ausstellung. Joe engagiert sich seit über 20 Jahren ehrenamtlich in der Siebdruckwerkstatt der MOTTE. Er vermittelt Interessierten, was alles mit der Technik des Siebdrucks möglich ist, und er nutzt die Werkstatt für seine eigene künstlerische Arbeit.

In insgesamt elf Werkstätten bieten ehrenamtliche Teams Hilfe zur Selbsthilfe und Raum für kreative Arbeit. Wer den „Offenen Werkstatt Termin“ besucht und Unterstützung bei einer Reparatur oder bei der Verwirklichung einer Idee sucht, findet hier die richtigen Ansprechpartnerinnen und -partner. Die Werkstatt-Teams arbeiten an eigenen Projekten oder engagieren sich bei Aktionen der MOTTE – wie bei der altonale oder der Aktivoli-Freiwilligenbörse.

Diese Form der Selbstorganisation erfährt gerade eine Renaissance. Es entwickelt sich ein zunehmendes Interesse an Freiräumen für das „Selbermachen“. Aktuell kommt eine starke Initiative, den Gedanken der Hilfe zur Selbsthilfe auf einen neuen Nenner zu bringen, vom Verbund Offener Werkstätten aus München. „Freiraum zum Selbermachen“ ist auch hier das Motto. Ein Netzwerk und eine Internetplattform bringen Akteure bundesweit zusammen. Die MOTTE ist Mitglied und kooperiert in diesem Netzwerk, überzeugt davon, dass die Kommunikation untereinander neue Impulse setzt und man sich in dieser Bewegung gemeinsam professionalisieren kann.

Der Naturerlebnisraum Mottenburger Hühnertwiete und grünanteil.net

Neben den handwerklich oder künstlerisch ausgerichteten Werkstätten, gibt es in der MOTTE auch Werkstattgruppen, bei denen sich seit über 20 Jahren alles um Stadtgrün und Tiere in der Stadt dreht – schon lange vor Urban Gardening. Die Kleintiergruppe versorgt die Hühnerschar direkt neben dem MOTTE-Hort. Auf dem Dach der MOTTE hausen die Bienen und produzieren die beliebte „Ottenser Wildblüte“. Mit den Nachbarn werden Feste gefeiert, Reparaturen und Pflege des Geländes organisiert. Die Kinder kommen jeden Tag, um „ihre Hühner“ zu besuchen oder um z.B. bei einer Malaktion mitzumachen, die im Hühnerhof stattfindet. In diesem Jahr sind die Nachbarn eingeladen, bei der Bepflanzung und Pflege der umliegenden Grünanlage gemeinsam Hand anzulegen. Ein Naturerlebnisraum soll entstehen. Beteiligt sind der Hort und das benachbarte Künstlerhaus FRISE. Diese Aktivierung der Anwohner wird vom Amt Grün des Bezirksamts Altona unterstützt. Im Frühjahr 2013 soll es losgehen. Die ersten Treffen finden in der MOTTE statt, um Wünsche und Ideen aufzunehmen oder um Fragen zu beantworten.

Ein neues Projekt zum Thema Stadtgrün wird von Fabian Berger initiiert, der in Kooperation mit der MOTTE grünanteil. net auf den Weg bringt. Per Internet sollen sich Grün-Akteure in der Stadt in Austausch bringen und Projekte initiieren können. Die Internetplattform grünanteil.net macht grüne Schutzund Freiräume in der Stadt sichtbar. Anliegen dieser Initiative ist es, Bewusstsein und Engagement für die biologische Vielfalt des Lebensraums Stadt zu fördern, lokale Initiativen zu vernetzen und aktuelle Aktionen zu veröffentlichen.

In der MOTTE sollen zum Beispiel Lasträder gebaut werden. Wer das immer schon mal lernen wollte, erhält Anleitung in einem Workshop. Geplant sind außerdem eine ErnteGastRalley und ein regelmäßiger grünanteil.net-Stammtisch. Kontinuierlich muss natürlich die Pflege der Grünanlage rund um den Hühnerhof organisiert werden.

Insgesamt entsteht aus dem Zusammenspiel von Hühnerhof, Imkerei und dem neuen Naturerlebnisraum ein Gesamtensemble, das unmittelbar auf die Lebensqualität im Stadtteil wirkt. Davon sind die „Stadtbegrüner“ überzeugt und ihr Engagement wirkt bereits ansteckend.

Kontakte:
MOTTE – Stadtteil&Kulturzentrum, Griet Gäthke, Eulenstraße 43, 22765 Hamburg, pr@diemotte.de, www.diemotte.de
grünanteil.net, Fabian Berger, post@gruenanteil.net, www.grünanteil.net
Stiftungsgemeinschaft anstiftung & ertomis gemeinnützige GmbH, Tom Hansing, tom.hansing@anstiftung-ertomis.de, www.anstiftung-ertomis.de, www.offene-werkstaetten.org