Freiwilliges Engagement hat Hochkonjunktur. Das merken auch die Macher des HAMBURGER KULTURSCHLÜSSELS, ein Projekt von leben mit Behinderung Hamburg, das mit dem „Freiwilligendienst aller Generationen“ arbeitet.

Autor: Lukas Johannsen

Bei Leben mit Behinderung Hamburg blickt man auf eine lange Erfahrung in der Freiwilligenarbeit zurück: Über 200 Ehrenamtliche engagieren sich. Mit dem Hamburger Kulturschlüssel wurde 2009 ein ganz neuartiges Projekt initiiert, das Menschen, die sonst vom Kulturgenuss ausgeschlossen sind, die Teilhabe am kulturellen Leben in Hamburg ermöglicht und das mit Hilfe von Freiwilligen.

Neben den wichtigen Kartenspenden der Kulturveranstalter sind es die ehrenamtlichen Kulturbegleiter die den Kulturgenuss möglich machen. Sie begleiten Kulturgenießer ins Theater, Kino, zu Sportveranstaltungen oder in Ausstellungen. Der Kulturschlüssel richtet sich u.a. an Senioren, Menschen mit geringem Einkommen, Migranten und Menschen mit Behinderungen. Aber auch jene die an Ängsten leiden und abends nicht alleine unterwegs sind oder Menschen, die einfach nicht ohne Begleitung ins Theater gehen möchten, werden unterstützt.

Christa Sandmann engagiert sich im Rahmen des „Freiwilligendienstes aller Generationen“ (FDaG) als Kulturbegleiterin beim Hamburger Kulturschlüssel und begleitet Senioren ins Theater. „Es ist schön zu wissen, dass man gebraucht wird“, sagt Sandmann. Sie hat viele Jahre neben mehreren ehrenamtlichen Tätigkeiten als Buchhalterin gearbeitet. Seit fünf Jahren ist sie jetzt als Freiwillige bei Leben mit Behinderung Hamburg – nicht nur beim Kulturschlüssel. Rückblickend stellt sie erfüllt fest: „Ich wundere mich, was ich alles gemacht habe!“

Der Hamburger Kulturschlüssel ist eines von 46 Leuchtturmprojekten des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Bis 2011 werden diese Leuchtturmprojekte für „ein herausragendes bürgerschaftliches Engagement“ gefördert. Die ehren-amtlichen Helfer, die sich im Rahmen des FDaG engagieren, sind während der Ausübung dieser Tätigkeit kranken- und unfallversichert und haben Anspruch auf Fortbildungen. Hier lernen die Kulturbegleiter zum Beispiel Erste Hilfe, das korrekte Schieben von Rollstühlen oder das Begleiten von Menschen mit Sehbehinderungen. Das besondere am FDaG, im Gegensatz zu anderen Engagementformender Freiwilligenarbeit ist, dass die Ehrenamtlichen mindestens acht Stunden in der Woche für eine Dauer von wenigstens sechs Monaten aktiv sein müssen.

Der Hamburger Kulturschlüssel kooperiert mit fast 50 Veranstaltern, die dem Projekt ein Freikartenkontingent zur Verfügung stellen. Mit dabei sind unter anderem das Deutsche Schauspielhaus, Kampnagel, das Museum für Kunst und Gewerbe oder das Thalia Theater. „Es geht uns um das gemeinsame Kulturerlebnis“, sagt Frank Nestler, Leiter des Projektes.

„Ein Theaterbesuch macht einfach mehr Spaß, wenn man dies gemeinsam tut. Beim Hamburger Kulturschlüssel treffen Menschen mit Behinderung, alte und junge Menschen und Menschen mit Migrationshintergrund auf einander, die gemeinsam eine Veranstaltung besuchen und sich ohne unser Projekt wohl nie kennengelernt hätten.“

Die Freiwilligen werden als Kulturbegleiter an so genannte „Kulturgenießer“ vermittelt, die diese begleiten und unterstützen. So sorgt ein Kulturbegleiter z.B. dafür, dass die Wegstrecke vom Wohnort zum Veranstaltungsort und wieder zurück für einen Rollstuhlfahrer kein Hindernis mehr darstellt. Projektkoordinator Frank Nestler freut sich über den Erfolg der Arbeit: „Wir vermitteln im Monat über 100 mal Kulturgenuss. Die Grenzen zwischen Genießern und Begleitern verschwimmen mehr und mehr und das Erleben von Kultur in einer freundschaftlichen Atmosphäre steht im Vordergrund.

Kontakt:
Hamburger Kulturschlüssel, Leben mit Behinderung Hamburg, Frank Nestler, Südring 36, 22303 Hamburg, 040/27 07 90-642, kulturschluessel@lmbhh.de, www.hamburger-kulturschluessel.de