Dezember 2011, ein Bunker in Altona. Drinnen werkeln rund 40 Jugendliche mit Tape, Packpapier, Folien und Licht, um den Bunker für wenige Stunden in einen Jugendort zu verwandeln und zu zeigen, welche Räume für Kultur und Freizeit sie sich in der Stadt wünschen. Das JAS WERK und das Freie Kollektiv Spacedepartment haben das Projekt „BunkerSuperSuite“ 2011 in Kooperation mit dem Bezirksamt Altona sowie mehreren Schulen und Jugendeinrichtungen umgesetzt.

Autorin: Silke Edelhoff

Musikbühne in der „BunkerSuperSuite“, Foto: JAS WERK/Spacedepartment, F. Busch

Das Ergebnis lässt alle staunen: Der Erste-Hilfe-Raum ist – in buntes Licht getaucht – in eine Bar verwandelt worden, die Treppenhäuser fungieren als Galerie. Aus dem grün leuchtenden Entspannungsraum tönt Vogelgezwitscher, auf einer improvisierten Bühne sorgt eine Band für Stimmung. Der Bunker hat sich tatsächlich in einen Jugendort verwandelt. Aktivitäten wie diese machen deutlich: Räume zur selbstbestimmten Gestaltung und Nutzung setzen Kreativität, Gestaltungswillen und Engagement frei. Der Bedarf an solchen gestaltbaren, nicht-kommerziellen Räumen ist groß – seien es öffentliche Räume, Brachen oder Gebäude. Dies gilt gerade für Jugendliche und junge Erwachsene, die kreativ werden, Musik machen, sich bewegen oder einfach selbstbestimmt treffen möchten, jedoch nicht über die Mittel und das Durchsetzungsvermögen verfügen, diese Bedürfnisse aus eigener Kraft umzusetzen. Daher braucht es Ermöglichungsstrukturen, um solche Räume zugänglich zu machen und junge Menschen darin zu unterstützen, aktiv zu werden.

Zahlreiche Jugendprojekte in den letzten Jahren haben gezeigt, dass dadurch nicht nur jugendliche Kultur, Kreativität und Engagement gefördert, sondern auch Impulse für die Stadt ermöglicht werden. Um nur einige Beispiele zu nennen: In Rosenheim bauen Jugendliche im Sommer „Stadtoasen“ mit temporären Stadtmöbeln auf, die das ganze Quartier beleben. In Berlin füllen „Junge Pächter“ seit November 2011 temporär leerstehende Räume, z.B. Ladenlokale, mit ihren Ideen. In Hannover kümmert sich eine Parcoursgruppe um den Raschplatz am Hauptbahnhof, wo sie trainiert und offene Trainings anbietet. In Witten hat „Knut’s Kunstquartier“ die Zusammenarbeit von jungen Kulturschaffenden und Gewerbetreibenden im Quartier angestoßen, um den Ort weiterzuentwickeln. Städte brauchen solche Impulse. Und sie brauchen Menschen, die möglichst früh lernen, sich zu engagieren und kreativ zu werden. Hierfür Räume zu öffnen und Strategien zu finden – gerade in einer wachsenden Stadt wie Hamburg – ist Aufgabe einer wahrhaft kreativen Stadtentwicklung.

Das Projekt wurde gefördert im ExWoSt-Forschungsprogramm „Jugend belebt Leerstand“ des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und des Bundesinstitutes für Bau-, Stadt- und Raumforschung.

Kontakt:
JAS WERK – Jugend Architektur Stadt UG (h.b. ), Hohenzollernring 107, 22763 Hamburg, jaswerk@jugend-architektur-stadt.de

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