Was unterscheidet die „wachsende“ Stadt Hamburg von Städten wie Rheinheim, Krefeld, Gütersloh, Rottweil oder St. Ingbert? Sie alle vergeben einen Kleinkunstpreis, die meisten seit Jahrzehnten. Nur Hamburg nicht. Bis im Jahr 2003 zehn Hamburger Stadtteilkulturzentren ihr Know-how bündelten und den Hamburger Comedy Pokal ins Leben riefen: Er ist der erste Kleinkunstpreis in Hamburg und in Norddeutschland, der mit Preisgeldern junge und alte Talente in den Bereichen Comedy, MusikComedy und Kabarett fördert.

Autoren: Petra Niemeyer und Peter Rautenberg

Wir schreiben das Jahr 2002: Der Hamburger Comedian und Autor Sebastian Schnoy wollte einen Wettbewerb austragen – vergleichbar mit einem Sportturnier, in drei Runden und an mehreren Spielorten – und suchte Kooperationspartner. Schnoy, bis dahin schon in vielen Häusern der Hamburger Stadtteilkultur aufgetreten, nutzte diese Kontakte und hat sehr schnell zehn Häuser von seiner Idee begeistern können.

Die Hamburger Stadtteilkulturszene ist eng vernetzt. Die im Dachverband STADTKULTUR HAMBURG organisierten Häuser treffen sich einmal im Monat. Informationen über Programme, GEMA usw. werden ausgetauscht und gemein­same Veranstaltungen konzipiert. Dabei ist der Hamburger Comedy Pokal das bisher größte gemeinsame Projekt, mit dem Künstlerinnen und Künstler aus dem gesamten deutschspra­chigen Raum nach Hamburg eingeladen werden.

Das sportliche Prinzip des Wettbewerbs wurde gemeinsam mit Sebastian Schnoy ausgefeilt: 20 Comedians treten in der Hauptrunde in zehn Häusern gegeneinander an. Die zehn Sieger treten am nächsten Tag im Halbfinale in fünf Häusern gegen­ einander an. Die verbleibenden fünf Comedians ziehen zwei Tage später ins Finale und kämpfen um Titel und Preisgelder und natürlich um das heißbegehrte Markenzeichen des Pokals, den Frottier­-Pokal. Damit nicht genug: Die in den beiden ersten Runden ausscheidenden Künstler können sich am Tag vor dem Finale über die „2. Chance Show“ doch noch für die End­runde qualifizieren.

Mit dem Zusammenschluss von zehn Hamburger Kulturzen­tren war der entscheidende Grundstein für den ersten Wett­bewerb im Jahr 2003 gelegt. Die schwierigste Hürde stand jedoch bevor: die Finanzierung des Projekts. Die Hamburger Kulturbehörde hatte seit Anbeginn signalisiert, keinen Zuschuss gewähren zu wollen und auch sonst war keine öffentliche Förderung zu erwarten.

Glücklicherweise konnte SAGA GWG, Hamburgs größtes Wohnungsunternehmen, gewonnen werden. Seit dem ersten Wettbewerb dabei, steigert SAGA GWG ihr finanzielles Engage­ment für den Hamburger Comedy Pokal jährlich. Dort hat besonders die Idee gezündet, dass der Wettbewerb über das ganze Stadtgebiet verteilt stattfindet, denn auch die Wohnungen von SAGA GWG sind in fast jedem Hamburger Stadtteil zu finden.

Andreas Linzner hat das berühmte Markenzeichen, den Pokal aus Frottier, in seiner Design­Werkstatt in der Markt­straße gefertigt. Dieser ziert seit 2004 das Plakat und das Programmheft und wird in sonstigen Publikationen als Logo für den Pokal eingesetzt. Andreas Linzner unterstützt den Wett­ bewerb, weil ihn die tolle Idee überzeugt hat. Er fertigt die Siegerpokale, allesamt Unikate, die den drei erstplatzierten Künstlern überreicht werden. Seit 2008 wird dank „Globetrotter Ausrüstungen“ der mit 500 Euro dotierte Publikumspreis vergeben.

Am 22. Oktober 2012 feiert der Hamburger Comedy Pokal im Schmidts TIVOLI sein 10-jähriges Jubiläum. Zur großen Gala sind die Sieger der vergangenen Jahre eingeladen, um ein Erfolgsprojekt mit Zukunft zu feiern.

Der Hamburger Comedy Pokal hat den Zusammenhalt der Zentren gestärkt. Er ist ein sich stetig entwickelndes Projekt. Jedes Jahr stoßen neue Kooperationspartner hinzu, wird das Programm im und um den Wettbewerb ausgebaut und profes­sionalisiert. Vor allem aber ist es ein perspektivisch ausbaufähiges Projekt. Ein „Leuchtturm“ innerhalb der Hamburger Kulturszene, der sich in den Jahren 2003 bis 2011 dafür stark gemacht hat, dass in Hamburg ein attraktiver Kleinkunst­Preis vergeben wird, der talentierten Künstlern den Sprung in die kreative Selbstständigkeit erleichtern möchte.

Unter den Preisträgerinnen und Preisträgern finden sich so klanghafte Namen wie Cindy aus Marzahn, Matthias Egers­ dörfer, Tobias Mann und Nagelritz. Es ist eine große Freude zu sehen, dass der Hamburger Comedy Pokal zu deren Erfolg beitragen konnte.

Die Organisatoren des Hamburger Comedy Pokals wün­schen sich, weitere Partner an Bord zu holen und von der zukunftsträchtigen, nachhaltigen Idee zu überzeugen, einen Wettbewerb mit nationaler Strahlkraft in den Stadtteilen zu verorten. Denn der Wettbewerb braucht weitere finanzielle Unterstützung. Nicht nur, dass viele Arbeiten, die zur Zeit noch ehrenamtlich und vor allem zusätzlich zum alltäglichen Betrieb erledigt werden, angemessen honoriert werden sollen. Eine hohe Flexibilität aller Beteiligten wird auf jeden Fall weiter gefragt bleiben. Eine Aufgabe, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Stadtteilkulturzentren leicht nehmen: Improvisation und Agieren mit bescheidenen finanziellen Mitteln gehört zu ihrem täglichen Handwerkszeug. Vielleicht ist es gerade das, was die besondere Allianz zwischen Comedy­kunst und Stadtteilkultur ausmacht: Das Schwere ist, es leicht zu machen.

Kontakt:
Hamburger Comedy Pokal e.V., Lohbrügger Landstr. 8, 21031 Hamburg, Peter Rautenberg, 040/27 87 02 10, peter.rautenberg@hamburgercomedypokal.de,
Petra Niemeyer, 040/724 77 35, petra.niemeyer@hamburgercomedypokal.de, www.hamburgercomedypokal.de

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