Mit 125 Freiwilligen in fünf Bundesländern ist die BUNDESVEREINIGUNG KULTURELLER KINDER- UND JUGENDBILDUNG e.V. (BKJ) 2001 in das „Freiwillige soziale Jahr Kultur“ gestartet. Nach zehn Jahren ist daraus ein starker Trägerverbund für Jugendfreiwilligendienste Kultur und Bildung entstanden. Nun kommt der neue „Bundesfreiwilligendienst Kultur und Bildung“ dazu.

Autorin: Dana Hieronimus

Unter dem Dach der BKJ haben die inzwischen zwölf Träger in den Ländern ein gemeinsames Qualitätskonzept sowie eine pädagogische Rahmenkonzeption verabschiedet, umgesetzt und kontinuierlich fortgeschrieben. Spezifische Weiterentwicklungen ermöglichen seit 2007 Ganztagsschule in Rheinland-Pfalz und seit 2009 das FSJ Politik in Niedersachsen. Im zehnten Jahrgang FSJ Kultur, der gerade endete, haben 1.100 Freiwillige deutschlandweit diese besondere Form bürgerschaftlichen Engagements genutzt. Seit September sind es nun knapp 1.450. Für das Feld der Kulturarbeit – unter ihnen zahlreiche soziokulturelle und kulturpädagogische Einrichtungen – ist der Einsatz freiwillig Engagierter Auftrag und Gewinn zugleich: kulturelle Angebote für alle Generationen und Milieus zugänglich machen, sowie diese auf- und ausbauen. Die Träger dieser Jugendfreiwilligendienste sind in Zivilgesellschaft, in Jugendhilfe und -bildung verankert.

Sie setzen die „Jugendfreiwilligendienste Kultur und Bildung“ mit Einrichtungen um, die Teil regionaler Fachszenen sind und durch Kooperationen und Netzwerke weite Angebote und Zugänge für Freiwillige bieten. Die Freiwilligen unterstützen die Einrichtungen in ihren täglichen Aufgaben, bereichern mit neuen Ideen und Sichtweisen, bringen eigene, zusätzliche Projekte auf den Weg und gestalten so nicht zuletzt Kulturarbeit im Gemeinwesen. Darüber sammeln sie in ihrem Freiwilligendienst wertvolle Erfahrungen für ihren individu- ellen Berufs- und Lebensweg, entwickeln sich persönlich weiter und gewinnen Orientierung. Durch die Mitarbeit an der Seite von Fachkräften, die eigenverantwortliche Projektarbeit und in der begleitenden Seminararbeit erleben die Freiwilligen Selbstwirksamkeit, erfahren Anerkennung und werden zudem für kultur-, bildungs- und gesellschaftspolitische Fragen sensibilisiert. Jugendfreiwilligendienste Kultur und Bildung wirken also in beide Richtungen: auf das Individuum und in die Gesellschaft.

Bundesfreiwilligendienst Kultur und Bildung
Neben die Jugendfreiwilligendienste ist nach Aussetzung von Wehrpflicht und Zivildienst nun der neue Bundesfreiwilligendienst getreten. Die BKJ hat sich früh in die Diskussion um den Umbau des Zivildienstes vom Pflicht- zum Freiwilligendienst eingebracht, die Entwicklungen mitgestaltet, Impulse gegeben und sich als Zentralstelle anerkennen lassen.

Die BKJ sieht im Bundesfreiwilligendienst zum einen die Chance, mehr Einsatzstellen für junge Freiwillige zu schaffen und der stetig hohen Nachfrage so stärker nachzukommen. Für Menschen bis 23 Jahre setzt die BKJ den Bundesfreiwilligendienst daher in enger Anlehnung an die Jugendfreiwilligendienste Kultur und Bildung mit den dafür zuständigen Trägern und dem bewährten Qualitätskonzept um. Ab September werden die ersten 150 jungen Menschen unter dem Dach der BKJ in den Bundesfreiwilligendienst starten. Zum anderen verfolgt die BKJ die Entwicklung und Erprobung neuer Freiwilligendienstformate, denn das Bundesfreiwilligendienstegesetz ermöglicht Konzepte für alle Generationen – von Studienabsolventen über Menschen in beruflicher Umbruch- und Orientierungssituation bis hin zur Nacherwerbsphase.

Die BKJ möchte sie als Nachwuchs, Engagierte und Multiplikatoren für die Kulturarbeit gewinnen, mit ihnen zusätzliche kulturelle Bildungsangebote für Jung und Alt schaffen, durch sie Organisationspotenziale für freiwilliges Engagement in Kultur und Bildung stärken. Die ersten Partner für eine Erprobungsphase „Freiwilligendienste Kultur und Bildung Ü23“ sind bereits gefunden – darunter STADTKULTUR HAMBURG e.V. – und wollen bis Jahresende spezifische Konzepte entwickeln und 100 Freiwilligenplätze einrichten. Dem Bundesfreiwilligendienst liegt ein öffentlich-rechtliches Dienstverhältnis zwischen Bund und Freiwilligen in Kooperation mit den Einsatzstellen und Trägern zugrunde. Er erhält eine gute finanzielle Förderung durch das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben.

Grundsätzlich also bieten sich aus Sicht der BKJ für das Engagement in Kultur und Bildung vielfältige Optionen. Für die Umsetzung gibt es nach der holprigen Startphase des Bundesfreiwilligendienstes inzwischen eine praktikable Basis. Dass das zivilgesellschaftliche Trägerprinzip im Bundesfreiwilligendienst nur über Umwege Abbildung findet, bleibt weiterhin kritisch zu betrachten. Die BKJ möchte mittelfristig 1.000 Engagierten einen Bundesfreiwilligendienst Kultur und Bildung ermöglichen. Wichtig ist ihr dabei, dass gerade bei diesem staatlich geführten Freiwilligendienst die Prinzipien von Freiwilligkeit und Unabhängigkeit sowie die Sicherstellung von Mitsprache, Partizipation und Emanzipation gewahrt bleiben.

Kontakt:
Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V. (BKJ), Dana Hieronimus, Büro Freiwilliges Engagement, Mühlendamm 3, 10178 Berlin, 030/32 52 96 31, hieronimus@bkj.de, www.bkj.de

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